Ferkel-Kastration: Unser Protestbrief an Hamburgs Bundestagsabgeordnete

16 dicke HTV-Brief an die Hamburger Bundestagsabgeordneten10. Oktober 2018

Beendet das Leiden der Schweine! Dieses Motto zum Welttierschutztag hatten wir auch für unser Tierschutzfest am vergangenen Sonntag übernommen. Und Sandra Gulla, 1. Vorsitzende vom Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V., hat im Laufe des Tages mehrfach über den brutalen Umgang der Agrarindustrie mit unseren Mitgeschöpfen aufgeklärt. „Jeder, der Schweinefleisch oder -produkte konsumiert, muss erfahren, welches unerträgliche Leid die Ferkel und ihre Mütter dafür auszuhalten haben und wie einfach es ist, sich tierleidfrei zu ernähren.“

Auf dem Fest wurden an den Ständen aller Vereine und Organisationen* Unterschriften gegen das betäubungslose Ferkel-Kastrieren gesammelt. Die Bundesregierung plant, diese schmerzhafte und traumatisierende Tortur zwei weitere Jahre zuzulassen. Dagegen protestieren wir gemeinsam – mit einer Unterschriftenaktion, die wir nun allen Hamburger Bundestagsabgeordneten mit dem folgenden Brief vom HTV-Vorstand, vertreten durch Sandra Gulla und Katharine Krause, zugeschickt haben.

SPD: Niels Annen, Dr. Matthias Bartke, Metin Hakverdi, Johannes Kahrs, Aydan Özoguz
CDU/CSU: Rüdiger Kruse, Christoph Ploß, Marcus Weinberg, Dr. Christoph de Vries
Grüne: Manuel Sarrazin, Anja Hajduk
FDP: Dr. Wieland Schinnenburg, Katja Suding
Die Linke: Fabio De Masi, Zaklin Nastic
AfD: Dr. Bernd Baumann

 

 

Sehr geehrte/r Frau / Herr (...),

mit großer Empörung haben wir die Entscheidung des Koalitionsausschusses zur Verschiebung des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration zur Kenntnis genommen – ebenso wie große Teile der Bevölkerung. An einem einzigen Tag konnten wir gemeinsam mit anderen Initiativen und Verbänden* anlässlich unseres Tierschutzfestes am 7. Oktober 690 Unterschriften, überwiegend von Hamburgerinnen und Hamburgern, sammeln, mit denen Sie als Hamburger Bundestagsabgeordneter aufgefordert werden, der Verlängerung des betäubungslosen Ferkelkastrierens im Bundestag nicht zuzustimmen.

Im Wortlaut heißt es auf der Unterschriftenliste: „Betäubungslose Ferkelkastration stoppen! Appell an die Hamburger Bundestagsabgeordneten
20 Millionen Ferkel werden in Deutschland Jahr für Jahr ohne Betäubung kastriert. Sie sind wenige Tage alt, wenn sie diese hoch schmerzhafte und traumatisierende Tortur über sich ergehen lassen müssen. Damit soll verhindert werden, dass das Fleisch männlicher Ferkel den sogenannten „Ebergeruch“ annimmt. Dabei gibt es längst Alternativen, nämlich einen Impfstoff! 2013 hat der Bundestag entschieden, dass ab 1. Januar 2019 das betäubungslose Kastrieren verboten ist. Dieses Verbot soll auf Druck der Agrar-Lobby nun wieder gekippt werden. Begründung: Die gut fünf Jahre Umstellfrist reichte nicht aus.
Mit meiner Unterschrift fordere ich die Hamburger Bundestagsabgeordneten auf, eine Verlängerung der betäubungslosen Ferkel-Kastration abzulehnen.“

Die durch den Koalitionsausschuss beschlossene Fristverlängerung um weitere zwei Jahre ist weder nachvollziehbar noch vermittelbar. Die Agrarindustrie hatte mehr als fünf Jahre lang Zeit, sich auf die neuen gesetzlichen Bestimmungen, die ab dem 1.1.2019 nach rund 30 Jahre langer Diskussion gelten sollen, einzustellen. Und es sind mehrere tierschutzgerechte praktikable Methoden vorhanden, die eine betäubungslose Ferkelkastration ersetzen können. Daher greift das Argument, dass es noch keine praxisreifen Methoden gibt, die eine Verschiebung des gesetzlichen Datums notwendig machen, nicht.

Wie würden Sie entscheiden, wenn Sie für Ihren männlichen Hundewelpen oder kleinen Kater wählen müssten zwischen betäubungsloser Kastration oder Impfung, um dasselbe Ziel zu erreichen?

Es geht neben der Frage der Schmerzen für Ferkel auch um den Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz. Denn Sie würden, sofern Sie dem Wunsch des Koalitionsausschusses nachkommen, die bisher unstrittig schmerzhafte und traumatisierende Tortur für die Ferkel verlängern und gegen das Staatsziel verstoßen. Der Bundesrat hatte zudem noch vor einigen Tagen alle Initiativen, die eine Verschiebung der Frist forderten, abgelehnt.

Wir fordern Sie als Mitglied des Deutschen Bundestages im Namen der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, aber auch im Namen unserer Mitglieder, auf, die Gesetzesinitiative abzulehnen, die die zeitliche Verschiebung der betäubungslosen Ferkelkastration und damit die Verlängerung der Schmerzen für das Tier zur Folge hat. Bitte teilen Sie uns Ihre Entscheidung, wie Sie sich zum Staatsziel Tierschutz positionieren, und wie sehr Ihnen das Schicksal der Ferkel am Herzen liegt, mit. Gerne würden wir auch unseren Mitgliedern berichten, wie die Hamburger Bundestagsabgeordneten in dieser zentralen Tierschutzfrage abgestimmt haben.

Mit tierfreundlichen Grüßen

Hamburger Tierschutzverein
von 1841 e.V.

 

(*) Diese Organisationen unterstützten am 7. Oktober die Unterschriftensammlung des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V.: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Animal Equality Germany e. V., Animal Rights Watch e. V. (ARIWA), Animals United e. V., Ärzte gegen Tierversuche e. V., Free Animal e. V., Hamburger Stadttauben e. V., Hürdenwellis e. V. , Lobby pro Tier (LPT Mienenbüttel), Papageienfreunde Nord e. V., PETA ZWEI, ProDogRomania e. V., ProVeg Deutschland e.V., Rettet das Huhn e. V., Stiftung Tiernothilfe - Land der Tiere, tiertafelhamburg e. V., Vegetarische Initiative e. V.

Foto: Anne McArthur/Tierschutzbund