Reaktion des HTV auf Listenhund-Beitrag im Elbe Wochenblatt

 Alle Hunde werden unschuldig geboren Alle Hunde werden unschuldig geboren12. August 2014

Das Elbe Wochenblatt, Ausgabe Altona, berichtete am 6. August 2014 auf seinem Titel über ein Zusammentreffen zwischen einer Mutter mit Kind und einem vermuteten Listenhund. Auf diese einseitig negativ wirkende Berichterstattung reagierte der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. (HTV) am 11. August 2014 mit einem Leserbrief.

Die Berichterstattung "Er will doch nur spielen" gibt es noch als Online-Beitrag. Allerdings ist dort die in der Druckausgabe abgebildete Fotomontage aus Bild 1 und Bild 3 nicht umgesetzt.


Leserbrief zum Titelbeitrag „Er will doch nur spielen“ im Elbe Wochenblatt (Altona) vom 06.08.2014, AutorIn: Ch. Handke


Sehr geehrter Herr Zimmermann*,

die oben genannte Berichterstattung wirft einige Fragen auf:

Der Beitrag ist sehr einseitig aus Sicht von Naja M. bzw. ihrer Tochter geschildert: Im Sinne der Meinungsbildung der Elbe Wochenblatt-LeserInnen sollte mehr als eine Meinung zum beschriebenen Ereignis dargestellt werden. Wo sind die Stimmen/Aussagen der Hundehalterin, von Augenzeugen, der zuständigen Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, eines/r Hundetrainers/in etc.?

Woher weiß die Autorin/der Autor, dass es sich bei dem Hund um einen Staffordshire Bullterrier handelt (Hunde dieser Rasse werden gemäß Hamburger Hundegesetz generell als „gefährlicher Hund“ eingestuft)? Auf dem zum Bericht in der gedruckten Ausgabe gehörenden Foto – übrigens deutlich sichtbar eine Fotomontage, die gemäß publizistischer Sorgfaltspflicht hätte gekennzeichnet werden müssen – ist unserer Einschätzung nach ein American Pitbull Terrier-Mischling abgebildet und kein Staffordshire Bullterrier.

Der Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V. (HTV) kritisiert das „Hamburgisches Gesetz über das Halten und Führen von Hunden“ (Hundegesetz - HundeG), da damit per Gießkannen-Prinzip Hunde bestimmter Rassen aufgrund ihrer Rasse diskriminiert werden und einige Rassen den Stempel „unwiderlegbar gefährlich“ aufgedrückt bekommen! Dabei sollte bei Verhaltensauffälligkeiten das einzelne Halter-Hund-Gespann betrachtet werden. Denn Probleme liegen in der Regel am anderen Ende der Leine.

Augenscheinlich handelt es sich bei dem beschriebenen Vorfall um eine wenig verantwortungsbewusste Halterin, die ihren Hund nicht rechtzeitig abrufen konnte. Allerdings sind auch hier wieder offene Fragen: Wie alt war der Hund? Hunde unter 12 Monaten müssen nicht angeleint werden. Gesetzt dem Fall, es handelte sich bei dem im Vorfall geschilderten Hund um einen nach dem HundeG sog. „gefährlichen Hund“, müsste auch hier ein Welpe, der jünger als neun Monate alt ist, nicht angeleint werden.

Was die unangeleinten Hunde betrifft, die die Redakteurin/der Redakteur des Elbe Wochenblattes im Nachhinein mit Naja M. an dem parallel zu S-Bahn verlaufenden Fußweg gesehen hat: In Hamburg ist die Befreiung von der Anleinpflicht möglich. Hundehalterinnen und -halter, die die sog. Gehorsamsprüfung erfolgreich abgelegt haben, dürfen ihren Hund überall dort, wo keine besonderen Anleinpflichten und keine Mitnahmeverbote gelten, unangeleint führen.

Wir bitten im Sinne einer fairen Berichterstattung über Hunde und Hundehaltung um die baldmögliche Veröffentlichung dieses Leserbriefes in der Ausgabe/den Ausgaben des Elbe Wochenblatts, wo der o.g. Betrag erschien, und bedanken uns im Voraus dafür.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Stück
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V.

 

* Olaf Zimmermann ist der Redaktionsleiter des Elbe Wochenblattes.