Schockierende Missstände im Exotenhandel

Die Boa constrictor Kaa wurde aus Platzmangel vom Halter zu uns gebracht.24. August 2016

Der gestrige Beitrag des ARD-Formates „Report Mainz“ über den internationalen Exotenhandel offenbart unfassbar grausame und tierschutzwidrige Verhältnisse beim Transport von und Handel mit Reptilien und anderen Exoten. Wir, der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V., fordern schon seit Jahren eine Abkehr vom fahrlässigen Trend der Exotenhaltung in Privathaushalten und haben daher gerne an dem wichtigen Bericht mitgewirkt.

Deutschland ist innerhalb der EU der größte Importeur und Absatzmarkt für Wildtiere. Unter den Hunderttausenden Reptilien befinden sich auch zahllose Wildfänge. Ihre Herkunft ist oft nicht nachvollziehbar, da die Handelswege teilweise undurchsichtig sind und die Tiere mitunter mehrere Zwischenlager passieren. Solange die Bundesregierung keine Positivliste, die einzelne Tierarten als exotisches Heimtier erlaubt, festlegt, werden weiterhin unzählige bedrohte und empfindsame Tiere unter katastrophalen, leidvollen Zuständen ihr Leben fristen. Todesraten bis zu 70 Prozent werden vom Handel einkalkuliert.

Leidtragende dieser fehlenden politischen Entschlossenheit sind auch Tierheime wie das unsrige, das sich mit einer jährlich stetig wachsenden Anzahl verstoßener oder beschlagnahmter Exoten konfrontiert sieht, die personelle, logistische und finanzielle Höchstleistungen erforderlich macht. Während unser Tierheim in der Süderstraße vor genau drei Jahren beispielsweise „nur“ 80 Reptilien beherbergte, waren es 2014 schon 114 Tiere, 2015 sogar 154 und aktuell 183 Echsen, Schlangen und Schildkröten. Im gesamten Jahr 2014 nahmen wir 181 exotische Reptilien auf, dieses Jahr sind es bisher schon 141 dieser Tiere. Unser Dachverband, der Deutsche Tierschutzbund, rechnet hoch, dass allein die deutschen Tierschutzvereine in den letzten fünf Jahren rund 30.000 Reptilien aufnehmen mussten. Einige unserer Vermittlungstiere finden Sie hier.

Bitte schauen Sie sich den aktuellen „Report Mainz“ an. Bei dem Bericht über die schockierenden Verhältnisse im Exotenhandel haben wir mit unserem hauseigenen Experten, dem leitenden Tierpfleger Sven Bernhardt, gerne mitgewirkt und Einblicke in unsere überfüllte Station gewährt. Dass das furchtbare Leiden und Sterben der exotischen Tiere für das schnelle Geschäft von den Händlern mit durchschaubaren Ausreden und Lügen kommentiert wird, vergrößert unser Entsetzen und unsere Fassungslosigkeit, trotz schlimmster Einblicke, die auch wir regelmäßig haben. „Der Zynismus der Händler ist nicht mehr zu überbieten und jeder, der ein entsprechendes Tier im Handel erwirbt, unterstützt dieses lebensverachtende Geschäft“ fasst Sandra Gulla, 1. Vorsitzende des HTV, konsterniert zusammen.

Bitte spenden Sie für die artgemäße Versorgung unserer Exoten über unser Online-Spendenformular oder auf unser Spendenkonto bei der Hamburger Sparkasse
IBAN: DE03 2005 0550 1286 2228 88
BIC: HASPDEHHXXX

Vielen Dank!

Hintergrundinformationen finden Sie auf der Website unserer Kollegen von Pro Wildlife:
https://www.prowildlife.de/pressemitteilung/heimtierhandel-in-der-eu-bedroht-ueberleben-seltener-reptilien/
https://www.prowildlife.de/bericht/reptilienschmuggel/
https://www.prowildlife.de/wp-content/uploads/2016/02/Boersen-Doku_2010_final_low_sol.pdf (84seitige Bestandsaufnahme von Pro Wildlife zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund zu den Missständen auf Tierbörsen 2010)