Tag der Artenvielfalt: Auch im HTV wird es divers

Hamburg ist multikulti. Und so ist der HTV auch!Hamburg ist multikulti. Und so ist der HTV auch!„Wir sind für alle Tiere da!“ Das ist für den HTV nicht nur eine leere Phrase, sondern gelebte Maxime. Und damit meinen wir nicht nur, dass wir verschiedene Haustierrassen bei uns im Tierheim aufnehmen. Auch einheimische Wildtiere jeglicher Art und Exoten unterschiedlicher Herkunft finden bei uns Obdach. Ausgrenzung hat bei uns keine Chance! Zum heutigen Tag der Artenvielfalt wollen wir Ihnen im Folgenden einen beispielhaften Überblick über unsere Exoten geben.

Wer sich bei uns im Tierheim umschaut, bekommt schnell das Gefühl, eher in einer Art von Tierpark als in einem Tierheim zu sein. Da flutschen Wasserschildkröten in den Teich, wenn menschlicher Besuch als große Schatten ihnen die Sonne nehmen. Bunte Sittiche lachen wie Ziegen. Hähne krakeelen nach Lust und Laune. Die Tiere auf unserer Koppel mitsamt Pferdestall wirken immer wieder wie eine Neubesetzung der Bremer Stadtmusikanten. Und in unseren Exotenstationen züngelt und zirpt, platscht und planscht es in allen Ecken. Ganz schön multikulti geht es ab bei uns!

Wollen Sie wissen, wer alles so bei uns im Tierheim lebt? Wir lassen im Folgenden ein paar unserer ausländischen Schützlinge zu Wort kommen und fragen: „Hallo, wo kommst Du denn her?“

Lola, ein Gelbbrustara: Bom dia! My name is Lola, I‘m not a show bird – denn ich bestimme selbst, wann ich über die Dächer des brasilianischen Regenwalds oder an den Strand der Copacabana fliege. Nun gut, hätte ich gerne, aber wo ich schon mal hier bin, kann auch ich meinen Horizont erweitern. Und das tue ich! Denn der HTV findet früher oder später für jeden bunten Vogel und jede graue Maus das passende Haus. Bei mir ist es bald soweit und ich fliege und krakele mit Meinesgleichen durch die Lüfte!

Monchichi, eine Moschusschildkröte: Howdy! Let`s make Aquaterrarien great again! Denn ich bin zwar klein, wachse aber noch und habe einen großen Bewegungsdrang. Außerdem will ich nicht alleine leben. Das tun meine Verwandten in Nordamerika ja auch nicht. Und wenn es mir zu bunt wird, verströme ich einfach eine feine Note Moschus. Ihr rümpft die Nase? Ihr könnt mich nicht riechen? Dabei kommt es auf die Mischung an! Was wären einige Parfums ohne meinen Duft?!

Klausi, ein Chinchilla: Hola amigos! Ich will Euch ja nicht zu nahetreten. Und ihr macht auch echt einen tollen Job. Aber der Süllberg ist nicht das Andengebirge und Hamburg nicht Santiago. Aber es ist so, wie es ist, und wenn der Berg nicht zum Chinchilla kommt, dann ist es eben die Anbauschrankwand. Hauptsache klettern, klettern, klettern – und kuscheln! Das tue ich liebend gerne mit meiner wunderschönen Freundin Nele.

Bowie, eine Boa constrictor: Buenos dias! Ich bin der Sam aus dem Schlafsack. Glaubt Ihr nicht? Na ja, ich wurde an einem Hamburger See ausgesetzt – im Dezember! Das hatte nun so gar nichts mit dem Tropen-Feeling Mittelamerikas zu tun, das sich eine Boa wünscht. Da musste ich mir erst einmal einen warmen Unterschlupf suchen. Ich liebe nämlich das feuchtwarme Klima meiner Heimat abgöttisch. Ob man mich daher auch Abgottschlange nennt? Nein – aber das ist eine andere Geschichte.

Napfi, ein Gelbhaubenkakadu: Hi Folks! Wer mich nicht kennt, nennt mich Herr Cacatua galerita. Aber Freunde dürfen Napfi zu mir sagen. Und als Australier ist es mir auch lieber, wenn wir uns bei Vor- oder Spitznamen nennen. Meine Heimat ist seit Jahrhunderten geprägt von Einwanderungen. Da können ja ruhig mal ein paar von uns Vögeln die Geschichte andersrum erzählen. Aber es könnte echt ein bisschen wärmer hier sein. Nicht, dass ich den Klimawandel feiere. Aber ich kann ja nicht aus meiner Haut!

Mei Ling, eine Dreikielschildkröte: Nĭhăo! Das heißt Hallo auf Chinesisch. Mein Name ist Mei Ling und ich stamme ursprünglich aus dem sagenumwobenen China. Hamburg ist zwar auch sehr schön, aber die Bäche sind mir hier zu kalt und einige meiner gepanzerten Freunde haben ein mir unangenehmes Auftreten, wie es in Amerika schick zu sein scheint. Sei`s drum! Es ist wohlig warm hier, ich kann rhythmische Wasserakrobatik machen und meine Leibgerichte dinieren.

Susi, ein Ziegensittich: Kia ora! So begrüßen wir uns auf Neuseeland – zumindest die tätowierten Menschen dort, die noch Respekt und Achtung vor der Natur haben. Zurück in meine Heimat kann ich nicht. Dafür bin ich zu gelb und außerdem nicht gesund. Aber der HTV kümmert sich natürlich auch um Sorgentiere wie mich. Besonders toll: Eine Pflegerin haben meine Freundin Gerti und ich um die Kralle gewickelt und sie nahm uns in Pflege mit nach Hause. Da lache ich vor Freude wie eine Ziege!


Familie Lachmann: ! السلام عليكم Marhaban! Dürfen wir uns vorstellen? Nahhnou aailat Aldahhouk, für Eure Zunge gerne auch Familie Lachmann. Wir sind Nordafrikanische Lachtauben und fühlen uns in der arabischen Welt ziemlich wohl und wertgeschätzt. Aber der HTV ist auch nicht von schlechten Eltern! Die Hauptsache ist ja, dass wir zusammenbleiben dürfen, ein Obdach haben und mit Nahrung und Medizin im Krankheitsfall versorgt werden. Dann haben wir auch 'was zu lachen und stecken Euch damit an!


Gomera, ein Kanariengirlitz: Ich könnte Euch jetzt einen trillern. Aber das ließe Euch nur vor Neid erblassen. Ich schaue aber auch nicht schlecht, wenn ich die Pfeifsprache meiner kanarischen Heimat höre – UNESCO-Weltkulturerbe! Wenn Ihr die könnt, dann singe ich mit Euch den ganzen lieben langen Tag. Und ich habe Ausdauer. Gesang ist für mich Lebensfreude. Wenn ich aber alleine in kleinen Käfigen hocke, singe ich aus purer Verzweiflung: „Hört mich niemand? Befreit mich keiner?“


Azzurro, ein Azurcichlide: Moni! Nein, so heiße ich nicht. Und auch Azzurro ist nur mein Spitzname hier. Meinen richtigen Namen kann eh niemand von Euch aussprechen – ich selbst ja auch nicht. Denn meine Art stammt aus dem ostafrikanischen Malawisee. Dort gibt es viele verschiedene Buntbarsche wie mich. Ein Hotspot der Artenvielfalt und ein traumhafter Lebensraum. Da können Eure Aquarien nicht mithalten. Na ja, Ihr gebt Euer Bestes und wenigstes will mich hier niemand aufessen.


Loukas, eine Griechische Landschildkröte: Kalós írthes! Ich bin ein alter Grieche. Nein, nicht so alt, dass ich schon im antiken Hellas geboren wurde. Aber als Landschildkröte kann ich immerhin hundert Lenze auf dem Panzer tragen. Mit mir geht man also unter Umständen eine Beziehung fürs Leben ein. Aber da auch wir Schildkröten ungern übers Alter sprechen, habe ich meines sogar vergessen. Es orientiert sich aber eh auch an Eurer guten Führung meiner anspruchsvollen Person!


Papi Jacobo, ein Graupapagei: Mbote! Das ist ein kongolesischer Gruß und damit ein Wort aus meiner afrikanischen Heimat. Aber ich glaube, da kann ich lange warten, bis mich hier jemand so anspricht. Also gebe ich mir fleißig Mühe, neue Wörter zu erlernen und mich den Gegebenheiten und Sitten hier anzupassen. Gar nicht so leicht – vor allem, wenn man alleine dasteht. Zum Glück habe ich Mami Jacobo an meiner Seite, die manchmal liebevoll an mir herumknabbert.

Röschen, ein Rosenköpfchen: !Gâi tses uhâ re. Das ist Khoekhoe, eine der vielen Sprachen in meiner Heimat Nambia und bedeutet „Habt einen schönen Tag!“ Ich habe in meinen Leben leider schon viele schlimme Tage gehabt. Momentan bin ich zwar beschwerdefrei, aber das kann sich wieder ändern. Zum Glück kümmert sich der HTV auch um behinderte Tiere wie mich. Als „Unzertrennlicher“, wie meine Gattung auf Deutsch heißt, suche ich aber ganz einen Artgenossen, der mich so liebt, wie ich bin.

So könnten wir noch viele weitere Tiere zu Wort kommen lassen, die im Ausland geboren wurden oder ihre Wurzeln dort haben. Und so unterschiedlich ihre Geschichten auch sind, so anders sie teilweise sein mögen: Sie alle haben unseren Schutz verdient und bekommen die bestmögliche Fürsorge, medizinische Betreuung und Unterbringung, die uns möglich ist. Das macht unser zweitgrößtes Tierheim Deutschlands und die größte Wildtierstation des Nordens auch oft zur ersten Anlaufstelle für exotische Tiere. Denn nicht viele Tierheime können logistisch, personell und finanziell diesen Aufwand stemmen und dieser Verantwortung gerecht werden. Denn gerade die Vermittlung der Gefahrtiere gestaltet sich äußerst schwierig, was sowohl die behördlichen als auch die artspezifischen (also auch unsere!) Ansprüche anbelangt.

Wir haben nicht nur die moralische Überzeugung, Tierschutz nicht an der Staats- oder gar Stadtgrenze enden zu lassen, wir haben auch die Möglichkeit und von sehr vielen Unterstützerinnen und Unterstützern den sprichwörtlichen Auftrag, in real existierenden Rahmenbedingungen Leben zu retten. Hamburg ist multikulti und weltoffen. Und so sind wir auch!