Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.
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Zweiter Reisebericht aus Bucov: Die Beschilderung ist wieder komplett

Der große Salos wird nur schwer jemals wieder aus dem Lager herauskommen.Der große Salos wird nur schwer jemals wieder aus dem Lager herauskommen.7. August 2017

Unsere 1. Vorsitzende Sandra Gulla ist nun seit gut einer Woche im rumänischen Ploiesti. Was sie in dieser Zeit gemeinsam mit den Tierschutzkolleginnen und weiteren Helfern geschafft und wie sich die Situation im Hundelager Bucov verändert hat, erfahren Sie in ihrem zweiten Reisebericht.

 

 

 

 

So, jetzt Freitagabend komme ich wieder dazu von den letzten Tagen zu berichten. Eine Woche hat das Hundelager mich nun bereits fest im Griff und manches ist schon wieder so vertraut und manches beginne ich neu zu durchschauen.

Wochenziel erreicht

Nachdem Stephan und ich die Veränderungen auf dem Gelände im Plan eingezeichnet und für die neuen Kennel Nummern vergeben hatten, konnten die entsprechend benötigten Schilder bestellt werden. Es wurden neue Kennelbereiche errichtet, andere entstanden durch das Teilen vorhandener Kennel. Immer schade zu sehen, wenn Ausläufe, die ich als Lebensraum für Hunde akzeptabel gefunden habe, nun in kleine Einheiten unterteilt werden. Die steigende Anzahl der Hunde macht es aber nötig.

Nachdem die Schilder geliefert wurden, haben wir uns sogleich an unsere Lieblingsaufgabe der Woche gemacht: Schilder aufhängen. Bei nie unter 35 Grad und zumeist in der direkten Sonne stehend eine Aufgabe, die wir zu dritt, denn mittlerweile ist Cindy als weitere Helferin aus Deutschland für eine Woche zu uns gestoßen, angegangen sind. Wir haben zu dritt rotierend gearbeitet, einer durfte immer mal im Schatten das Arbeitsmaterial bewachen. Eine Horrorvorstellung, die Hunde hätten unseren tollen neuen Masterplan geklaut und kräftig durchgekaut …

Und ich kann zu meiner großen Freude vermelden: Wir haben an die 100 Schilder angebracht und alle Kennel auf dem Gelände haben nun wieder eine gut lesbare und logisch fortlaufende Nummer!

Vielleicht fragt sich der ein oder andere, warum ich so ein Aufhebens um diese Schilder mache. Bitte stellen Sie sich vor, was es heißt, wahrscheinlich etwa 1800 Hunde auf einem über sieben Hektar großen Gelände mit unzähligen Kenneln irgendwie wiederzufinden, wenn man nicht den genauen Kennel bezeichnen kann. Wie will man den Arbeitern, den Tierärztinnen, den rumänischen Tierschutzkolleginnen oder sich untereinander klarmachen, wo was zu tun ist. Wie soll die Vermittlungsgalerie von ProDogRomania funktionieren, wenn man nicht präzise reinschreiben kann, wo der Hund, jedenfalls zum Zeitpunkt der Erfassung, saß. Jeder, der etwas für die Hunde tun wollte, würde viel mehr Zeit als jetzt mit dem Suchen verbringen.

Klar, könnte man denken, darum sollte sich die Lagerverwaltung kümmern, aber das tut sie nicht und deshalb sorgen wir selber für diese Ordnung und man lässt uns.

Man lässt uns machen

Die gestiegene Anzahl der Hunde hat mich in den ersten Tagen doch sehr nachdenklich gestimmt und ich fragte mich, ob wir auf einem Irrweg sind mit unserer Hilfe. Ich meine damit nicht diese platten Urteile der Facebook-Tierschutzkenner, die immer wissen, dass Auslandstierschutz sowieso nicht geht oder dass er nur ohne unsere Hilfe zu gehen hat oder was auch immer da so an klugen Urteilen aus dem gemütlichen Zuhause gänzlich ohne Vor-Ort-Kenntnisse abgesetzt wird.

Nein, ich fragte mich: Müssen wir anders agieren, haben wir Stellschrauben vergessen. Aber das hat mich meine juristische Ausbildung gelehrt: Ergründe erst den Sachverhalt gründlich und vollständig, bevor Du urteilst.

Nach nun einer Woche sehe ich schon klarer: In den letzten Monaten sind durch die rumänischen Tierschützerinnen 350 Hunde aus dem Tötungslager Campina in das Hundelager Bucov gebracht worden. Für diese Hunde war das die Lebensrettung. Sie wären alle bereits tot ohne die Aktion, die Mihaela Teodoru gestartet und geleitet hat, aber auch ohne die Zustimmung von Direktor Sandu, der seit letztem Jahr für das Lager verantwortlich ist und der dazu sicher auch die Rückendeckung durch den Bürgermeister brauchte.

Ein kleiner Umstand steht stellvertretend für die großen Veränderungen: 2014 durften wir die Toilette im Verwaltungsgebäude nur nutzen, wenn wir vorher um Einlass gebeten hatten, drinnen saßen nichts-tuende Sekretärinnen, die ich nur Rosen und Geranienampeln vor dem Eingang gießen und Fingernägel lackieren sah. Es gibt nur noch die Hälfte von ihnen und wir nutzen das Verwaltungsgebäude nun gänzlich selbstverständlich. Im Büro, das nun Mihaela Teodoru zur Nutzung überlassen wurde, wird ein Welpe gepäppelt. Ich muss immer noch ein bisschen schmunzeln, wenn ich nun selbstverständlich in meinen dreckigen Klamotten dort reinlaufe und ich sogar noch gefragt werde, ob es mir gut geht. Okay, die Geranien sind inzwischen vertrocknet.

Auch eine deutlich verstärkte Entwicklung seit letztem Jahr: Es kommen mehr Leute, um einen Hund zu übernehmen. Dafür wird nun seitens der Verwaltung auch geworben. In erster Linie wird nach Welpen verlangt, aber wer will das verurteilen: Auch in Deutschland verlangen viele Menschen nach Welpen und auch in unserem Tierheim vermitteln wir Hunde- oder Katzenwelpen leichter als erwachsene Hunde. Und Rassehunde haben eine Chance, aber auch das ist ja nicht nur typisch für Rumänien. Als ich an einem der vergangenen Tage mitbekam, dass ein kräftiger American-Staffordshire-Terrier rausgegeben werden sollte, war ich erst sehr besorgt. Als ich dann jedoch mitbekam, dass das junge Paar sofort damit einverstanden war, dass der Rüde aber zuerst noch kastriert werden musste und ich mich mit ihnen in deren Wartezeit unterhalten konnte, wurde aus der Sorge Freude. Sie hatten einen Ledermaulkorb mitgebracht und ich zeigte ihnen hundefreundlichere Modelle im Internet aus Metall. Sie waren aufgeschlossen und interessiert. Der junge Mann hatte bereits in London gelebt und kannte den Tierschutzgedanken. Wir haben zusammen gelacht, als der dicke Kerl nach der Kastration in der Schubkarre, mit der sie ihn zu ihrem Auto transportieren konnten, laut schnarchte. Es war ein richtig gutes Gefühl seinen kleinen Zwinger danach für kurze Zeit leer zu sehen.

Es gab in dieser Woche vier Kastrationstage und das ist schon fast die Regel, es werden auch Hunde von außerhalb kastriert, noch wenige, aber das Angebot ist da.

Heute kamen die Hundefänger mit Hunden, die mir fast die Sprache verschlugen: Cane Corso, American Staffordshire und ein Bernhardiner, alle in mäßiger Verfassung. Ich konnte in Erfahrung bringen, dass es sich um eine Sicherstellung bei einem Hundehändler handelte, der verschiedene Rassehunde in ihren eigenen Exkrementen zwischen toten Artgenossen hielt, er holte wohl auch lohnende „Ware“ aus Tötungsstationen. Obwohl die Sicherstellung im Zuständigkeitsbereich von Bukarest erfolgte, kamen die Hunde nach Ploiesti ins Hundelager Bucov, weil man davon ausging, dass man hier mit diesen Hunden klarkommt. Ich war platt. Das Hundelager Bucov ist damit auch für diese Hunde zur Rettung geworden. Es sollen wohl noch weitere Hunde von dort folgen.

Wenn aber Bucov zu so einem Ort geworden ist, dann wundern mich die erhöhten Hundezahlen auch nicht, dann ist Bucov nicht nur kein Tötungslager, sondern sogar schon ein wenig ein Rettungslager geworden. Und ganz klar hätte diese Entwicklung niemals so und niemals so schnell stattgefunden ohne die stetige, voll engagierte Unterstützung von ProDogRomania in Bucov. Ich bin dankbar, dass wir als HTV ein kleiner Teil davon sind.

Ich hoffe sehr, dass ich in der nächsten Woche die Gelegenheit habe, Direktor Sandu für die positiven Entwicklungen zu danken, aber auch über weitere nötige Verbesserungen  mit ihm ins Gespräch kommen kann. Jedenfalls hat er mir im letzten Jahr nicht zu viel versprochen, als er zusagte, die Versorgung im Lager zu verbessern: Mehr Arbeiter, ein Mehrschichtbetrieb und neue Hilfsmittel wie der Elektro-Futterwagen sind deutliche Zeichen davon.

Morgen (Samstag) werde ich das große Glück haben, den zweiten Adoptionstag, den Aniela Ghita nun in Abstimmung mit Direktor Sandu im Hundelager veranstaltet, mitzuerleben. Ich bin gespannt. Und ab morgen werden nach und nach die Vorstandskolleginnen von ProDogRomania hier ankommen.

Schon heute Abend, wenn ich ihnen gleich meinen Text zur Vorabinfo schicke, rufe ich Ihnen zu: „Hey Mädels, lasst uns gemeinsam die Welt verbessern, während andere nur über ihren Zustand klagen.“

 

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