Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.
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Geschichten einer Wildtierpflegestelle: Schnatterinchens langer Weg in die Freiheit

Kükenwaisen unter sich: Schnatterinchen bei ihrer neuen Familie.Kükenwaisen unter sich: Schnatterinchen bei ihrer neuen Familie.28. Juni 2016

Im vergangenen Jahr nahm der Hamburger Tierschutzverein fast 4.000 Wildtiere auf. Viele werden in privaten Pflegestellen versorgt, aufgepäppelt und auf die Auswilderung vorbereitet. So konnten beispielsweise über 200 Tiere von Familie Bernhardt wieder in die Freiheit entlassen werden, darunter war auch das Stockentenküken Schnatterinchen. Ihre Geschichte hat Janet Bernhardt hier zusammengefasst:

Schnatterinchen hatte es von Anfang an nicht leicht. In der Wildnis frisch geschlüpft, verlor sie durch einen Autounfall ihre Familie und landete dann im Hamburger Tierschutzverein. Liebevoll wurde sie hier aufgepäppelt und kam dann zu uns in die Pflegestelle. Unser Hof liegt in Schleswig Holstein, im sogenannten Hamburger Speckgürtel mitten in der „Pampa“, umgeben von Wald, Wiesen, Seen, Moorlandschaften und Feldern. Abgeschnitten von jeglicher Zivilisation (naja, nicht ganz!). Hier bekam sie eine neue Familie aus weiteren verwaisten Stockentenküken.

Wasser brauchen Schnatterinchen und Co. von Anfang an zum Wohlfühlen!Wasser brauchen Schnatterinchen und Co. von Anfang an zum Wohlfühlen!Von nun an ging das Leben erst richtig los. Sie wurde von der Gruppe gut aufgenommen und wuchs zu einer stattlichen Entendame heran. In einer der Auswilderungsvolieren lernte sie schwimmen und machte bald ihre ersten Flugversuche. Dann war es endlich so weit, die Freiheit wartete und alle Waisen folgten ihrem verlockenden Ruf! Nur unser Schnatterinchen sagte sich: „Hier bin ich, hier fühl ich mich wohl, hier bleib ich!" Es wurde ein recht einsamer Winter, denn alle anderen folgten ihrem Instinkt und wanderten etwas weiter südlich, wo die Temperaturen angenehmer waren. Es kam ein schöner Frühling und einige ehemalige Handaufzuchten kehrten zum Hof zurück. Unter anderem ein schnieker Stockentenerpel, der sich sofort in Schnatterinchen verliebte und so wurde eine Familie gegründet. 

 

Erster Brutplatz neben einer Schubkarre.Erster Brutplatz neben einer Schubkarre.Ein Platz für ihr Nest fand sich schnell hinter einem Schuppen neben einer Schubkarre. Eifrig brütete sie über 30 Eier aus und so schlüpften bald 18 kleine Küken. Doch es war ihre erste Brut, sie hatte noch keine Erfahrung und viele andere Wildtiere bekamen auch Junge, die ebenfalls großen Hunger hatten. So verlor Schnatterinchen alle ihre Küken.

Zum gleichen Zeitpunkt befanden sich die ersten Stockentenwaisen aus dem Jahr 2015 in einer der Auswilderungsvolieren. Diese frisch aus unserem Aufzuchtsraum ausgezogenen Küken klagten am Zaun ihr Leid, wie furchtbar es doch in dieser, für sie so riesigen Voliere sei. Sie quakten so lautstark nach ihrer menschlichen „Mama“ (das bin wohl ich), das Schnatterinchen angewatschelt kam und neugierig, wie Enten nun mal sind, in das Gehege schaute. Und es machte „klick“! Auf der einen Seite des Zauns Entenküken ohne Mama, auf der anderen Seite Entenmama ohne Küken. Entgegen der Natur wollte Schnatterinchen unbedingt zu den Kleinen und andersrum genauso. So liefen die Enten ewig am Gitter auf und ab, bis ich endlich die Tür öffnete und alle aufeinandertrafen. Um ein weiteres Unglück zu vermeiden, blieb die Patchwork-Familie in der Voliere, was Schnatterinchen aber völlig egal war, Hauptsache sie hatte wieder Küken, die sie beturteln konnte. Ihren Ehegatten vermisste sie sowieso nicht, der hatte sich mit anderen Entendamen schon längst aus dem Staub gemacht. Glücklich vereint wuchsen die Kleinen heran und als die ersten Flugversuche gemacht wurden, verließen sie gemeinsam das Gehege und zogen auf den gut versteckten See im Wald um. Der Umzug in die Freiheit ist geglückt!

Der Umzug in die Freiheit ist geglückt!Der Umzug in die Freiheit ist geglückt!Nächste Woche gibt es weitere Geschichten aus der Wildtierpflegestelle.