Heute ist der Tag der streunenden Katzen – also der perfekte Zeitpunkt, um die Geschichte von Sammy vorzustellen, die von einer streunenden zu einer schmusenden Katze wurde. Unsere Beisitzerin Stefanie Bauche hat die Entwicklung der Samtpfote live mitverfolgt.

Sammy - den Namen bekam sie im Tierheim - wurde am 18. März 2022 in einem Garten in Mümmelmannsberg entdeckt. Das durch die Finderin angebotene Futter rührte sie nicht an und blieb in Schockstarre drei Tage hinter einer Gartenbank sitzen. Die Gartenbesitzerin beschloss daraufhin, dass Sammy geholfen werden muss und "fegte" sie in eine Transportkiste. So kam Sammy zu uns ins Tierheim.

Es gefiel ihr gar nicht, bei uns eingesperrt zu sein, sie ließ sich nicht anfassen, war aggressiv und griff sogar an. Ihr Verhalten besserte sich nicht und wir befürchteten, dass sie einen Unfall mit schmerzhaften Folgen gehabt haben könnte. Nach Ablauf der sieben Tage Fundfrist wurde sie von unserer Tierärztin in Narkose (anders war es nicht möglich) untersucht. Das Ergebnis war zu unserer Überraschung sehr gut: Es lagen keine Anzeichen für eine Verletzung vor und sie war kastriert, lediglich Zahnstein musste entfernt werden. Sie wog drei Kilogramm, das Alter schätzten wir auf etwa sieben Jahre. Leider war Sammy nicht gechippt, so dass keine Chance bestand, die ehemaligen Halter:innen zu ermitteln und zumindest zu klären, was mit Sammy passiert war.

Drei Wochen lang änderte sich an Sammys Aggressivität überhaupt nichts, so dass wir den Status auf „unvermittelbar“ setzen mussten und beschlossen, sie in unserem transportablen Gehege an einen Futterplatz zu gewöhnen und dort nach der Eingewöhnungszeit freizulassen. Eine Woche später zog sie dort ein. Im Gehege war Sammy im Verteidigungsmodus. Verlautete dies mit lautem Grollen und drohendem Knurren, so bekam sie von den Fütterinnen den Beinamen Grummelkatz. Sie wollte die Fütterinnen nicht in das Gehege hineinlassen, so dass einige sich wirklich nicht hinein trauten. Die Kameras zeigten ihre unermüdliche Suche nach einem Ausgang, wenn sie allein war.

Durch den fast täglichen Einsatz unserer "Katzenflüsterin" mit Hühnerfederwedel und dem Kraulen mit einem Pinsel durch die Gitterstäbe zeigte sich zu unserer großen Freude erstmals ein leichter Rückgang von Sammys aggressivem Verhalten. Anfang Mai konnten wir Sammy freilassen, sie blieb in der Nähe, kam stets zum Füttern zurück und zeigte sich plötzlich erstaunlich entspannt. Eingesperrt sein flößte Sammy anscheinend eine Heidenangst ein. Es wurde immer deutlicher, dass Sammy keine scheue Straßenkatze war, sie kannte den Umgang mit Menschen, war jetzt lieb zu den Fütterinnen, zu denen sie Vertrauen gefasst hatte. Sie freute sich, wenn sie kamen und weinte ihnen sogar hinterher, wenn sie gingen. Ihre Stimmung konnte jedoch schnell umschlagen, wenn sie sich erschreckte. Sie fauchte und schlug teilweise auch die Hand, die sie gerade streichelte.

Nun versuchten wir, Sammy in eine ruhige Umgebung in einem liebevollen Zuhause mit uneingeschränktem Freigang zu vermitteln. Leider gelang der Versuch nicht und die Situation am Futterplatz veränderte sich dramatisch, als Sammy beschlossen hatte, es sich auf den umliegenden Terrassen der Anlieger:innen bequem zu machen. Dies war von den Menschen dort unglücklicherweise nicht gern gesehen und Sammy wurde immer wieder verjagt.

Schließlich kam mir eine Idee: Auf einem privaten Betreuungsplatz war gerade ein Platz frei und ich fragte dort an. Aber als die Betreuerin des Futterplatzes Sandra Anfang August zum Kennenlernen zu Besuch kam, ging es Sammy ausgerechnet an diesem Tag sehr sehr schlecht: Sie lief gekrümmt, blieb auf Abstand und fraß nichts. Alle Fütterinnen machten sich unfassbare Sorgen, dass ihr etwas passiert sein könnte. Am nächsten Tag war Sammy aber glücklicherweise wieder da, dennoch, etwas war nicht ganz in Ordnung mit ihr. Also wurde das Gehege sofort geschlossen als Sammy darin war, falls sie am nächsten Tag umziehen könnte. Sandra hatte Sammy ja nicht kennenlernen können, war aber überzeugt, dass ihr geholfen werden muss und so beschloss sie, dass Sammy bei ihr einziehen darf. Nachts zeigte dann wieder die Kamera eine arme Sammy, die panisch versuchte, aus dem Gehege zu entkommen.

Am nächsten Tag fanden sich spontan mehrere Ehrenamtliche, die mir dabei halfen, Sammy einzufangen, und einen Teil des Geheges abbauten und es bei Sandra wiederaufbauten, um Sammy dort wieder einzugewöhnen. Es klappte hervorragend und innerhalb von zwei Stunden war Sammy umgezogen!

Um Sammy den Umzug zu erleichtern, meldeten sich gleich mehrere der Fütterinnen, die Sammy schon kannte, um sie dort zu besuchen. Und dann geschah das Wunder: Sammy versuchte nicht mehr, aus dem geschlossenen Gehege auszubrechen! Sie verwandelte sich innerhalb eines Tages in eine zufriedene kleine Schmuserin, die auf den Schoß sprang, kuschelte und schnurrte und Sandra nicht wieder gehen lassen wollte. Alle Beteiligten haben vor Glück ein wenig geweint, als sie die tollen Fotos bekamen.

Nach einer Woche kuscheln mit allen die sie besuchten, keinerlei Ausbruchsversuchen oder fauchen und grummeln, öffnete Sandra das Gehege und Sammy durfte ihr neues Umfeld inspizieren. Sie wich Sandra nicht von der Seite und kehrte zufrieden in ihr Gehege zurück. Ein voller Erfolg!

Heute lebt Sammy frei und schläft nachts in einem eigenen Wohnwagen - ein nicht mehr verkäufliches Stück, Sandra ist Wohnwagenverkäuferin. Sammy trägt jetzt den Beinamen Schmusekatz und ist Attraktion. weil sie alle Kaufinteressierten freundlich begrüßt. So wurde aus ihr eine glückliche, liebevolle Kuschelkatze.