Kurt und Mr. Pee sind ein Dreamteam.

18. November 2015

Montag war ein trüber Tag ohne große Zwischenfälle. Wir haben geputzt, aufgeräumt, und die Hunde mit Wasser und Futter versorgt. Außerdem haben Heike und Jennifer die Bestandsaufnahme angefangen und die Zwinger weiter winterfest gemacht.

Die Flucht-Mutti wurde von uns Mici (rumänisch für die Kleine) getauft und konnte mit ihren Welpen in Mels Nest 2 umziehen. So kann die Familie gut überwintern. Neuankömmling Hunter, ein junger und menschenbezogener Jagdhundmix, haben wir in einen anderen Zwinger gesetzt, weil er in seiner bisherigen Gruppe nicht erwünscht war. Auch der kleine freundliche Pitch ist in einen Zwinger gezogen, nachdem er in der frei laufenden Gruppe gemobbt wurde. Dabei haben wir Blut gefunden – da Pitch offenbar Schmerzen hat, ist Mishu schließlich mit ihm und weiteren Patienten in die weit entfernte Tierklinik gefahren.

Was Montag an Zwischenfällen fehlte, kam Dienstag mit geballter Macht. Leider ist nicht alles in Baile schön und voller Hoffnung.
Maya, die große wunderschöne Hündin von Mishu und seiner Familie, wurde heute Morgen vom Zug erfasst. Die Bahnlinie führt direkt am Tierheim vorbei und Maya muss irgendwie das Gelände verlassen haben. Der Schock war bei allen groß, als sie gefunden wurde. Mishu hat die blutende und halb weggetretene Maya zwar sofort in die Klinik gefahren, doch leider kam sie dort nicht mehr lebend an. Die stolze Maya wird uns allen fehlen. Unsere Gedanken sind bei Mishu und seiner Familie.

Als ob dies nicht schon schlimm genug ist, haben zwei Welpen die Nacht nicht überlebt, zwei weitere sind heute auf die Krankenstation verlegt worden. Die Krankenstation ist mittlerweile voll. Vier neue Hunde wurden von Mishu auf der Straße aufgelesen und erst einmal im Vet-Haus untergebracht. Dort hatten Annabel und Maren alle Hände voll zu tun. Neben Säubern, Schmusen und Füttern hat Annabel homöopathische Mittel verabreicht, die kleinen Welpen brauchten Infusionen und Wurmkuren wurden verteilt. Maren hat angefangen, die sogenannten Hauthunde zu baden und zu cremen. Sie können nun im warmen Vet-Haus trocknen und sich erholen.
Auch Pitch ist mittlerweile wieder im Tierheim und nun Bewohner der Krankenstation. Er hat schwere Bisswunden, die zuvor von seinem dichten Pelz verdeckt waren. Wir drücken die Daumen, dass er weiter tapfer ist und bald ins Tierheim Koblenz ausreisen kann.

Die Mama haben wir Mici getauft.

Aber wir haben auch Schönes erlebt. Die Welpen, die vor zwei Tagen angekommen sind, sind nicht mehr so scheu und haben die erste Ganzkörper-Kuscheleinheit mit Lena genossen. Auch die kleinen Schnuffis aus den Pappkartons vom ersten Arbeitstag machen sich prima und wuseln sofort herbei, wenn die Tür geöffnet wird.
Urara und Catherina haben sich um die täglich anfallende Versorgung der Hunde gekümmert, die nur teilweise von dem rumänischen Helfer erledigt wird. Der Strohturm ist mittlerweile fast ganz aufgebraucht: Heike hat nun auch die tierischen Bewohner in den B- und C-Zwingern mit einer Stroh-Grundausstattung beglückt. Husky Roco war dabei zum Beispiel so begeistert, dass er den Einräumservice nicht abwarten wollte, sondern gleich selbst in die Stroh-Transportbox gestiegen ist. Wie schon in den vergangenen Tagen haben die Hunde – und schließlich wir – weitere Löcher in Zwingerabsperrungen entdeckt und, wo möglich, sofort geflickt. In ruhigen Momenten konnten wir bei Fellpflege- und Kuschel-Einheiten die Sorgen kurz vergessen.

Wir können sagen, dass sich unsere Perspektive im Laufe der Tage geändert hat. Am ersten Tag haben wir hauptsächlich viel Dreck und viele Hunde gesehen. Mittlerweile sehen wir jedes Hundeindividuum und im Besonderen diejenigen, die mehr Fürsorge brauchen, die Schwachen, Zarten und Kranken und die Ängstlichen. Es scheint uns immer leichter zu gelingen, ohne lange Worte untereinander und mit Mishu und seiner Familie eine Art Überblick zu behalten und Prioritäten zu setzen.

Hinzu kommt, dass Jennifer die Bestandsaufnahme weiter vorangetrieben und inzwischen einen guten Überblick über die Zwingerkonstellationen gewonnen hat. So konnten einige Hunde von uns umgesetzt werden: Eine kleine Hündin, die mit den zwei Welpen in der Quarantäne saß, wurde nun Trulla getauft und ist zu zwei neuen Hündinnen, Curly Sue und Bernadette, gezogen. Hunter ist noch einmal umgezogen aber leider immer noch unglücklich, da er menschlichen Kontakt sucht. Sein Weinen ist herzzerreißend. Die moppelige Juni muss nun alleine wohnen, sie hat ihren drei Mitbewohnern lange genug das Futter geklaut.
Eine weitere neue und äußerst freundliche Hündin sitzt nun bei Pebbels und Levin und freut sich über die Gesellschaft. Vielleicht fällt uns Mittwoch ein passender Name für sie ein?!

Hier geht es zur Bildergalerie.

Hier finden sie die Vorgeschichte: den Auftaktbericht sowie den ersten und zweiten Bericht aus Baile.
Und hier lesen Sie, wie es weiterging: der letzte Bericht aus Baile.