Aktuell befürchtet der HTV mit Beginn der Ferienzeit wieder eine Aussetzungswelle an Haustieren.Aktuell befürchtet der HTV mit Beginn der Ferienzeit wieder eine Aussetzungswelle an Haustieren.Pressemitteilung vom 07.07.2022

In Hamburg starten heute (07. Juli 2022) die Sommerferien. Für etliche Haustiere beginnt damit leider nicht die schönste Zeit des Jahres, denn alljährlich werden kurz vor oder in den großen Ferien vermehrt Tiere ausgesetzt. Die mutmaßlich ersten Urlaubsopfer hat der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. (HTV) bereits aufgenommen.

Vor einem anstehenden Urlaub entledigen sich leider immer wieder verantwortungslose Menschen ihrer tierischen Familienmitglieder. Die Zahl der verlassenen und verstoßenen Tiere ist kurz vor Beginn der Hamburger Sommerferien wieder erschreckend hoch. So wurden in diesem Jahr allein in den vergangenen drei Wochen schon 97 Tiere im Hamburger Stadtgebiet mutmaßlich ausgesetzt gefunden und direkt ins Tierheim Süderstraße des HTV gebracht bzw. im Notfall vom vereinseigenen Tierrettungsdienst abgeholt. Die Tierschützerinnen und Tierschützer schätzen, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Unter den mutmaßlichen Aussetzungen befinden sich vier Hunde, 44 Katzen, zehn Kleintiere (Nager) und 18 exotische Vögel (z. B. Wellensittiche). Für vier Katzen, drei Wellensittiche sowie zwei Haustauben kam sämtliche Hilfe zu spät: Sie verstarben noch auf dem Weg zur tierärztlichen Versorgung oder mussten trotz aller Bemühungen erlöst werden.

HTV erwartet Abgabewelle und Tieraussetzungen

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Zahl ausgesetzter Tiere noch stark ansteigen und traurige Spitzenwerte von mehr als 50 Fällen pro Woche erreichen kann. „Wie in jedem Jahr machen wir uns auf mehr Tieraussetzungen während der Hamburger Sommerferien gefasst. Derzeit quellen vor allem unsere Hundestationen über und wir hoffen, dass sich dieser Zustand durch die Sommer-Aussetzungen nicht weiter zuspitzt“, sagt die 1. Vorsitzende des HTV Janet Bernhardt. Denn gerade bei unüberlegten Anschaffungen eines Haustieres während der Coronazeit sehen sich die Tierhalterinnen und -halter jetzt, da das Reisen wieder möglich ist, vor Unterbringungsprobleme gestellt.

Erste Ferienopfer im HTV

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Die beiden Katerchen wurden am 20. Juni in Jenfeld gefunden. Der rot-getigerte und der schwarz-weiße Kater (sie wurden inzwischen auf die Namen Percy und Paco getauft) wurden circa Anfang Mai 2022 geboren. Über die Umstände ist wenig bekannt: Ob die beiden bereits auf der Straße geboren oder ganz bewusst ausgesetzt wurden, darüber kann der HTV nur mutmaßen. Es passiert immer wieder, dass offenbar ungewollter Katzennachwuchs ganz offensichtlich ausgesetzt und damit einem ungewissen Schicksal überlassen wird.

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Cosmo kam als Fundtier aus Wandsbek am 22. Juni in das Tierheim Süderstraße. Niemand weiß, was ihm auf der Straße wiederfahren ist: Der freundliche Bengal-Kater braucht jedenfalls etwas Zeit, bis er Vertrauen gefasst hat – lässt sich jedoch kraulen, wenn er jemanden in sein Herz geschlossen hat. Mittlerweile kann er auch vermittelt werden.

Dieser gelbe Sperlingspapagei (getauft auf den Namen Toni) wurde in Harburg gefunden und am 19. Juni ins Tierheim gebracht. Obwohl der Vogel beringt ist und es demnach jemandem einmal wichtig war, den Vogel zurückzubekommen, sollte er verloren gehen, reagierte diese Person nicht auf Anrufe und Kontaktaufnahmen – und meldete sich im HTV auch nicht von sich aus.

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Diese rot-schwarze Kornnatter (Yoshi genannt) wurde am 10. Juni in Ottensen gefunden. Der ursprünglich verantwortliche Mensch hatte offenbar recht schnell keine Lust mehr auf die Betreuung der Natter, denn ihr Schlüpfdatum wird auf Anfang des Jahres geschätzt. Ausgewachsen können die Tiere eine Größe bis zu 180 cm erreichen.

Das süße Zwergkaninchen (im Tierheim Pünktchen genannt) wurde am 17. Juni in Poppenbüttel gefunden und seitdem anscheinend leider nicht vermisst. Vielleicht war sie ungewollter Kaninchennachwuchs, der als Last empfunden und ausgesetzt wurde.

3817_f_22 Greta3817_f_22 GretaDiese ca. ein Jahr alte Pinscher-Hündin (sie wird nun Greta genannt) wurde am 23. Juni vom Hundekontrolldienst entdeckt, wie sie durch Borgfelde lief. Versuche, sie einzufangen, endeten mit einem Feuerwehreinsatz, denn die Hündin flüchtete sich in einen Kanal. Im Tierheim entwickelte sie sich gut. Da sie niemand vermisst, kann sie in ein neues, schönes Zuhause vermittelt werden. UPDATE: Die kleine Maus hat inzwischen ein liebevolles Zuhause gefunden!

 

Niemand muss ein Tier aussetzen!

Wer Angaben zu diesen oder weiteren Tieraussetzungen machen kann, wendet sich bitte telefonisch an die Tierschutzberatung des HTV: 040 211 10 6-24/-12 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die Hinweise werden vertraulich behandelt.

Die HTV-Vorsitzende Janet Bernhardt betont: „Wer sein Tier aussetzt, nimmt dessen Leid oder sogar Tod in Kauf. Wer sein Tier nicht mehr versorgen kann oder möchte, sollte es zumindest an einem sicheren Ort wie unserem Tierheim abgeben.“

Gemäß § 3 Abs. 3 Tierschutzgesetz (TierSchG) ist es sogar verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen. Unerheblich ist, ob durch das Aussetzen eine konkrete oder abstrakte Gefahrenlage für das Tier entsteht. So erfüllt grundsätzlich auch das Anbinden am Tierheimtor den Tatbestand des Aussetzens. Das Aussetzen ist eine Ordnungswidrigkeit und kann gemäß § 18 Abs.1 Nr.4 TierSchG mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Im Einzelfall, wenn etwa das Tier durch die Aussetzung zu Tode kommt, handelt es sich um eine Straftat gem. § 17 TierSchG. Diese kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. appelliert an Menschen, die ihr Tier nicht mehr halten können, dieses im Tierheim abzugeben. Eine persönliche Abgabe ist nicht nur eine Frage des Anstands und Respekts, sondern erleichtert auch die Vermittlung, indem die Tierpflegerinnen und Tierpfleger möglichst viel über das Tier erfahren können. Außerdem muss bei einem abgegebenen Tier keine Fundfrist abgewartet werden und die Mitarbeitenden des HTV können sofort mit der Suche nach einem fürsorglichen Zuhause beginnen.