Inzucht-Katzenbabys mit Behinderung vor Tür des HTV ausgesetzt

Die beiden Katzenbabys in der Plastikbox, in der sie gefunden wurden.Die beiden Katzenbabys in der Plastikbox, in der sie gefunden wurden.Pressemitteilung vom 21. April 2022

Update: Uns erreichten zielführende Hinweise zur Ermittlung der Verantwortlichen. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen keine weiteren Informationen preisgeben.
Am Nachmittag des 19.04. wurden zwei weiße Baby-Katzen noch während des laufenden Betriebs vor dem Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V. in einem Umzugskarton ausgesetzt. Den beiden fehlten Knochen in den Vorderbeiden, sodass sie sich mit den Vorderbeinen nicht aufrichten konnten. Die vermutlich aus Inzucht stammenden Kitten waren nicht lebensfähig und mussten nun nach nur vier Wochen Lebens- und Leidenszeit erlöst werden.

Die Katzen wurden am späten Nachmittag des 19.04. noch während des Tierheimbetriebs vor dem Verwaltungsgebäude in einem Umzugskarton von der Tierheimleitung Dr. Urte Inkmann gefunden und von ihr umgehend in die tierheimeigene Praxis gebracht. „Es war unübersehbar, dass bei beiden Katzen eine Missbildung der Knochen vorliegt und die Tiere in schlechter Verfassung sind. Da war leider schon klar, dass die Tiere dauerhaft nicht lebensfähig sind. Diese Vermutung bestätigte sich dann leider bei der eingehenden tiermedizinischen Untersuchung der beiden Geschwistertiere, eines männlich und eines weiblich, am Folgetag. So blieb uns nichts anderes übrig, als die Tiere zu erlösen.“, so Dr. Inkmann. Die kleinen Katzen zeigten zudem Symptome von Katzenschnupfen und weiteren schwerwiegenden Missbildungen: Ihnen fehlten jeweils mehrere Knochen in beiden Vorderbeinen, wodurch sie nicht in der Lage waren, sich selbstständig fortzubewegen, noch den Körper aufzurichten.  Vom viele Liegen wiesen die Körper bereits Druckstellen auf. Eine tiermedizinische Therapie oder Operation zur Heilung der angeborenen Missbildungen gibt es nicht

Der Kater des Geschwisterpaares hatte zudem einen Wasserkopf: Der Wasserkopf ist eine schwere Missbildung des Gehirns, bei der sich in den Hohlräumen des Gehirns Flüssigkeit ansammelt. Vermehrt sind hiervon Qualzucht-Rassen betroffen, zu welchen Munchkin-, Känguru- und auch Perserkatzen zählen. Ein Wasserkopf führt zu diversen gesundheitlichen Problemen wie Bewegungsstörungen, einem Verlust des Sehvermögens, Schielen oder Kopfschmerzen.

„Der Wunsch nach einem „Schneeflöckchen“, also einem weißen Katzenbaby hat für die Tiere einen hohen Preis: Nicht nur, dass weiße Katzen der Farbe wegen häufig aus Inzucht stammen und aufgrund dessen massive gesundheitliche Probleme haben -  ist etwa die Hälfte aller weißen Katzen zudem taub“, erläutert Dr. Urte Inkmann.

Wer kann Hinweise geben?

Hinweise auf den ehemaligen Halter oder Halterin fehlen bislang. Auch die Recherchen der HTV-Tierschutzberatung haben leider noch keine weiteren Erkenntnisse zum Halter oder zur Halterin ergeben. Grund für die Aussetzung könnten die Fehlbildungen der Katzen sein, durch welche die Welpen nicht dauerhaft lebensfähig gewesen wären und schon gar nicht verkauft werden konnten. Auch eine ungeplante Vermehrung ohne das Ziel des Weiterverkaufs ist denkbar.

Der HTV bittet dringend um Hinweise, um die Täterinnen oder Täter zu ermitteln. Wer hat am 19. April 2022 in der Süderstraße 399 in Hamburg-Hamm auffällige Personen oder Handlungen beobachtet? Wem kommen die Welpen bekannt vor? Bitte wenden Sie sich umgehend an die HTV-Tierschutzberatung: montags und mittwochs von 10 bis 14 Uhr telefonisch unter der 040 211106-25 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Das Aussetzen eines Tieres stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 4 TierSchG mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Im Einzelfall, wenn der Tod oder schwere Verletzungen des Tieres durch die Umstände der Aussetzung billigend in Kauf genommen werden oder das Tier durch die Aussetzung und deren Folgen sogar zu Tode kommt, handelt es sich um eine Straftat gem. § 17 TierSchG. Diese kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Der männliche Baby-Kater mit Wasserkopf. Zum Zeitpunkt des Fotos war er bereits tot.Der männliche Baby-Kater mit Wasserkopf. Zum Zeitpunkt des Fotos war er bereits tot.Der Baby-Kater mit Wasserkopf auf der Seite liegend.Der Baby-Kater mit Wasserkopf auf der Seite liegend.

Das weibliche Kätzchen mit fehlgebildeten Beinen.Das weibliche Kätzchen mit fehlgebildeten Beinen.Die beiden Katzenbabys wiesen bereits Druckstellen auf vom vielen Liegen.Die beiden Katzenbabys wiesen bereits Druckstellen auf vom vielen Liegen.