Studie belegt Missstände bei der privaten Exotenhaltung

Weißbauchigel auf einer Tierbörse. Die anspruchsvollen exotischen Tiere sind für eine private Haltung nicht geeignet. Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.12. Juli 2018

Der Deutsche Tierschutzbund, dessen Landesverband Hamburg wir sind, sieht seine Forderungen im Bereich Heimtierhaltung und -handel durch die Ergebnisse der Exopet-Studie bestätigt, heißt es in einer Presseerklärung. Der kürzlich von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) veröffentlichte Abschlussbericht der Studie zeigt unter anderem, dass fundierte Standards für Haltungsbedingungen fehlen, dass Missstände auf Tierbörsen vorliegen und der Internet-Handel mit Tieren nicht kontrollierbar ist.

„Wir sind einerseits froh, dass die Ergebnisse der Studie unsere Sicht widerspiegeln und einen deutlichen Handlungsbedarf aufzeigen. Andererseits sind die Missstände lange bekannt; wir erheben dieselben Forderungen schon seit Jahren“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Frau Bundesministerin Klöckner hat es jetzt schwarz auf weiß. Die Ankündigung im Koalitionsvertrag, das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung werde bis zur Mitte der Legislaturperiode Änderungsvorschläge vorlegen, ist damit obsolet. Aufgrund der jetzt vorliegenden Studienergebnisse kann und muss Frau Klöckner sofort handeln.“

Die Ergebnisse zeigen: Es besteht Handlungsbedarf. Bei allen Tierarten wurde festgestellt, dass die private Haltung vielfach nicht den Bedürfnissen der Tiere entspricht – auch weil fundierte Standards dazu fehlen. Genau wie nun die Autoren der Studie fordert auch der Deutsche Tierschutzbund daher schon seit Jahren einen verpflichtenden Sachkundenachweis vor Anschaffung eines Tieres im Rahmen einer Heimtierschutzverordnung, welche Haltung, Zucht, Kennzeichnung und Handel regelt. Der Verband macht allerdings deutlich, dass dieser von weiteren Maßnahmen flankiert werden müsste, etwa – und hier widersprechen die Tierschützer den Empfehlungen der Studie – von Positivlisten, die festlegen, welche Tierarten sich überhaupt für die Haltung im Privathaushalt eignen.

Missstände auf Tierbörsen hat der Deutsche Tierschutzbund schon vielfach dokumentiert. Auch die Exopet-Studie kommt zu denselben Erkenntnissen, weshalb die Autoren vorschlagen, die Tierbörsenleitlinien durch eine rechtsverbindliche, bundesweit einheitliche Verordnung zu ersetzen, die auch den Internethandel mit Tieren regelt. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt diese Forderung, geht aber noch weiter: „Im Grunde bräuchte es ein Verbot des kommerziellen Onlinehandels mit Tieren und einen Ausschluss bestimmter Tierarten auf Börsen“, sagt Dr. Henriette Mackensen, Leiterin des Heimtierreferats beim Deutschen Tierschutzbund.
„Tierheime und spezielle Auffangstationen verzeichnen ein breites Artenspektrum aufgenommener (exotischer) Tiere. Die Abgabegründe weisen darauf hin, dass die Halter sich vor dem Tierkauf häufig nicht genügend informiert haben oder falsch beziehungsweise nicht beraten wurden“, heißt es auf der Webseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Der Hamburger Tierschutzverein kann dies seit vielen Jahren aus leidvoller Erfahrung bestätigen. Anfang des Jahres hatten wir einen traurigen Rekord zu verzeichnen: 297 exotische Reptilien beherbergten wir im Tierheim – so viele wie noch nie zuvor. Darunter befinden sich auch 44 Schlangen. Da es schwierig ist, geeignete neue Halter für unsere Reptilien zu finden, die über das nötige Fachwissen verfügen und den Tieren lebenslang ein zumindest annähernd artgemäßes Leben bieten können, werden die meisten Schlangen, Echsen und Schildkröten vermutlich leider eine lange Zeit bei uns im Tierheim Süderstraße bleiben müssen.