Dritte Tierschutzreise in das Hundelager Bucov

Sandra Gulla im Hundelager Bucov im vergangenen Jahr.Sandra Gulla im Hundelager Bucov im vergangenen Jahr.22. Juli 2016

Unsere 1. Vorsitzende Sandra Gulla unternimmt in den nächsten zwei Wochen ihre dritte Tierschutzreise nach Rumänien, um sich im Hundelager Bucov über die aktuelle Situation zu informieren und dort mitzuarbeiten. An dieser Stelle werden wir ihre Berichte und Fotos veröffentlichen.

Liebe Leserinnen und Leser,

heute fliege ich nun im dritten Jahr für den HTV in meinem Urlaub in das staatliche Hundelager Bucov in Ploiesti, Rumänien. Nach den letzten Reisen habe ich nun schon eine genauere Vorstellung von dem, was mich erwartet, wenn auch nach meinen Erfahrungen eine Tierschutzreise stets unerwartete Herausforderungen birgt. Wer sich ein Bild von der grundsätzlichen Situation vor Ort machen und damit meine Reiseberichte – die ich auch dieses Mal schreiben werde – besser verstehen möchte, den bitte ich herzlich, meine Reiseberichte vom vergangenen Jahr sowie den Bericht meiner HTV-Vorstandskollegin Daniela Esser zu lesen. Die Links dazu finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Seit Beginn des Projektes im Jahr 2014 haben wir 279 Hunde aus Rumänien gerettet und genauso vielen Hunden über ProDogRomania e. V. eine Kastration vor Ort ermöglicht. Geschafft haben wir das, weil es Adoptanten gibt, die lieber ein Hundeleben retten und ein Tier aus dem Tierschutz adoptieren, als ein Tier zu kaufen. Geschafft haben wir das, weil immer mehr Spenderinnen und Spender großzügig die Ausreisekosten der Hunde und die Kastrationen vor Ort finanzieren. Bei Ihnen allen bedanke ich mich von ganzem Herzen!

Warum reise ich in das Hundelager Bucov und was mache ich dort, werde ich häufiger gefragt.

Ich verantworte für den HTV den Auslandstierschutz und koordiniere daher unser Projekt mit ProDogRomania e. V., in dessen Rahmen wir regelmäßig Hunde aus Rumänien übernehmen. Ich halte es für außerordentlich wichtig, dann auch die Verhältnisse vor Ort zu kennen und deren Entwicklung zu beobachten, aber auch dort mitzuarbeiten, um zu verstehen, unter welchen Bedingungen die dortigen Tierschützerinnen tagtäglich arbeiten müssen und wie man ihnen sinnvoll und effektiv helfen kann.

Welchen Aufgaben ich mich im Besonderen in den zwei Wochen widme, entscheide ich vor Ort gemeinsam mit den dortigen Tierschützerinnen. Gerade versucht die Tierschützerin Mihaela Teodoru die Situation der jeden Tag neu eingefangenen und eingelieferten Hunde zu verbessern. Bisher werden sie zunächst teils in desolatem Zustand in enge Zwinger gepfercht. Diese stets total überfüllten Ankunftszwinger sind einer der schlimmsten Anblicke, den das Lager zu bieten hat. Ich hoffe, ich kann Mihaela bei den Veränderungen unterstützen.

Den Tierschützerinnen liegt auch eine Verbesserung des Handlings der Hunde durch die staatlichen Arbeiter sehr am Herzen. Auch hier möchte ich mich gerne einbringen und schauen, wie Arbeitsabläufe so verbessert werden können, dass sie für die Hunde weniger Qual bedeuten und für die Arbeiter umsetzbar sind.
Bei all dem ist immer zu beachten, dass es sich bei dem Hundelager um eine staatliche Einrichtung handelt, in der alle Tierschützer immer auf das Wohlwollen der örtlichen Verwaltung und der Lagerleitung angewiesen sind. Nichts geht mal eben so!

Eine wesentliche Aufgabe ist immer auch das Fotografieren und Beschreiben der Hunde, die noch keinen Steckbrief haben. Ohne Beschreibung und Foto existiert ein Hund dort quasi nicht, denn keiner kann ihn entdecken und retten.

Und ganz nebenbei schaue ich nach Hunden, die der HTV aufnehmen kann. Das sind in erster Linie die aufgeschlossenen und freundlichen Hunde, die gute Vermittlungschancen haben. Aber immer wieder nehmen wir auch Sorgenfellchen auf, aber auch dabei ist es gut zu wissen, was uns so in etwa erwartet. Ich halte viel davon, wenn Interessenten auch den Auslandstierschutzhund in einer Pflegestelle oder einem Tierheim in Deutschland kennenlernen. Direktvermittlungen über ein Foto und Steckbrief bergen schon die Gefahr, dass sich Adoptanten falsche Vorstellungen machen oder Erwartungen nicht erfüllt werden. Mir ist am liebsten, geeignete Interessenten schauen bei uns im Tierheim und finden dort den richtigen Hund. Und wenn Sie einen bestimmten Hund aus dem Hundelager Bucov retten wollen, fragen Sie gerne auch bei uns nach, ob wir ihn im HTV aufnehmen können.

Und zudem werde ich mitarbeiten, bei der tierärztlichen Betreuung der Hunde assistieren und einfach an dem alltäglichen Wahnsinn, dem die Tierschützerinnen in Ploiesti ausgesetzt sind, teilhaben.

Ich weine nicht, wenn ich vor Ort bin. Im Angesicht des nicht zu beendenden Elends fehlen mir immer die Tränen. Aber wenn ich nach einer Vermittlung die Fotos und Berichte aus einem fürsorglichen Zuhause gesendet bekomme, brechen Fluten aus Freude und Erleichterung aus mir heraus. Das sind immer die Momente, die die Frage, ob mein Tun Sinn hat, ganz klar beantworten. Und ich weiß, dass es den beiden rumänischen Tierschützerinnen Aniela Ghita und Mihaela Teodoru, auf die ich mich sehr freue, genauso geht. Ihre Bereitschaft und ihre Ausdauer, sich dem eigentlich vorbestimmten Schicksal der stets wohl mehr als 1.500 Insassen des Hundelagers Bucov immer wieder entgegenzustellen und so viele Leben zu retten, wie sie nur können, kann man gar nicht genug wertschätzen.

Ich werde nach Kräften in den nächsten zwei Wochen an dieser Stelle mit Fotos von meiner dritten Tierschutzreise aus Rumänien berichten.

Ihre Sandra Gulla
1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V.
Projektkoordinatorin Auslandstierschutz Rumänien


| Zum ersten Bericht. >


Hier geht es zu den
Reiseberichten vom vergangenen Jahr.

Hier geht es zu dem Reisebericht von Daniela Esser vom Mai 2016.