Bericht zur Tierschutzreise nach Rumänien, Teil 2

Blick in eine ungewisse Zukunft: Leben oder Tod?Blick in eine ungewisse Zukunft: Leben oder Tod?2./3. August 2014

Die 2. HTV-Vorsitzende, Sandra Gulla, setzt den Bericht über ihre Tierschutzreise nach Rumänien fort:

In den letzten Tagen fühle ich mich oft niedergeschmettert, weil es oft nur ein klitzekleines Bisschen bräuchte für den Unterschied zwischen Leben und Tod. Die Gesichter der neu angekommenen Hunde sind der absolute Horror.

Die Unterbringung der Hunde in der Auffangstation ist nicht wie im Hamburger Tierschutzverein (HTV): Hier in Bucov gibt es zum Beispiel Einzelzwinger, die im Jahr 2001 gebaut wurden. Diese Zwinger sind nicht viel größer, als die Innen- und Außenzwinger im HTV, wo i.d.R. jeweils ein Hund untergebracht ist (ein großer Teil unserer Hunde wird ja in großen Ausläufen gehalten). In Bucov wird sowohl der Innen- als auch der Außenzwinger als jeweils ein Zwinger genutzt. Also die Hunde sind entweder nur drinnen oder nur außen untergebracht, dort kommen die neu Gefangenen hinein. In einem der Außenzwinger sitzen bis zu zwanzig Hunde. Diese Neuankömmlinge sind zunächst völlig fassungslos, oft durch die Betäubungspfeile schwer angeschlagen, sie sind am Ende ihrer Kräfte, denn sie haben zuvor um ihr Leben gekämpft. Sobald sie sich nur ein wenig erholt haben, schreien sie hinter uns her, zwei Tage, bis sie begriffen haben, dass auch wir freundlichen Frauen nichts Wesentliches für sie tun (können). Das Schreien ist für mich das Schlimmste, das stille Sterben der Welpen ist für mich leichter zu verkraften.

Bis zu zwanzig Hunde müssen sich einen Zwinger teilen.Bis zu zwanzig Hunde müssen sich einen Zwinger teilen.Auf der anderen Seite bin ich total gerührt und absolut begeistert, mit Anna Langhammer, 2. Vorsitzende von ProDogRomania (PDR), und den beiden engagierten rumänischen Tierschützerinnen Aniela Ghita und Mihaela Teodoru solch wunderbare Frauen um mich zu haben. Ich habe das Gefühl, sie bereits lange zu kennen, und wir können unsere Gefühle über die Situation der Hunde vor Ort teilen. Ich bin überglücklich, weil wir so viel tun konnten: Anna hat die Übersichten, wie viele Hunde wir erfasst haben. Mittlerweile haben wir unglaublich viele Hunde registriert und fotografiert, damit sie eine Chance haben, außerhalb Rumäniens adoptiert zu werden. Ich habe die letzten beiden Tage auch Catalina, einer der Tierärztinnen geholfen, die von den Tierschützerinnen bezahlt wird. Catalina habe ich „Die auf einem Bein arbeitet“ getauft: In den Ausläufen steht sie während des Impfens und Behandelns zumeist eben auf einem Bein, denn mit dem anderen muss sie ständig die weiteren Hunde - bis zu 35 in einem Auslauf - davon abhalten, sie zu stören.

Tierärztin Catalina, umringt von zahlreichen Hunden, bei der Behandlung.Tierärztin Catalina, umringt von zahlreichen Hunden, bei der Behandlung.Nach der Arbeit in der Auffangstation haben wir mittlerweile vier Pflegestellen besucht - jede mit einer völlig anderen Geschichte, arme Frauen, die so viel für die Hunde tun, und wohlhabende Frauen, die sich nicht schämen, für andere als verrückt zu erscheinen, weil sie Hunde retten. Heute habe ich den Geburtsort der kleinen Hündin Vulpy, die zurzeit bei mir in Deutschland als Pflegehund lebt, kennengelernt. Sie kommt aus einer absolut desolaten und unglaublich armen Familie, die ohne Strom und fließend Wasser an einem Dorfrand leben. Ihr Haus würde in Deutschland bestenfalls als Garage dienen. Bei mir Zuhause sitzt Vulpy vermutlich gerade auf dem Sofa – in Sicherheit. „Sicherheit“ ist das Wort, das wir hier am häufigsten gebrauchen.

Für Montag, 5. August, den letzten Tag in der Auffangstation Bucov, haben Anna und ich eine Liste erstellt, die wahrscheinlich völlig unrealistisch ist. Aber hier muss man unrealistische Dinge möglich machen. Wir möchten unbedingt eine neue Wasserkarre aufbauen und den Arbeitern zeigen, um sie von der Karre zu überzeugen! Wir müssen auf alle Fälle dafür sorgen, dass weitere Wassernäpfe, die ProDogRomania besorgt hat, in die Ausläufe kommen. In den sogenannten Death Kennels (Todesausläufen) leiden die Hunde unter Durst, weil das Wasser bei den sommerlichen Temperaturen in zwei Stunden ausgetrunken ist. Wir müssen schauen, ob wir beim Transport der Hunde in den Kastrationsraum helfen können, so dass möglichst viele Hunde kastriert werden können. Es ist sehr heiß und dennoch hoffen wir, dass das Team - ein Arzt und zwei Assistenten - 20 Hunde schafft.

Und an unserem letzten Abend in Ploieşti werden wir, wie an den Abenden zuvor, mit Aniela und Mihaela bis in die Nacht diskutieren, wie man den rumänischen Tierschutz voranbringen kann. Archie – siehe Anna Langhammers Bericht - habe ich versprochen, dass er beim nächsten Transport in den HTV nach Hamburg reisen kann, wenn er nicht zuvor adoptiert wird oder tot ist.

Weitere Bilder sehen Sie hier: http://www.hamburger-tierschutzverein.de/termine-veranstaltungen/galerie/

Fotos: Sandra Gulla

Unsere Berichterstattung über Sandra Gullas Tierschutzreise nach Rumänien setzen wir auf unserem Facebook-Profil unter https://de-de.facebook.com/HamburgerTierschutzverein fort.

Hier geht es zu dem Vorbericht und den Reiseberichten Teil 1Teil 3, Teil 4 und Teil 5.