Das rumänische Hundelager Bucov im Winter

Die Rumis freuen sich über sauberes Stroh und sehnen sich nach menschlicher Zuwendung.9. Januar 2019, Update: neue Fotos

Bucov, 1. und 2. Tag. So, dieses Mal hat es mit den Fotos besser geklappt – dafür kann ich nur in Zusammenfassungen berichten, da ich doch recht müde bin nach den ersten beiden Tagen im Hundelager Bucov. Ich bin froh, dass auch Aniela Ghita und Vet Irina die meiste Zeit der Tage anwesend sein konnten, so hatte ich stets kompetente Ansprechpartnerinnen.
Auch den Bucov-Plan habe ich ergänzt, es sind wieder etliche neue Kennel entstanden, viele von ihnen sind klein und behelfsmäßig, aber wie alles hier, werden sie sicher dennoch zur festen Einrichtung.

Eine lange Liste an benötigten Schildern ist entstanden – die Schilder sind nun bestellt und sollen am Freitag geliefert werden.

Zusammen mit Arbeiter Marian habe ich die meisten der kleinen Zwinger der hier sogenannten aggressiven Hunde (Dummheit ist halt international) gereinigt und mit Stroh versorgt. Party für die Rottis und die AmStaffs, die in den kleinen Zwingern ganz wahrscheinlich den Rest ihres Lebens verbringen werden. Diese sogenannten aggressiven Hunde, sind neben den Deutschen Schäferhunden und den rumänischen großen Hütehunde-Rassen diejenigen, die das Lager nicht über Adoption verlassen. Daher rühren sie mich immer besonders an. Tatsächlich verteidigen einige von ihnen auch deutlich ihren kleinen Lebensraum, sie haben ja sonst nichts. Aber Marian kennt die Hunde und sie gehorchen ihm, andere sind einfach absolut liebevolle aufgeschlossene Hunde. Eben alles Tragödien.

Größtes Problem ist für mich nach den zwei Tagen die Reinigungssituation, gerade in den kleinen überfüllten Kenneln leben die Hunde in ihrem Kot. Das bespreche ich mit den Verantwortlichen.

Mit im Ergebnis sechs Arbeitern (und damit doppelt so vielen wie eigentlich benötigt) habe ich am ersten Tag fünf Hütten in Kennel verteilt, die bisher keine hatten. Die Arbeit dauerte eine gute halbe Stunde – den Lagerleiter dazu zu bekommen seinen Arbeitern Beine zu machen, damit das passiert, hat fast doppelt so lange gedauert. Jemand hatte Geburtstag und daher wurde ausgiebig gefeiert. Ich bin eine Freundin von After-Work-Partys.

Die Wasserversorgung ist jetzt im Dauerfrost genauso wichtig wie im Sommer, die Hunde bekommen Trockenfutter, es ist derzeit zwischen -8 Grad nachts und +2 Grad tagsüber, aber durch den Wind fühlt es sich nicht nur kälter an, es ist auch alles pulvertrocken. Die Wasserverteilung verlief am ersten Tag leidlich, am zweiten besser.

Die Futterverteilung läuft gut, so sieht man auch etliche dicke Hunde, aber jetzt im Winter ist das ein eher guter Anblick.

Jeden Tag kommen neue Welpen und der Mann am Tor versucht sie mit nettem Blick der Tierschützerin Aniela Ghita zu übergeben.

Am zweiten Tag habe ich mir die Situation in den Vetkenneln angeschaut: Sie hat sich jedenfalls nicht verbessert seit meinem letzten Aufenthalt vor anderthalb Jahren, eher verschlechtert, weil mittlerweile die Liegebretter überwiegend zerstört sind. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.

Heute am Dienstag war Kastrationstag: 25 Hunde wurden durch die Finanzierung von ProDogRomania e.V. kastriert. Schon am Donnerstag soll der nächste Kastrationstag sein. Die Abläufe sind über die Jahre besser geworden, so werden jetzt die Hunde zum Aufwachen zwischengelagert und der Transport mit den Hundewagen ist nach wie vor eine gute Sache. Bedauerlich nur, dass man hier nicht auf die Idee kommt, den Reifen sofort zu reparieren, wenn er kaputtgeht, sondern den Wagen erstmal ewig so weiter nutzt…und wahrscheinlich über die nötige Reparatur lamentiert.

Mit großer Freude habe ich Fahrer Emil getroffen, der einen hammerharten Transport hinter sich hatte – die massiven Schneefälle in Österreich und Süddeutschland haben ihn alle Kraft gekostet. Er ist ein echt zäher und fleißiger Kerl.

Wie immer habe ich auch einige Notfelle entdeckt und versucht Lösungen zu finden, wie einen spindeldürren Hund, der nun in einem Käfig sitzt und gepäppelt und behandelt wird. Ich habe dem kleinen Kerl seine Ausreise nach Deutschland versprochen. Einen zerbissenen Hund habe ich umgesetzt, von dem seine Angreifer auch nicht wirklich ablassen wollten, obwohl ich das so deutlich wollte, wie ich nur konnte. Eine Situation, in der man nie die Eigensicherung vergessen darf, denn sowohl die Angreifer als auch das Opfer sind dann wahllos in ihrem Kampf. Der Zerbissene sitzt jetzt in den Vetkenneln und wird von Vet Irina behandelt. Ich schaue morgen nach ihm. Für eine zu dünne und frierende AmStaff Hündin habe ich ein Strohbett mit Himmelbett gebaut und eine ordentliche Portion Nassfutter gegeben. Mal schauen wie es morgen aussieht. Rein vorsorglich, nein, sie kann keinen Mantel tragen, wenn der einmal nass wird, erfriert sie damit.

Heute wurde im Lager doppelt so viel gearbeitet wie gestern, es wurden eine Reihe von Kenneln grundgereinigt, Wasser und Futterverteilung klappte auch und das obwohl Kastrationstag war und da auch Arbeiter für den Transport der Hunde gebraucht werden.

Und der Lagerleiter war mit mir bis nach halb fünf im Lager und hat Listen von dreckigen Kenneln geschrieben, die ich ihm mit reizender Aufmerksamkeit ergänzt habe. Wofür die Nummern an den Kenneln so alles gut sind.

An Zufälle und spontane Sinneswandel kann ich nicht so recht glauben. Für Morgen habe ich den Verwaltungsdirektor, der für den Zoo, aber eben auch für das Hundelager Bucov zuständig ist, eingeladen, mit mir gemeinsam einen Rundgang über „sein“ Gelände zu machen. Er hat mir sein Kommen zugesagt. Wir sprachen auch bei meinem letzten Aufenthalt zusammen mit der 1. Vorsitzenden von ProDogRomania miteinander. Jetzt will ich gerne mit ihm durchgehen, was aus unseren Verabredungen wurde oder eben leider auch nicht ...

Schon nach den vier Tagen kann ich sagen, dass es für mich bei Frost besser in den Hundelagern auszuhalten ist, als im Hochsommer wie auf den letzten vier Reisen. Es fehlen die hunderttausenden Fliegen, die Flöhe, die Zecken, der atemberaubende Gestank – und mir fehlt das alles so gar nicht.

Ich hoffe es schneit jetzt nicht in den nächsten Tagen, für die Hunde ist es besser, aber der Schnee würde auch den ganzen Kot überdecken und ich vermute das wäre ein guter Grund, um sofort die Reinigungsarbeiten einzustellen – und noch will ich ja gerne auch für ein bisschen Anstrengung sorgen.

Ihre
Sandra Gulla

PS.: Irgendwie habe ich die neue Art meiner Essenszubereitung liebgewonnen, könnte ich da ein Patent drauf bekommen? Ich schreibe Ihnen jedenfalls lieber, als Essen zu gehen.

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Und hier finden Sie den 1. Reisebericht