KinderSonntag: Das Leben und Leiden der "Nutztiere"

Die Kinder erfuhren wie Tiere früher und heute leben.Die Kinder erfuhren wie Tiere früher und heute leben.Beim KinderSonntag im April drehte sich alles um die zwar bekannten, aber häufig außer Acht gelassenen sogenannten Nutztiere, zu denen Kühe, Schweine, Hühner, Ziegen und weitere Geschöpfe gehören. Viele interessierte Kinder kamen in den HTV, um diese Tiere näher kennenzulernen.

Ein Thema des KinderSonntags waren die Massentierhaltung und Produktionsketten, in denen die Tiere täglich unnatürlich hohe Leistungen erbringen, leiden und sterben müssen. Früher haben Menschen mühselig und mit körperlicher Arbeit Tiere gejagt, um sie dann im Ganzen zu „nutzen“. Heutzutage bekommen wir unser Fleisch, die Milch, die Eier zu Discounter-Preisen und vieles landet gar ungenutzt im Müll. Wie kam diese Entwicklung zustande? Wie hat sich dadurch das Leben der Tiere im Unterschied zu früher verändert? Diesen und weiteren Fragen sind wir gemeinsam mit den neugierigen kleinen Besuchern auf den Grund gegangen. So haben wir unter anderem kritisch die Haltung und den Transport der Tiere begutachtet: Diese lassen kaum Platz für Bewegung und sind weit entfernt von einer artgemäßen Haltung. Viele der Tiere erleben leider nicht einmal das Erwachsenenalter.

Die kleinen Besucher lernen Tiere wie die Kuh, das Schwein oder das Huhn kennen.Die kleinen Besucher lernen Tiere wie die Kuh, das Schwein oder das Huhn kennen.Der Dialog zwischen den Kühen "Martha" und "08/15" macht die Misstände in der Massentierhaltung deutlich.Der Dialog zwischen den Kühen "Martha" und "08/15" macht die Misstände in der Massentierhaltung deutlich.Neugierig hören die Kinder zu und stellen ihre Fragen.Neugierig hören die Kinder zu und stellen ihre Fragen.

Doch was können wir dagegen tun? Weniger Konsum oder die Wahl für Ersatzprodukte wie Hafer-, Sojamilch oder andere Alternativen sind einige Beispiele. Wo die Unterschiede zwischen artgemäßer und nicht-artgemäßer Haltung liegen, zeigt euch unser Dialog zwischen unseren Kühen Martha und „08/15“. Martha ist glücklich auf einem Lebenshof im schönen Mecklenburg-Vorpommern geboren und aufgewachsen. Die Kuh 08/15 ist dagegen gerade erst auf dem Hof angekommen. Sie wurde ihr bisheriges Leben als sogenanntes Nutztier gehalten. Der Sinn ihres Lebens war bis jetzt, täglich viel Milch zu geben. Auf ihre Bedürfnisse wurde dabei keine Rücksicht genommen. Beide Kühe treffen sich nun zum ersten Mal und kommen ins Gespräch:

Martha: Hallo, bist du neu hier? Wie heißt Du? Ich bin Martha. Ich wohne schon immer hier.

08/15: Ich habe keinen Namen. Wir hatten alle eine Nummer. Meine Nummer ist 08/15.

Martha: Wollen wir zusammen auf die Weide gehen?

08/15: Was ist denn eine Weide?

Martha: Na, das saftige, grüne Zeug, das so lecker schmeckt. Gras, Klee, Löwenzahn und so. Wo ich mit meinen Kindern und Freundinnen immer herumtollen kann. Dort können wir uns hinlegen und Körperkontakt haben.

08/15: Das kenne ich alles nicht. Ich musste immer angebunden im Stall stehen. Davon tun mir die Hufe und alle Knochen weh. Zu fressen gab es nur Kraftfutter. Und das ist total trocken und schmeckt immer gleich. Die ganze Zeit musste ich in meinen Fladen und in meinem Pipi stehen. Und von der vielen Milch tat mir mein Euter immer weh.

Martha: Das sieht man dir an. Du bist ja ganz mager und deine Knochen sieht man überall. Wie furchtbar. Und um ehrlich zu sein, du riechst auch ganz schön stark.

08/15: Ich war auch mal so wohlgeformt wie du. Aber ich musste ständig Kälber bekommen, damit ich immer ganz viel Milch geben konnte, denn ich wurde als Hochleistungskuh gezüchtet. Ich gebe jeden Tag 30 Liter Milch – mehr als dreimal so viel wie du. Guck mal, wie groß mein Euter ist.

Martha: Was haben denn deine Kinder zu essen bekommen, wenn du deine Milch immer weggeben musstest? Meine ganze Milch bekam mein kleines Kälbchen, bis es ein strammer Jungbulle geworden war.

08/15: Meine Kälber wurden mir sofort nach der Geburt weggenommen und ich habe sie noch lange schreien hören. Ich habe auch immer lange nach ihnen gerufen und viel geweint. Wiedergesehen habe ich keines von ihnen. Das ist für mich sehr traurig.

Martha: Wie schrecklich. Und du hast ja gar keine Hörner. Was ist denn damit passiert?

08/15: Die sind mir als Kind schon entfernt worden. Anschließend wurden die Wurzel ausgebrannt. Das tat höllisch weh. Ich weiß noch, dass ich lange geweint habe vor lauter Schmerzen.

Martha: Ach, du Arme. Komm, ich stelle dich mal den Anderen vor. Und du brauchst unbedingt Erholung und vor allem viel Liebe.