Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.
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Zweite Tierschutzreise in das Hundelager Bucov

Sandra Gulla reiste bereits 2014 nach Ploiesti.Sandra Gulla reiste bereits 2014 nach Ploiesti.20. Juli 2015

Unsere zweite Vorsitzende Sandra Gulla unternimmt in den nächsten zwei Wochen eine zweite Tierschutzreise nach Rumänien, um sich insbesondere im Hundelager Bucov über die aktuelle Situation zu informieren und dort mitzuarbeiten. An dieser Stelle werden wir ihre Berichte und Fotos veröffentlichen.

Liebe Leserinnen und Leser,

morgen früh fliege ich nun zum zweiten Mal für den HTV in meinem Urlaub in das staatliche Hundelager Bucov in Ploiesti, Rumänien. Anders als im letzten Sommer habe ich nun eine genauere Vorstellung, was mich erwartet, wenn auch nach meinen Erfahrungen eine Tierschutzreise stets unerwartete Herausforderungen bedeuten. Wer sich ein Bild von der grundsätzlichen Situation vor Ort machen möchte und damit meine Reiseberichte – die ich auch dieses Mal schreiben werde – besser verstehen möchte, den bitte ich herzlich, meine Reiseberichte vom vergangenen Jahr zu lesen und sich den im Frühjahr von Jürgen Haberhauer gedrehten kurzen Film über Bucov anzuschauen. Die Links dazu finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Übrigens haben wir die braune Hündin, die in dem Film zu Beginn ihre Nase durch die Gitter steckt und schlimm weint, nach Hamburg geholt und sie ist bereits vermittelt. Snorre gehört damit zu den Geretteten.

Wir haben im letzten Jahr aus Rumänien insgesamt 82 Hunde aufgenommen und vermittelt, in diesem Jahr sind es bereits 72 Gerettete. Jetzt im Juli konnten wir keine Hunde aus Rumänien aufnehmen, denn leider ist auch bei uns in Hamburg das Aussetzen und Abschieben von Tieren vor der Urlaubszeit noch eine „normale“ Handlungsweise. Auf der anderen Seite vermitteln wir in der Ferienzeit weniger Tiere.

Warum reise ich in das Hundelager Bucov und was mache ich dort, werde ich häufiger gefragt.

Ich verantworte für den HTV den Auslandstierschutz und koordiniere daher unser Projekt mit ProDogRomania e. V., in dessen Rahmen wir regelmäßig Hunde aus Rumänien übernehmen. Ich halte es für außerordentlich wichtig, dann auch die Verhältnisse vor Ort zu kennen und dort mitzuarbeiten, um zu verstehen, unter welchen Bedingungen die dortigen Tierschützerinnen tagtäglich arbeiten müssen und wie man ihnen sinnvoll und effektiv helfen kann.

Unser Kooperationspartner ProDogRomania e. V. (PDR) hat mich gebeten, an der Verbesserung der Wasserversorgung auf dem großen Gelände mitzuwirken. Nicht alle Hunde bekommen dort jetzt in den heißen Sommermonaten mit Temperaturen meist über 30 Grad jeden Tag genug Wasser. Wassertanks, Leitungen und Pumpen sollen Abhilfe schaffen.

Zudem möchte ich gerne PDR dabei unterstützen, für die Hunde, die ihr Leben in diesem Lager verbringen werden, weil für sie keine vernünftigen Vermittlungschancen bestehen, Lebensräume zu planen, die ihnen ein erträgliches, wenn auch in keiner Weise erfülltes Hundeleben bieten können. Auch mit allen gebündelten Kräften können wir niemals alle Hunde aus den Lagern befreien, so müssen wir versuchen, auch dort die Lebensbedingungen immer weiter zu verbessern.

Vielleicht können diese Lebensräume auch eine Aufgabe für den ehrenamtlichen Bautrupp sein, den HTV und PDR im Herbst gerne gemeinsam nach Bucov entsenden möchten. Auch die weiteren Aufgaben für diesen Arbeitseinsatz sollen jetzt schon mal vor Ort mit allen Akteuren beraten werden.

Bei all dem ist immer zu beachten, dass es sich bei dem Hundelager um eine staatliche Einrichtung handelt, in der alle Tierschützer immer auf das Wohlwollen der örtlichen Verwaltung und der Lagerleitung angewiesen sind. Nichts geht mal eben so!

Eine wesentliche Aufgabe ist immer auch das Fotografieren und Beschreiben der Hunde, die noch keinen Steckbrief haben. Ohne Beschreibung und Foto existiert ein Hund dort quasi nicht, denn keiner kann ihn entdecken und retten.

Und ganz nebenbei schaue ich nach Hunden, die der HTV aufnehmen kann. Das sind in erster Linie die aufgeschlossenen und freundlichen Hunde, die gute Vermittlungschancen haben. Aber immer wieder nehmen wir auch Sorgenfellchen auf, aber auch dabei ist es gut zu wissen, was uns so in etwa erwartet. Diesmal habe ich auch zwei Aufträge von potenziellen Adoptanten dabei. Ich kenne die grundsätzlichen Anforderungsprofile und soll nach entsprechenden Hunden schauen. Ich finde es sehr vernünftig so vorzugehen. Mir ist am liebsten, geeignete Interessenten schauen bei uns im Tierheim und finden dort den richtigen Hund. Und wenn Sie einen bestimmten Hund aus dem Hundelager Bucov retten wollen, fragen Sie gerne auch bei uns nach, ob wir ihn im HTV aufnehmen können. Dann kann man gemeinsam in Hamburg schauen, ob es passt. Direktvermittlungen über ein Foto und Steckbrief bergen schon die Gefahr, dass sich Adoptanten falsche Vorstellungen machen oder Erwartungen nicht erfüllt werden.

Und dann ist da noch Tuva, sie ist auch in dem Film kurz zu sehen (Minute 3:59). Sie ist schon lange für den HTV reserviert und für mich ist es ein bisschen ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebt und jetzt muss ich auch endlich einen Weg für Tuva finden. Eine geplante Ausreise scheiterte, weil Tuva schlimm gebissen wurde und dann nicht reisefähig war und auch für den Transport im Juni stand sie auf unserer Liste, aber mittlerweile hatte sich ihr Allgemeinzustand durch eine schwere Hauterkrankung so verschlechtert, dass sie wieder als nicht reisefähig eingestuft wurde. Ich werde mich um Tuva kümmern und hoffe, dass sie möglichst im August zu uns nach Hamburg kommen kann. Halte bitte durch, kleine Tuva!

Und zudem werde ich mitarbeiten, bei der tierärztlichen Betreuung der Hunde assistieren und einfach an dem alltäglichen Wahnsinn, dem die Tierschützerinnen in Ploiesti ausgesetzt sind, teilhaben.
Ich weine nicht, wenn ich vor Ort bin. Im Angesicht des nicht zu beendenden Elends fehlen mir immer die Tränen. Aber wenn ich nach einer Vermittlung die Fotos und Berichte aus einem fürsorglichen Zuhause gesendet bekomme, brechen Fluten aus Freude und Erleichterung aus mir heraus. Das sind immer die Momente, die die Frage, ob mein Tun Sinn hat, ganz klar beantworten. Und ich weiß, dass es den beiden rumänischen Tierschützerinnen Aniela Ghita und Mihaela Teodoru, auf die ich mich sehr freue, genauso geht. Ihre Bereitschaft und ihre Ausdauer, sich dem eigentlich vorbestimmten Schicksal der stets um die 1.400 Insassen des Hundelagers Bucov immer wieder entgegenzustellen und so viele Leben zu retten, wie sie nur können, kann man gar nicht genug wertschätzen.

Ich werde nach Kräften in den nächsten zwei Wochen an dieser Stelle mit Fotos von meiner zweiten Tierschutzreise aus Rumänien berichten.

So jetzt geht es aber erst mal ans Rucksäcke packen.

Ihre Sandra Gulla

2. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V.

Projektkoordinatorin Auslandstierschutz Rumänien


Hier geht es weiter mit dem ersten, zweiten und dritten Bericht aus Bucov.

Und hier geht es zu den Reiseberichten vom letzten Jahr: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5.