Gerichtsentscheid in NRW: Kükentöten mit Tierschutzgesetz vereinbar

In Brütereien werden Küken nach Geschlecht sortiert. Pro Minute sterben 86 männliche Küken. Foto: PETA Deutschland e. V. / KarremannIn Brütereien werden Küken nach Geschlecht sortiert. Pro Minute sterben 86 männliche Küken. Foto: PETA Deutschland e. V. / Karremann24. Mai 2016

Das Töten männlicher Eintagsküken aus Legehennenrassen in Brütereien verstößt nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster nicht gegen das Tierschutzgesetz. „Unter Berücksichtigung des Staatsziels Tierschutz ist diese Entscheidung nicht akzeptabel“, kommentiert Sandra Gulla, 1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V. (HTV).

Zwei Brütereien hatten gegen ein vom nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerium 2013 ausgesprochenes Verbot der Tötung geklagt und erhielten mit dem Urteil nun Recht. Die Entscheidung gilt als Grundsatzurteil. Im Mittelpunkt stand für die Richter die Frage, ob es einen vernünftigen Grund für das massenhafte Töten frisch geschlüpfter, männlicher Küken gebe. Denn ohne solch einen Grund darf Tieren nach dem Tierschutzgesetz weder Leid noch Schmerzen oder Schäden zugefügt werden. Nach Überzeugung des Oberverwaltungsgerichts Münster liegt dieser Grund vor, weil die Aufzucht der männlichen Küken für die Brütereien unrentabel sei.

HTV-Vorsitzende Sandra Gulla erklärt dazu: „Nach Auffassung der Verwaltungsrichter ist es ein vernünftiger Grund ein Tier zu töten, weil es unrentabel ist. Ich bin mir nicht sicher, ob die Richter die Kontrollüberlegung angestellt haben, was dies in anderen Bereichen der Tierhaltung bedeutet, der Katzen- und Hundezucht, des Pferdesports. Oder ließ sich hier so einfach urteilen, weil es nur um Hühner ging? Nach meiner rechtlichen Auffassung haben die Verwaltungsrichter einmal mehr versäumt, dem Staatsziel Tierschutz bei ihrer Entscheidung Genüge zu tun. Ich bin dankbar, dass die Landesregierung NRW versucht hat, auf dem Erlasswege diese widerwärtige Praxis der millionenhaften Kükentötung zu beenden. Immerhin sollte nun jeder Konsument nach der vielfältigen Berichterstattung wissen, dass für sein Ei Küken sterben müssen. Ich kann daran nichts Vernünftiges finden.“

Jährlich werden bundesweit rund 45 Millionen männliche Küken am ersten Lebenstag getötet – weil sie keine Eier legen, aufgrund der spezialisierten Zuchtlinie nicht ausreichend Fleisch ansetzen und somit wirtschaftlich „unbrauchbar“ sind. Die Tiere werden kurz nach dem Schlupf geschreddert oder vergast. Statt eines Verbots der Vernichtung gerade geborener Lebewesen setzt Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt auf die Methode der Geschlechtererkennung im Ei. Das Verfahren ist aber noch nicht ausgereift, die Anwendung in der Praxis wird sicher noch länger auf sich warten lassen. Die Systemfrage löst das technische Verfahren auch nicht: Die Hennen der überzüchteten Legelinien bringen Höchstleistungen beim Eierlegen, bezahlen diese hohe Legeleistung mit massiven körperlichen Belastungen und werden bereits mit der ersten Mauser aussortiert und geschlachtet. Weder den männlichen Küken noch ihren Schwestern wird zugestanden ein Lebewesen mit arteigenen Bedürfnissen zu sein, sie dienen alle nur der Eierproduktion.

Fotos (Standbilder): PETA Deutschland e. V. / KarremannFotos (Standbilder): PETA Deutschland e. V. / Karremann