Rumänische Hundelager im Winter - Campina

"Bitte hilf mir!"7. Januar 2019

Rumänische Hundelager im Winter? Auch für mich eine gänzlich neue Erfahrung, fanden doch bisher alle meine Tierschutzreisen nach Rumänien im Hochsommer statt.

Erst mal hat mich Rumänien am Abend meiner Ankunft im weihnachtlichen bzw. neujährlichen Lichterglanz empfangen. Ich habe die Lichter als Aufmunterung genommen.

Am Samstagmorgen bin ich zusammen mit Mihaela Teodoru ins Hundelager Bucov gefahren. Ich war das letzte Mal vor eineinhalb Jahren hier und der erste Rundgang hat mich dann doch geschockt. Immer weiter wurden seither neue Kennel gebaut. Viele kleine Kennel. Bei minus acht Grad war das Wasser in den Kenneln, die überhaupt welches hatten, eingefroren. In den anderen Jahreszeiten schützt die recht schöne Vegetation auf dem Gelände einen davor, das gesamte Ausmaß der Anlage zu erkennen, man muss sich vorarbeiten. Jetzt kann der Blick weit schweifen und hat mich erst mal tief betroffen gemacht. Ab Montagmorgen werde ich meine Tage komplett in Bucov verbringen und kann dann die Gesamtsituation besser einschätzen.

Die Fahrt in das Hundelager Campina war dann fast so was wie eine kleine Flucht. Dort erwarteten mich, wie ich jetzt durch meine Zählung weiß, rund 250 Hunde. Mihaela hat diese Tötungsstation im August 2018 übernommen. Es ist weiterhin eine kommunale Einrichtung, die Rechtsbeziehungen sind durch einen Vertrag geregelt worden. Getötet wird nun natürlich nicht mehr. ProDogRomania e.V. unterstützt das Projekt nachhaltig.

Ich habe heute einen Plan für das Lager erstellt, die Hunde gezählt, kranke Hunde entdeckt, eine schlimme Beißerei nicht verhindern können (das Opfer ist nun in der Klinik), ein anderes Mobbingopfer umgesetzt und ihm die Ausreise nach Hamburg versprochen, mit einer wunderbaren Mamahündin geschmust, Teo wiedergetroffen, die nun als zufriedene Bürohündin hier lebt (Mihaela und ich fanden sie am 5. August 2015 auf der Fahrt zum Flughafen in verheerendem Zustand auf der Straße), wenige Fotos gemacht, Stroh in Hütten verteilt und dann war der erste Tag auch schon um.

TeoVielleicht wundert man sich, warum ich mich mit einem Lagerplan und Hundezählung beschäftige, während hier nicht wenige Hunde nach Aufmerksamkeit schreien. Der Plan und die Beschriftung der Kennel ist die Basis, um die erfassten Hunde dann auch wiederzufinden für eine Ausreise, aber auch für die Kommunikation untereinander. So habe ich auch aufgeschrieben, in welche Kennel die bereits gelieferten, durch Spenden finanzierten Hundehütten verteilt werden müssen. Wie soll man das ordentlich machen ohne Nummerierung der Kennel? Morgen sollen mir zwei Arbeiter helfen, die schweren Hundehütten bedarfsgerecht zu verteilen, Nummern sind dann auch in jeder Sprache verständlich.

Nach meinem Eindruck hat das Hundelager Campina gute Voraussetzungen eine ordentliche Einrichtung zu werden. Zwei Hauptprobleme auf dem Weg dahin kann ich schon jetzt benennen: 1. Es dürfen nicht wesentlich mehr Hunde werden. 2. Es müssen ausreichend Arbeiter beschäftigt werden können, derzeit sind es zwei, es müssten tatsächlich vier sein. Nach Auskunft von Mihaela ist letzteres einerseits eine finanzielle Frage, andererseits ist es aber auch nicht einfach zuverlässige Arbeiter zu finden, die hier auch im Winter draußen bei den Hunden arbeiten wollen.

Heute jedenfalls hatten wir strahlenden Sonnenschein und die gefrorenen Hundehaufen in den Kenneln konnten gut eingesammelt werden und ich bin auch kaum dreckig geworden, eben weil alles gefroren war.

Tja, und es dürfen nicht wesentlich mehr Hunde werden, also muss im Hundelager und in der Gemeinde Campina möglichst viel kastriert werden und Adoptionen müssen immer wieder für Entlastung sorgen, damit der unweigerlich kommende Nachzug von Hunden Platz finden kann im Hundelager Campina. Gerade wieder gab es auf unserer Facebookseite eine Diskussion zu Züchtern, da war auch wieder die Rede von guten Züchtern. Wer jemals in einem Hundelager nur von den Ausmaßen von Campina stand, wird sofort klarhaben, dass jeder extra produzierte Hund einer zu viel ist und denen, die hier um Aufmerksamkeit schreien und sich teilweise vor lauter Glückseligkeit nicht mehr auf den Beinen halten können, wenn man sich etwas um sie kümmert, den Platz zum Überleben wegnimmt. Gute Züchter sind für mich nur solche, die das Züchten aufgeben, eine andere moralische Entscheidung ist angesichts der Situation im Tierschutz in Europa und auf der ganzen Welt nicht vertretbar. Aber sicher verirren sich die wenigsten Züchter und ihre Kunden in Hundelager ...

Das Hundelager Campina war bis zum August 2018 eine Tötungsstation.Dabei ist das Hundelager Campina mit seiner Übersichtlichkeit und seinen logistischen Voraussetzungen für jede Hundefreundin und für jeden Hundefreund ein geeigneter Ort, um im Tierschutz mitanzupacken.

Der heutige Sonntag ist ohne Sonne bei recht kaltem Wind. Für meine morgendlichen Kopfschmerzen ganz hervorragend, sie waren nach einer Stunde wie weggeblasen. Und so konnte ich mit zwei Arbeitern dreizehn schwere Hundehütten zu den Hunden, die es nötig hatten, bringen. Wir haben dann auch immer gleich eine Grundreinigung der jeweiligen Kennel vorgenommen. Im Sommer ist Stroh mit Kot und Urin auszumisten eine dankbare Aufgabe, jetzt im gefrorenen Zustand doch eine ziemliche Plackerei. Aber alle Hunde in Campina haben nun ein trockenes Hüttenplätzchen, das in die Hütten verteilte Stroh und die eigene Körpertemperatur oder bestenfalls auch noch die der Kumpel helfen über die kalten Nächte zu kommen. Auf die nicht selten gestellte Frage, warum ich mir so was in meinem Urlaub antue, ist hier genau die Antwort. Weil ich gleich, wenn ich in mein Bett gehe und mir kuschelig die Decke bis an die Nase ziehe, weiß, dass alle Hunde in Campina auch einen guten Platz zum Schlafen haben und weil ich dazu beitragen konnte, dass es so ist.

Eine andere oft gestellte Frage ist, wonach wir die Hunde aussuchen, die in den HTV kommen können. Oft eine aus echtem Interesse gestellte Frage, manchmal eine Frage der Kritiker des Auslandstierschutzes, um irgendwie wieder ein Argument dagegen zu haben. Denn richtig machen kann man es nicht! Richtig gibt es einfach nicht, weil es so viele Argumente für die eine wie für die andere Auswahl gibt.

Wir haben uns im HTV entschieden: Wir nehmen ganz hauptsächlich für uns gut vermittelbare Hunde auf. Das heißt konkret mehr Hündinnen als Rüden. Deutlich mehr Hunde unter 45 cm als darüber. Junge, mit anderen Hunden verträgliche Hunde mit einer Grundkompetenz im Umgang mit Menschen. Kaum Welpen aufgrund der höheren (Kinder-)Krankheitsrisiken. Dazu einzelne Hunde mit Handicap oder bei uns gut behandelbaren Erkrankungen, wenn sie in obiges Raster fallen. Auf jedem Transport von in der Regel zwölf Hunden kann einer dabei sein, der eigentlich durch das Raster fallen würde, z. B. weil groß und Rüde, weil alt und krank. Absolute Ausschlusskriterien sind immer: Unverträglichkeit mit Artgenossen oder Menschen, darunter fallen auch Angsthunde.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Für uns im HTV ist das ein tragbares und erfolgreiches Konzept.

Fragen Sie mich aber, wie ich auswähle, wenn ich hier vor Ort bin, so kann ich Ihnen nur sagen, dass ich mich mit aller Kraft an unser vernünftiges Raster halte, da ich hier aber hunderte von Hunden kennenlerne, lerne ich auch hunderte kennen, die in dieses Raster fallen und so ist es gar keine schöne Aufgabe.

Bisher sind zwei der Plätze für den Januar Transport besetzt, obwohl es für mich ein Leichtes gewesen wäre, schon in diesen zwei Tagen unseren Transport gleich mehrfach durch Campina-Hunde zu besetzen. Aber ab morgen bin ich im Hundelager Bucov, dort erwarten mich an die 2.000 Hunde ...

Sie verstehen doch sicher, wenn ich der festen Überzeugung bin, jeder kann im Tierschutz seinen Hund finden. Wer das nicht geschafft hat, hat sich nicht genügend Mühe gegeben oder wollte es nicht wirklich und hat sich deshalb für einen Kauf entschieden.

Der Hund, der am Samstag schwer verletzt wurde, ist in der Klinik gestorben und heute Morgen fanden wir einen weiteren über Nacht verstorbenen Junghund.

Tja, und jetzt kann ich mich nur noch entschuldigen, denn schon heute Morgen war der Akku meiner Kamera leer. Keine Ahnung, ob die Kälte auch so einem Akku zusetzt. Und über Tag kam mir nicht der Gedanke es mit dem Handy zu versuchen, war einfach im Arbeitsmodus. Jedenfalls war ich nicht aufmerksam genug und es tut mir leid, dass ich nicht noch den einen oder anderen tollen Campina-Hund vorzeigen kann. Aber in der Galerie von ProDogRomania findet man sehr viele der Campina-Hunde. Vielleicht ist auch Ihrer dabei.

Ihre Sandra Gulla

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Seitdem die Tierschützerin Mihaela Teodoru die Leitung in Campina übernommen hat, wird nicht mehr getötet.ProDog Romania e.V. unterstützt das Projekt Campina nachhaltig.