René und Daniela Esser mit Zinko und Sherry.

13. Juni 2016

Sonntagmorgen um 3.40 Uhr hatte das lange Warten und Bangen seit dem Ende unserer Tierschutzreise ein Ende – unsere rumänischen Hunde sind gut und sicher im HTV angekommen.

Was für eine Freude! Es war nicht die erste Ankunft rumänischer Hunde, die ich für den HTV begleitete, aber es war die mit Abstand emotionalste und aufregendste. Und nicht nur ich, sondern auch Detlef Siggelkow, Stefan Wolf und René Esser aus unserer Bucov-Bautruppe waren voller Vorfreude auf die Hunde. So standen wir also am ganz frühen Sonntagmorgen auf dem HTV-Gelände und blickten voller Erleichterung auf den einfahrenden Transporter mit Chuppa, Bieber, Sandokan, den wir nun Santos nennen, weil es den freundlichen, wenn auch kräftigen Kerl besser beschreibt, Sherry, Jannia, Zinko, Chester, Milly, Susi, Findus, Saloma und Calypso an Bord. Ebenfalls kamen noch zwei weitere Hunde an, Flip und Vica, die der HTV als Gasthunde* nur für eine kurze Zeit beherbergen wird. Lila und Finley, die zunächst auf der Ticketliste standen, waren leider bei den vorbereitenden Untersuchungen nicht auffindbar und Rabea ist leider so erkrankt, dass sie nicht reisefähig war. Dafür hatten dann Milly, Susi und Chester, der zwischenzeitlich vermisst, aber zum richtigen Zeitpunkt wiedergefunden wurde, das große Los. Auch Finley ist in dem Lager, in dem an die 2.000 Hunde untergebracht sind, jetzt wiedergefunden worden und er steht wie die anderen auf der Liste für den nächsten Transport.

Es ist immer ein wunderschönes Gefühl, die Hunde aus Rumänien in Empfang nehmen zu können und zu wissen, dass sie nun in Sicherheit sind und endlich ein behütetes Hundeleben führen können. Aber wenn man die Hunde selbst in Bucov kennengelernt und mit eigenen Augen gesehen hat, unter welch erbärmlichen Umständen sie bisher leben mussten, ist das Gefühl kaum zu beschreiben, sie nun bei ihren ersten Schritten in Freiheit begleiten zu dürfen. Und so durfte ich wieder sehr emotionale Momente mit „meinen“ Männern miterleben, als nach und nach die Hunde sicher ausgeladen wurden. Es war wie ein Wiedersehen mit alten Freunden und so wurde die eine oder andere Freudenträne verdrückt. HTV-Mitglied Stefan Wolf, der extra nur für diese Ankunft von Frankfurt nach Hamburg gereist war, brachte es auf den Punkt: „Es sollten noch mehr Vereine so wie der HTV über den Tellerrand hinausschauen und unabhängig von Landesgrenzen dort helfen, wo Hilfe dringend benötigt wird. Die Tiere danken es auf so wundervolle Weise und dafür lohnt jede Mühe!“ Unsere Wiedersehensfreude galt aber auch Radu und seinem zweiten Fahrer, die wir in Rumänien kennen gelernt haben und denen wir für die Strapazen, die sie bei den langen Transporten auf sich nehmen und ihren fürsorglichen Umgang mit den Hunden sehr dankbar sind.

Detlef Siggelkow freut sich für Calypso.
Stefan Wolf sorgt für Chuppa.
Bieber sicher im Arm von René Esser.







Der für mich bewegendste Moment der Ankunft war, als mein Herzenshund Bieber – von dem ich Ihnen bereits in meinem Reisebericht erzählt habe – endlich aussteigen durfte. Ich habe die letzten Wochen so gehofft und gebangt, ob er es schaffen würde und nun war er da!

Trotz all dieser Emotionen und großer Freunde musste die Ankunft aber natürlich professionell und strukturiert abgewickelt werden. Unter Anleitung unserer ersten Vorsitzenden Sandra Gulla wurden also die Impfpässe kontrolliert und dann die Hunde sicher über das Tierheimgelände in ihre neuen Unterkünfte gebracht, die „Mitbewohner“ zusammengestellt und nach der langen Reise die Hunde auch gefüttert. Es ist immer sehr berührend zu sehen, wie die Hunde alles sofort annehmen, sich – wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben – in Körbchen legen und dankbar ihr Futter essen. Es wurden dann natürlich noch ausgiebig Streicheleinheiten verteilt und den Hunden versprochen, dass nun alles gut ist und ihr neues Leben – hier und jetzt – beginnt.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz ausdrücklich bei allen Ticketspendern bedanken, sie haben nicht nur den Hunden den Weg in eine bessere Zukunft geebnet, sie haben auch uns – dem Bautrupp – unglaublich wertvolle Momente geschenkt. Ohne Ihre Mithilfe hätten wir unsere Hunde nicht in Empfang nehmen können. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Und so ging eine aufregende Nacht für alle glücklich zu Ende. Und wir konnten das Tierheimgelände mit dem Wissen verlassen, dass der Auslandstierschutz mit all seinen Widrigkeiten am Ende nicht nur Tiere, sondern auch Menschen unheimlich glücklich machen kann.

Ihre Daniela Esser
Vorstandsmitglied des HTV


(Aufgrund eines technischen Defekts der Speicherkarte gibt es diesmal leider keine weiteren Fotos der Ankunft.)

* Das sind Hunde, die bereits ein Zuhause gefunden haben, deren Ankunft aber nach den europäischen Transportbedingungen in einem Tierheim oder einer ähnlichen Einrichtung erfolgen muss, das über eine TRACES-Registrierung verfügt (TRAde Control and Expert System, ein von der EU eingeführtes Datenbanksystem, mit dem der gesamte Tierverkehr innerhalb der EU sowie aus der und in die EU erfasst wird). Zudem haben die Amtsveterinäre, die für die Transporte von ProDogRomania e.V. in Deutschland zuständig sind, zur Auflage gemacht, dass die Hunde mindestens 48 Stunden in unserem Tierheim verbleiben, damit ggf. eine Kontrolle der Hunde durch die örtlichen Amtsveterinäre möglich ist. So ist die Aufnahme von Gasthunden keine große Sache für uns, für den Weg dieser Hunde in ein sicheres Zuhause aber unerlässliche Voraussetzung.