Dritter Bericht aus dem Hundelager Bucov

Jeder einzelne von ihnen bräuchte umfassende Pflege und Hege.Jeder einzelne von ihnen bräuchte umfassende Pflege und Hege.30. Juli 2015

Liebe Leserinnen und Leser,
Tierschutzreisen entziehen sich jeder Planbarkeit. Diesmal ist es dem ersten Einsatz von zwei Vier-Wochen-Volontärinnen von ProDogRomania e. V. (PDR) im Hundelager Bucov zu verdanken, dass ich meine Planungen für die verbleibende Zeit geändert habe.

So wenig wie die beiden jungen Frauen wusste auch ich, was da auf mich zukommt. Nach zwei Tagen gemeinsamen Wirkens ist mir klar: Das  Beste, was ich tun kann, ist ihnen für die verbleibende Zeit zur Seite zu stehen und ihnen so viel wie möglich von meinen Erfahrungen und meinem Wissen anzubieten, damit sie diese vier Wochen so effektiv wie nur möglich im Interesse der Hunde nutzen können. Die beiden befreundeten Studentinnen Annie und Tabea sind beide „plietsch“, wie man in Hamburg sagt, sie wollen lernen und reißen sich zusammen, wenn es nötig ist und das ist hier öfter mal nötig. Im Hundelager Bucov kann man niemanden schonen. Hier kann man nicht die Bilder, die einem gefallen, liken und die, die einem nicht gefallen, gar nicht erst anschauen.

Die beiden haben die ersten zwei harten Tage hinter sich gebracht und gerade habe ich sie fröhlich miteinander redend in ihr Pensionszimmer gehen hören. Das freut mich sehr, auch weil sie niedergeschlagen keine gute Arbeit für die Hunde leisten könnten.

Wir setzen hier in jeder Stunde dem Elend dieses Ortes unsere volle Energie entgegen und wir schaffen was, deshalb lässt sich alles aushalten. Über das, was wir so schaffen, werden Annie und Tabea ab heute mit kurzen Beiträgen berichten, die wir dann ebenfalls veröffentlichen. Sie werden auch Fotos zeigen, was mir diesmal nicht so umfassend möglich ist, da ich eben einige meiner Arbeiten zugunsten der Zusammenarbeit mit Annie und Tabea eingestellt habe. Sicher finden Sie meine Prioritätensetzung nachvollziehbar.

Was möchte ich Ihnen jetzt noch erzählen? Welche Vorhaben ich bisher noch umsetzen konnte:

Die Diskussionen und Planungen für das Wasserprojekt wurden zu einem Ergebnis gebracht und die Erdarbeiten für die frostsichere Verlegung der Wasserleitungen wurden begonnen. Ich wünsche PDR und den Hunden, dass die Arbeiten gut voranschreiten und den gewünschten Erfolg bringen. Ich bin leider nicht lange genug hier, um den Abschluss der Arbeiten mitzubekommen. Heute waren es gefühlte 38 Grad und für alle Lebewesen, aber gerade die kranken und geschwächten, ist dann eine gute Wasserversorgung überlebenswichtig.

Mit den Spenden, die ich über den gemeinsam mit meiner Mutter gegründeten kleinen Auslandstierschutzverein erhalten habe, konnte ich das Material für einen weiteren Welpenauslauf und zwei neue Türen für bestehende Ausläufe finanzieren, das meiste Material ist schon verbaut. Morgen geht es an die Inneneinrichtung und daher habe ich die berechtigte Hoffnung, dass wir alsbald Hunde aus dem besonders überfüllten Welpenauslauf von Mihaela und etliche Hunde aus der unerträglich überfüllten Zwingeranlage in diese drei neuen beziehungsweise nunmehr wieder nutzbaren Bereiche umsetzen können. Dabei werden Annie und Tabea wertvollste Hilfe leisten können, denn Umsetzen ist schnell gemacht, aber dann muss auch jemand hier die Zeit haben zu schauen, passt das, was da zusammengesetzt wurde, vertragen sich die Hunde, kommen alle an Wasser und Futter …

Heute Morgen haben wir aus einem Sachspendenlager Nachschub geholt, den wir nun in den Containern auf dem Lagergelände zur Verfügung haben. Nun können wir auch eine qualifizierte Rückmeldung nach Deutschland geben, was dringend benötigt wird und was noch ausreichend zur Verfügung steht.

In der lebensrettenden Aufgabe, Bilder und zutreffende Beschreibungen von Hunden zu machen, konnten Aniela und ich heute Annie und Tabea unterweisen. Noch kann ich die beiden dabei unterstützen, aber dann werden sie wunderbarerweise nach meiner Abreise damit fortfahren können und bestimmt etlichen Hunden zu einer Lebenschance verhelfen.

Doch ich würde Ihnen ein gänzlich verzerrtes Bild übermitteln, wenn ich Ihnen nicht auch von den fleißigen rumänischen Tierschützerinnen berichten würde, die ich hier kennenlerne. Aniela und Mihaela sind sicher den meisten Leserinnen und Lesern schon ein echter Begriff. Ich habe Hochachtung vor deren Lebensleistung. Doch sie sind zum Glück nicht völlig allein in Rumänien und auch nicht in Ploiesti. Ich habe Freunde von Mihaela kennengelernt, eine vierköpfige Familie, die neben der Versorgung von neun eigenen Hunden noch einen Welpenauslauf für Mihaela eingerichtet hat, in dem sie bei meinem Besuch weitere neun Welpen beherbergten. Das alles während sie in einem Haus leben, dass sie noch zu Ende bauen müssen. An einem der letzten Abende haben wir sehr spät einer 75 Jahre alten rumänischen Tierschützerin Hühnerknochen gebracht. Sie beherbergt etliche ehemalige Straßenhunde, kann sich aber kein Hundefutter leisten. Aus den Knochen kocht sie mit viel Reis eine Pampe, von der sie dann sogar uns etwas für die Welpen ins Lager mitgebracht hat. Auch dort hilft sie seit über einem Jahrzehnt nach Kräften. Genauso wie sie kann sich eine weitere ältere Tierschützerin die Busfahrkarte aus Ploiesti zum Hundelager am Stadtrand von Ploiesti nicht leisten. Findet sich keine Mitfahrgelegenheit bei den anderen Tierschützerinnen, ist sie auch bereit, zu Fuß die mehreren Kilometer jetzt bei sengender Hitze zum Lager zu laufen. Und dann ist da auch noch Elena, die sich seit vielen Jahren um die Hunde in einigen Hundeausläufen kümmert und dort auch sauber macht, was hier ein Luxus ist. Und eine berufstätige Frau, die jedes Wochenende ihre Freizeit zwischen Beruf und Familie im Lager verbringt. Auslandstierschutz dient auch dazu, ihnen allen durch unsere Hilfe zu zeigen, dass sie – wenn auch noch in ihrer Gesellschaft in einer absoluten Minderheit – so doch nicht allein sind und wir solidarisch mit ihnen wirken wollen. Immer wieder höre ich, wie sehr die Tierschützerinnen hier sich durch die Hilfe ermutigt fühlen, ihre schwere Aufgabe fortzusetzen.

Am Wochenende nach dem kurzen Tierheimtag werden wir dann die Foster-Mami Jeni, die ich bereits im letzten Jahr kennengelernt habe, besuchen. Aniela hat mir berichtet, dass Jeni sie täglich mehrfach anruft, seitdem sie weiß, dass ich wieder in Rumänien bin und darum bittet, dass ich doch vorbeikomme, um mir die Hunde anzuschauen, die in der Direktvermittlung aus verschiedenen Gründen keine Chance haben.

Plätze, die bei ihr frei werden, füllt sie gleich wieder mit Pfleglingen aus dem Hundelager auf. So werde ich selbstverständlich schauen, welche Hunde von Jeni der HTV in den nächsten Monaten aufnehmen könnte.

Überhaupt muss ich mich langsam entscheiden, welche Hunde schon Mitte August in das Tierheim Süderstraße kommen können. Keine leichte Aufgabe, aber dazu vielleicht ein andermal mehr.

Ihre Sandra Gulla


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Und hier finden Sie den Auftaktbericht sowie den ersten, zweiten und vierten Bericht aus Bucov.