„Hinter verschlossenen Türen“: Informationsbroschüre gibt Einblicke in die Tierversuche bei LPT

Im Jahr 2014 wurden deutschlandweit 4.636 Hunde für Versuche verwendet, zumeist Beagles. Foto: LPT-Schließen22. Februar 2017

Die Tierversuchsbranche agiert am liebsten im Verborgenen. So gibt es auch keine Fotos oder Filmaufnahmen aus dem Innern von LPT, dem Laboratory of Pharmacology and Toxycology in Hamburg-Neugraben. Die Kampagne LPT-Schließen hat daher in den vergangenen Monaten selbst intensiv recherchiert. Das Resultat – eine 48-seitige Broschüre – bringt ans Licht, wie den Tieren bei LPT systematisch Gewalt angetan wird. Der HTV empfiehlt: Lesen und verbreiten!

Affen leiden an Krämpfen und Erbrechen, weil an ihnen die Entzugserscheinungen von Schlafmitteln getestet werden. Kaninchen werden in einer Apparatur bewegungsunfähig gehalten und daran gehindert, ihre Augen zu öffnen, während Pestizide irreparable Schäden an ihren Augen verursachen. Vögeln werden so lange mit Unkrautvernichtungsmittel zwangsgefüttert, bis sie qualvoll an einer Vergiftung verenden. Die Versuche erzeugen drastisches Leid und werden durchgeführt, obwohl es aus medizinischer Sicht starke Zweifel an ihrer Übertragbarkeit gibt.

Exemplarisch und in verständlicher Sprache werden in der Broschüre Versuche an Hunden, Affen, Kaninchen, Mäusen, Ratten, Meerschweinchen und Wachteln beschrieben. Vorangestellt sind jeweils Beschreibungen der Tiere, insbesondere ihrer spezifischen Bedürfnisse, des typischen Verhaltens und ihrer Lebensräume.

Die Aktivisten möchten damit nicht nur aufzeigen, was konkret im Inneren der Versuchslabore vorgeht, sondern deutlich machen „dass wir über fühlende Individuen reden und nicht – wie es der Begriff Versuchstier suggeriert – über Forschungsobjekte. Moderne Wissenschaft muss ethischen Maßstäben folgen. Es bedarf einer Forschungsethik, deren Grundlage es ist, keine Opfer zu produzieren“, so Martina Kunze, Sprecherin von LPT-Schließen.

Das Ausmaß der Tierversuche allein in Hamburg zeigen auch aktuelle Zahlen, die der Senat jetzt nach einer parlamentarischen Anfrage der Linken bekanntgab: Im Jahr 2015 wurden 152.000 Tiere in Hamburger Laboren zu Versuchszwecken eingesetzt – 18 Prozent mehr als noch 2011. Der Großteil sind Mäuse, aber auch Katzen und Eichhörnchen waren darunter. Insgesamt gibt es zehn Einrichtungen in Hamburg, die Tierversuche durchführen, 54 Prozent aller Experimente wurden vom LPT angemeldet. Weitere Labore gibt es im Biozentrum der Universität Hamburg, am Universitätsklinikum Eppendorf und im Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin. Genehmigt werden diese von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz.

Seit mehreren Jahren hat sich ein vehementer Protest gegen die Versuche von LPT etabliert, knapp 400 Protestaktionen fanden bislang statt. Der Hamburger Tierschutzverein unterstützt die Aktivitäten gegen Tierversuche von LPT-Schließen, wirbt für die Teilnahme an den Demos und empfiehlt, die Broschüre „Hinter verschlossenen Türen“ zu lesen und weiterzuverbreiten. Sie ist sowohl hier interaktiv aufrufbar als auch gedruckt in Farbe auf A4-Recyclingpapier erhältlich, bestellbar über den Tierbefreier-Shop.