Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.
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Jerry

b_315_300_16777215_00_images_tiervermittlung_erfolgsgeschichten_0993_2018-Q1_Erfolgsgeschichte292.Jerry(2).JPGLiebe Mitarbeiter des HTV,

wie versprochen melde ich mich nun nach ein paar Monaten, um zu erzählen, wie es Kater Jerry und mir mittlerweile geht, seit ich ihn Ende Juni von Ihnen übernehmen durfte.

Jerry hatte sich hier zu Beginn ganz gut gemacht, der alte Herr kletterte aus seiner Box und verkrümelte sich erstmal unter den Esstisch, wo er mich und das Zimmer beobachtete und in seichte Nickerchen abdriftete. Nach nur 3-4 Stunden erkundete er die Wohnung inklusive erster Mahlzeit, Medikamente- und Katzenklonutzung und suchte sich dann sein Schlafplätzchen für die Nacht: die letzte Ecke im Schlafzimmer hinter meinem Nachttisch - auf dem nackten Laminatboden.

Dort liegt er heute noch jede Nacht und nachdem er monatelang meine Versuche, ihm ein weiches, kuscheliges Kissen, Decke oder wenigstens ein Handtuch unterzujubeln vehement abgewiegelt hatte - er schob selbiges immer wieder weg um morgens daneben liegend aufzuwachen - hat er bei sinkenden Temperaturen nun endlich den nackten Boden gegen ein Kissen unterm Popo eingetauscht.

Leider hat Jerry dann noch sehr schlechte Erfahrungen hier gemacht. Die Bissverletzung durch den leider unkastrierten Kater, der vom Balkon im ersten Stock durch die Terrassentür in unsere Wohnung sprang und Jerry verletzte, hat unser zuerst toll gewachsenes Pflänzchen des Vertrauens erstmal wieder beeinträchtigt. Dieses böse Erlebnis hat der Kleine zum Glück überstanden, doch dann kam ein wirkliches Drama: Jerry kam von einem seiner Spaziergänge nicht mehr nach Hause. Trotz Suchplakaten und umfangreichen Suchrundgängen blieb er unauffindbar. Nach 11 Tagen wurde meine Hoffnung immer kleiner, und umso glücklicher war ich, als ich über Tasso von einer aufmerksamen Anwohnerin erfuhr, dass sie ihn möglicherweise im Gemeinschaftsgarten ihres Hauses gesehen hätte. Es war tatsächlich Jerry und nach einer Stunde des Rufens und Suchens ließ er sich - etwas dünner und ziemlich erschöpft, aber unverletzt - einsammeln und nach Hause tragen. Das Aufpäppeln ging recht schnell und gut, und seit diesem schlimmen Erlebnis hat sich etwas verändert: Jerry sucht meine Nähe und hält sich immer dort auf, wo auch ich bin, sobald ich zu Hause bin.

Als Konsequenz hat Jerry leider nur noch Zugang zur jetzt eingezäunten Terrasse. Auch wenn es nicht das Leben ist, das ich mir für diesen flauschfelligen Freigänger gedacht hatte, ist es die sicherere Variante für ihn und mittlerweile scheint er es zu akzeptieren, dass die „Draußen-Freiheit" nur bis zum Netz reicht - auch wenn man ihm ansehen kann, dass er gerne mehr haben würde von der „Draußen-Welt“.

Der Zaun um die Terrasse hat auch einen weiteren Grund, den ich erst einige Wochen nach seinem Wiederauftauchen endgültig verstand: Jerry ist stark schwerhörig und besitzt nur noch ein geringes Resthörvermögen. Nur die sehr lauten Geräusche registriert er überhaupt noch. Ich denke immer, ich hatte ein Brett vor dem Kopf, dass mir das nicht eher aufgefallen ist, aber er hat das ganz gut „überspielt“, da er sich meistens dort aufhält, wo man selbst ist, und er immer zwischendrin rumwuselt. Dass er nicht auf Rufen reagiert, kann bei einem älteren Herrn ja auch am eher „etwas eigenen Willen“ liegen. Aber mit diesem Wissen wird so vieles klarer: seine „Unsicherheit“ und sein häufiges Erschrecken, das entspannte Vorbei-Schlendern am laufenden Staubsauger, sein Schlafplatz im letzten Eckchen, wo ihn keiner so schnell überraschen kann im Schlaf als Sicherheitsbedürfnis - und letztlich wurde sicher auch sein „Nach-Hause-finden“ dadurch erschwert.

Seit ich dieses Handicap kenne und anders auf ihn zugehe, hat er sich noch mehr entspannt und wir sind uns ein noch größeres Stück näher gekommen. Morgens steht er mit mir auf, sobald ich die Füße aus dem Bett strecke, und abends liegt er in seinem Sessel, einen Meter neben mir, bis er zur Nacht mit mir rüber ins Schlafzimmer in sein Eckchen dappelt. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, nutze ich das Licht im Schlafzimmer, um ihm im Eckchen zu signalisieren: „Hey Kleiner, ich bin wieder zu Hause“ und er kommt schnurrend und sich streckend rausgeklettert (was natürlich bei früher Dunkelheit im Winter funktioniert). Er bleibt ein Kater, der nicht gerne angefasst wird. Dafür sind dann seine zarten Zuneigungsbekundungen (ganz sachtes Reiben des Gesichts an meiner Hand) eine so große Geste, dass ich dann wiederum beginne zu schnurren. Bürsten mag Jerry übrigens immer noch nicht und manchmal hilft nur noch die Schere, um einen gut versteckten Fellfilzknubbel rauszuschneiden. Auch an der Katzenklappe zur Terrasse hinaus üben wir noch - die nimmt er weiterhin nicht wahr als eigene Tür in die Freiheit. Er sitzt davor und hat den Mechanismus (Köpfchen gegen die Klappe drücken) noch nicht verstanden - und so geht er immer nur dann durch sie hinaus, wenn ich sie ihm morgens und abends aufstelle, sobald ich daheim bin. Und es scheint ihm auch zu genügen - zumindest jetzt im Winter.

Ich bin froh und dankbar, diesen süßen Kerl in meinem Leben zu haben, und bedanke mich bei Ihnen allen für Ihre so liebevolle Versorgung der Tiere, für Ihre Unterstützung bei der Vermittlung, dass Sie immer ansprechbar waren und mir auch nach der Vermittlung noch beratend zur Seite standen.
Mit Jerry durfte ich genau den richtigen Tiger zu mir holen und die Entscheidung - nach meinem letzten, weit über 18 Jahre alten Kater wieder einen „Senior“ zu mir zu nehmen - war goldrichtig. Als berufstätiger Mensch wäre ich mit quirligen und in alle Höhen springenden Fellnasen, die natürlich auch ein anderes Aktivitätslevel haben als ein Senior, wohl überfordert gewesen. :-) Ich versuche Jerry zwar immer wieder mal zum Spielen zu animieren, um ihm Abwechslung zu bieten, aber Kastanien, Bällchen, Katzenangelschnüre mit Katzenminze, Plüschfellmäuschen und derlei Kram sind für einen gesetzten Kater seines Alters eher nichts … Er bringt mich oft zum Lachen, weil sein Gesichtsausdruck durchaus die Interpretation zulässt, dass er mir gerne einen Vogel zeigen würde, wenn ich damit vor ihm rumturne. Bis auf einen Nachmittag, an dem er fast eine Viertelstunde mit einem Fellbällchen übers Bett getobt ist, scheint er eher müde zu lächeln über solchen „Kinderkram“.

Diese „Alten“ sind doch so ein Geschenk und mit Geduld und Ruhe und dem Zulassen des eigenen Tempos der Senioren gewöhnt sich auch ein 16-jähriger ein. Ich habe diesen süßen Katzenopa sehr ins Herz geschlossen und hoffe auf eine noch lange Zeit mit ihm. Auch würde ich sagen, dass Mr. Jerry Zuckernase sich hier wohlfühlt. Wenn ich abends von der Arbeit komme und er mir schnurrend entgegenkommt, um mich zu begrüßen, interpretiere ich das einfach mal als Zustimmung.

Mit herzlichen Grüßen,
Ramona H. und Jerry

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