Exoten im Tierheim: Tierschicksale und geglückte Vermittlungen

Eine Bartagame, ausgesetzt auf einem Barmbeker Gehweg.Eine Bartagame, ausgesetzt auf einem Barmbeker Gehweg.4. September 2014

Nicht nur niedliche Fellnasen wie Katzen, Hunde oder Nager werden regelmäßig in Hamburg und Umgebung ausgesetzt, auch exotische Tiere kommen vermehrt als Fundtiere im Tierheim Süderstraße an. Hier bekommen sie die Fürsorge, die sie zuvor entbehren mussten.

Einige der Exoten werden einfach auf Straßen ausgesetzt gefunden, so wie ein Leopardgecko, der verletzt in einer Transportbox vor einem Einkaufszentrum in Ahrensburg zurückgelassen wurde. Sein Schwanz fehlt, wird aber arttypisch wieder nachwachsen. Mittlerweile hat er sich weitgehend von seiner Verletzung erholt. In Barmbek wurde eine Bartagame mitten auf dem Gehweg gefunden. Diese Agamen-Art ist quasi an jeder Straßenecke zu erwerben – oder leider genauso leicht entsorgt. Das gleiche Schicksal ereilte eine Griechische und eine Maurische Landschildkröte: Zusammen wurden beide einfach in einem Bus in Richtung Cranz in einem Karton zurückgelassen. Landschildkröten sind streng geschützt, da sie in ihren natürlichen Lebensräumen vom Aussterben bedroht sind. Auch Schlangen sind regelmäßige Fundtiere in Hamburg, neben einigen Würgeschlangen vor allem die ungefährlichen Kornnattern. Zwei Individuen dieser beliebten Art wurden aus einem Schacht in einem Horner Parkhaus geborgen und zur Polizeistation gebracht. Dort holte unser Rettungsfahrer sie ab.

Dieser verletzte Leopardgecko wurde vor einem Einkaufszentrum ausgesetzt.Dieser verletzte Leopardgecko wurde vor einem Einkaufszentrum ausgesetzt.

Aber nicht nur ausgesetzte Exoten sind vorübergehende Bewohner unseres Tierheims: Per Schiff oder Flugzeug gelangen immer wieder Tiere aus fernen Ländern in die Hansestadt, ob als „Blinder Passagier“ oder als illegale Einfuhr. In einem Container aus Kolumbien wurde ein Helm-Basilisk, ein lateinamerikanischer Leguan-Verwandter, zwischen gekühlten Bananen gefunden. Zu Berühmtheit gelangte Manolo, eine Mona-Meerkatze. Auch er verschanzte sich zwischen Bananen auf einem Containerschiff und wurde erst auf hoher See entdeckt. Nach einer Quarantänezeit in unserem Tierheim lebt er mittlerweile mit Artgenossen in der Auffangstation für Exotische Tiere AAP in Holland.

Aber auch wenn es schwierig ist, sachkundige Interessenten für unsere Exoten zu finden, geben wir nicht auf und werden regelmäßig mit Erfolgen motiviert. So konnten wir kürzlich einige Exoten, die lange bei uns waren und viel Raum in unserer Exotenstation benötigten, vermitteln: die vier Königspythons, den Wasserdrachen Grisu, unseren Schwarzweißen Teju Tonga und den Ritteranolis Robin, eine leguanartige Echse. Diese Erfolge sind auch dringend nötig, damit auf unserer Exotenstation noch genügend Terrarien für Notfälle bereitstehen.

Eine artgemäße Haltung exotischer Tiere in Privathaushalten ist nicht möglich. Kaum ein privater Halter kann die natürlichen Umweltbedingungen künstlich erzeugen. Dazu gehört sehr viel Platz für die Behausung, einen Freilauf oder freien Flug. Viele Arten werden auch trotz Schutzstatus und drohendem Aussterbens in der Wildnis gefangen und dann illegal in die EU eingeführt, obwohl gültige Papiere von einem Züchter mit Angabe der Herkunft Pflicht sind. Halter benötigen zudem auch spezielle Sachkenntnisse im Umgang mit der jeweiligen Tierart.

Ein Helm-Basilisk, gefunden in einem Container aus Kolumbien.Ein Helm-Basilisk, gefunden in einem Container aus Kolumbien.

Aussetzungen sind auch eine Folge von mangelndem Wissen über leichtfertig angeschaffte Exoten: Echsen, Schlangen und Schildkröten wachsen ein Leben lang weiter. So mancher Halter weiß dann plötzlich nicht mehr, wohin mit dem ungeahnt groß gewordenen Tier. Papageien werden in Gefangenschaft bis zu 60, Schildkröten bis zu 80 Jahre alt und möchten auch dann liebevoll versorgt werden, wenn die Halter alt oder verstorben sind.

Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. plädiert daher: „Keine Haltung von Exoten im Wohnzimmer!“ Und wer sich trotz aller Anforderungen für ein exotisches Tier interessiert, sollte auf jeden Fall im Tierheim vorbeischauen und sich von unseren Experten eingehend beraten lassen. Die Tiere dort sind bereits auf der Welt und niemand verdient mehr an ihnen, wie es im Internet-Handel oder auf Reptilienbörsen der Fall ist. (scs)