Zehn Hunde aus Rumänien sicher in Hamburg angekommen

Aura ist dem Lager entkommen.Aura ist dem Lager entkommen.10. Oktober 2016

Dank unserer Spenderinnen und Spender konnten wir am Wochenende erneut zehn rumänische Hunde aus dem Hundelager Bucov bei Ploiesti in unserem Tierheim in der Süderstraße begrüßen. Hier beginnen sie ein Leben in Sicherheit und Geborgenheit. Von der Ankunft berichtet unsere 1. Vorsitzende Sandra Gulla.

Liebe Leserinnen und Leser,

jede Ankunft geretteter rumänischer Hunde ist etwas ganz Besonderes für meine abendlichen beziehungsweise nächtlichen Helfer-Teams und mich, aber sicher verstehen Sie, dass die Ankünfte, bei denen ich Hunde wiedersehe, die ich vor Ort kennengelernt habe, immer noch ein bisschen berührender sind.
Diesmal haben wir zehn HTV-Hunde in Empfang genommen und drei Gasthunde des Vereins Mit Tieren leben e.V.

So wunderbare Hunde: Nicolie, die den Menschen so sehr liebt und sich gar nicht einkriegt vor Freude. Meine kleine Gang aus Kennel 76, Anton, Paulchen und Trudel, die ich im Sommer erfasst und mit Steckbriefen versehen habe, zwei weitere aus der Gruppe, Fienchen und Pünktchen, haben schon Plätze bei einer anderen Organisation gefunden. Jetzt freue ich mich gewaltig, dass auch die anderen drei kleinen, netten und aufgeschlossenen Hunde keinen Winter im Hundelager vor sich haben, sondern ganz sicher bald in ihren Körbchen und Bettchen bei liebevollen Adoptanten in Sicherheit schlafen. Friedolin, den kleinen älteren Herrn mit nur einem Ohr, kannte ich vorher nicht. Ich konnte gestern Abend in der mäßigen Beleuchtung unserer Quarantänestation gar nicht genau erkennen, was mit dem Ohr ist. Eine Ohrmuschel ist nicht mehr vorhanden, es sieht aus, als ob das Ohr nach einer Verletzung zugenäht wurde. Aus einer Wunde suppte es. Und obwohl Friedolin sicher ein hartes Leben geführt hat und seine Wunde schmerzt, schaute er mir immer nur ganz gerade in die Augen und sein Blick sagte mir: Es ist doch alles gut, nicht wahr. Kein Misstrauen, kein Argwohn, nur Vertrauen. Solche Begegnungen hauen mich immer wieder um.

Aurelian ein junger Rüde, der die Staupe überlebt und jetzt mit einer stark juckenden Hauterkrankung zu kämpfen hat und der nur das Glück hatte kommen zu können, weil eine andere Hündin, Aurelie, nicht gefunden wurde. Aurelian hat es so nötig, aber das haben halt so viele und manche, ja manche, ziehen das große Los. Er wohnt zusammen mit Aura, die unfassbar verschmust ist und deren Hauterkrankung vor Ort schon behandelt wurde und die auf dem Wege der Besserung ist. Die Heilung der Hautkrankheiten ist für uns nach nunmehr zweieinhalbjähriger Erfahrung mit unseren rumänischen Schützlingen keine große Sache mehr. Für Laien mutet es manchmal fast wie ein Wunder an, wie schnell die Hunde genesen. Für die Hunde im Lager hingegen ist eine Hauterkrankung, die nicht behandelt wird – und es können dort nun mal aus finanziellen wie tatsächlichen Gründen nicht alle Hunde behandelt werden – der Anfang vom Ende.

Unsere größte Baustelle wird Cinderella sein, die aufgrund einer Hauterkrankung schon fast komplett kahl war, sie hat aber auch noch einige Umfangsvermehrungen am Bauch. Wir werden tun, was wir für sie können. Und ich finde es richtig, auch immer ein oder zwei Hunde dabei zu haben, die umfangreichere Versorgung benötigen, auch so ein Hund soll einmal im Leben erfahren, was es bedeutet liebevoll umsorgt zu werden und einmal das große Los ziehen. Ich bin sicher, Cinderella findet ganz bald Paten, die sie bei ihrem Genesungsprozess begleiten und uns auch solche Rettungen ermöglichen. Der winzige Winzling Buddy, der nur geliebt werden will, wird hingegen bestimmt bald eine ganze Reihe von Interessenten haben und unser Tierheim nicht lange als Zuflucht benötigen. Vielleicht braucht Thiago etwas länger, um seine Leute zu finden, aber es ist gut, dass er bei uns ist. Im Sommer habe ich ihn mir angeschaut, da er schon einen großzügigen Ticketspender gefunden hatte, der ihn mir sehr ans Herz gelegt hatte. Jetzt hat auch Thiago seine Chance auf ein richtig gutes Leben.

Sie alle dann nach Fütterung und Begrüßungsknuddeln in ihren Körbchen liegen zu sehen, ist unglaublich schön. Sie wissen es noch nicht, aber ich weiß es, jetzt wird alles nur noch besser: Der ab jetzt immer sichere und warme Schlafplatz, das regelmäßige Essen, die tiermedizinische Versorgung, die liebevolle Betreuung, bald sogar Gassigehen. Und dann ein eigenes fürsorgliches Zuhause. Alles nur möglich, weil es großzügige Spenderinnen und Spender gibt, die unser Projekt mit Ticketspenden und Patenschaften unterstützen, Aktive, die mit anfassen und liebevolle Adoptanten, die ein Tier aus dem Tierschutz aufnehmen. Etliche Adoptanten durfte ich anlässlich unseres Tierschutzfestes persönlich kennenlernen, nichts ist schöner, als unsere rumänischen Schützlinge dann so ganz selbstverständlich mit ihren Familien zu sehen.

Ich stelle mir manchmal vor, unsere Rumänchen würden ins Lager berichten, wie es ihnen bei uns im Tierheim ergeht. Ich denke, die Zurückgebliebenen würden sie für verrückt erklären und ihnen antworten, so einen Ort, den ihr da beschreibt, den gibt es nicht wirklich, den gibt es nur in unseren Träumen.
Wir können nicht alle retten, liebe Leserinnen und Leser, dieser Satz ist so oft und so schnell gesagt und geschrieben. Seien Sie sicher, ich weiß ganz genau was er bedeutet, nur meine ich ihn nicht als Waffe gegen die, die versuchen zu retten, was zu retten ist, meine ihn nicht als Begründung für Tatenlosigkeit, sondern für mich ist er seit 24 Jahren im Tierschutz meine ständige Realität.

Aber wir können versuchen so viel zu tun wie nur möglich und Verhältnisse zu ändern und so bin ich aufs Äußerste erfreut, dass – während wir unsere 13 Schützlinge sicher in Empfang genommen haben – wieder ein Helferteam des Hamburger Tierschutzvereins vor Ort in Ploiesti eingetroffen ist und heute – während ich diese Zeilen schreibe – seinen ersten harten Einsatztag im Lager hat. Sie wollen gemeinsam in der kommenden Woche weitere Hütten in den Ausläufen aufstellen, so viele Hütten wie nur möglich reparieren, Stroh in die Hütten verteilen, Wassertröge und Futternäpfe aufteilen. Sie wollen, bevor der Winter mit all seiner Härte einbricht, ein wenig mehr Schutz für die 1500 Hunde im Lager erreichen. Dafür werden sie in den nächsten Tagen alles geben und noch ein bisschen mehr. Die Tierschützerinnen und Hunde vor Ort brauchen Euch so sehr! Unser und sicher auch Ihr Dank, liebe Leserinnen und Leser, geht an meine Vorstandskollegin Daniela Esser und ihren Mann René, an unsere HTV-Mitglieder Alfons Russ, Detlef Siggelkow und Stefan Wolf, die zum wiederholten Male ehrenamtlich vor Ort helfen. Sie werden gemeinsam mit den rumänischen und anderen deutschen Tierschützern hart und beharrlich an der Verbesserung der Verhältnisse im Lager arbeiten. Diese Tierschutzreisen sind ebenso wie die Rettung einzelner Hunde von Beginn an wesentlicher Bestandteil des Auslandstierschutzprojektes des HTV. Ab heute werden wir hier von der schweren, aber auch erfüllenden Arbeit vor Ort berichten.



Wenn Sie die Aufnahme und Versorgung unsere Schützlinge im HTV unterstützen wollen, freuen wir uns sehr über Ihre Spende per Online-Formular oder direkt auf unser Spendenkonto bei der Hamburger Sparkasse:
IBAN: DE03 2005 0550 1286 2228 88
BIC: HASPDEHHXXX
Spendenzweck: Auslandstierschutz-Rumänien

Wollen Sie einen unserer Schützlinge ganz besonders auf seinem Weg ins gute Leben begleiten, können Sie seine Patin oder sein Pate werden.

Ich danke von Herzen allen, die mittun!

Ihre Sandra Gulla
1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V.
Projektkoordinatorin Auslandstierschutz Rumänien

Hier finden Sie die Fotos von der Ankunft.
(Fotos: Hannes Machel)


Die Hunde werden noch eingangsuntersucht und kommen erst nach einer Quarantänezeit in die Vermittlung. Wenn Sie sich aber bereits jetzt ernsthaft für einen der Hunde interessieren, lesen Sie bitte sorgfältig unsere Hinweise zur Tiervermittlung und senden Sie bitte den dort hinterlegten Bogen zur Selbstauskunft ausgefüllt an die Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Wir melden uns dann gerne bei Ihnen.