Primatenforscherin Dr. Jane Goodall verurteilt Tierlabor LPT

Die weltweit anerkannte Primatenforscherin Dr. Jane Goodall verurteilt die Misshandlungen im LPT zutiefst. Foto: Jane Goodall InstitutPressemitteilung von SOKO Tierschutz

Zu den Undercover-Aufnahmen von SOKO Tierschutz und Cruelty Free International aus dem Tierlabor des Laboratory for Pharmakology and Toxikology (LPT) äußert sich jetzt auch die weltweit führende Primatologin Dr. Jane Goodall, ausgezeichnet mit der zweiten Stufe des britischen Ritterordens, Gründerin des Jane Goodall Instituts und UN-Friedensbotschafterin.

Dr. Jane Goodall kommentiert die grausamen Fälle massiver Tierquälerei: „Die Aufnahmen zeigen einige der schlimmsten Misshandlungen, die ich je in Verbindung mit Tierversuchen gesehen habe.“ Die Recherche, über die in der letzten Woche weltweit berichtet wurde, enthüllt ein schockierendes Ausmaß an Tierleid, welches eindeutig das europäische und deutsche Gesetze verletzt. Verstörende, verdeckt gedrehte Aufnahmen von massiv blutenden Hunden und systematisch misshandelten Affen haben den Schleier der Geheimhaltung von vorgeschriebenen Giftigkeitstests gelüftet, und die Tierquälerei dahinter offenbart.

Hilflos muss dieser Affe die leidvollen Versuche über sich ergehen lassen. Foto: SOKO Tierschutz / Cruelty Free InternationalZusammen mit ihrer Kollegin Dr. Koen Margodt, der Mitbegründerin des Jane Goodall Instituts in Belgien, hat Dr. Jane Goodall ein besonderes Augenmerk auf die Not der Affen in der Einrichtung gelegt: „Manche der Affen lagen zusammengekauert auf dem Drahtboden ihrer kleinen Gefängnisse, während andere Stereotypie zeigten, sich im Kreis drehten und schnell hin und her liefen, was auf ein extrem hohes Stressniveau hinweist. Manche kauerten sich nieder, wenn sich ein Mensch näherte, eine ausgeprägte Angstreaktion. Manche schrien sogar. Jeder Affe hatte einen Ring aus Metall um den Hals. Manche Aufnahmen zeigten Affen, die mit zusammengebundenen Beinen zum Stehen gezwungen wurden, während ihre Arme ausgestreckt fixiert waren, nahezu gekreuzigt. Eine Szene zeigte, wie einem Affen gewaltsam der Mund geöffnet wurde, während ein Schlauch in den Magen geschoben und Flüssigkeit injiziert wurde.“

Dr. Jane Goodall sagt: „Der Eindruck, den diese Aufnahmen hinterlassen, ist, dass ihre Behandlung nichts weniger als systematische Misshandlung für die Tiere bedeutet. Die Aufnahmen stammen nicht aus einem kleinen, obskuren Betrieb außer Reichweite von gesetzlichen Bestimmungen und am Rande der Welt. Das LPT Labor für Pharmakologie und Toxikologie GmbH & Co. KG arbeitet in einem der führenden und reichsten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. LPT stellt sich dar als ‚ein exzellenter und erfahrener Partner im Bereich der Auftragsforschung in Übereinstimmung mit nationalen und internationalen Richtlinien.‘“ Sie fährt fort: „Kurz gefasst: Was ich in diesen Aufnahmen gesehen habe, gehört zu dem herzlosesten, inhumansten und brutalsten Verhalten von Menschen gegenüber Primaten, Hunden und Katzen dieses Labors. Es ist nichts anderes als die Hölle auf Erden. Solch eine Situation gehört nicht in das 21. Jahrhundert und muss beendet werden. Es sollten keine invasiven biomedizinischen Tests mehr an empfindungsfähigen und komplexen Tieren wie Primaten, Hunden und Katzen durchgeführt werden. Sogar Ratten sind erwiesenermaßen hochintelligent und in der Lage, Angst und Schmerz zu fühlen. Tiere können nicht für sich selbst sprechen, also müssen wir ihre Stimme sein und ihr Leid an das Tageslicht bringen.“

Michelle Thew, Vorstandsvorsitzende von Cruelty Free International kommentiert den globalen Einsatz von Jane Goodall: „Niemand wird auf der Welt im Bereich mehr geschätzt als Jane. Wir freuen uns natürlich sehr, dass sie sich mit all ihrer Erfahrung und ihrem Wissen für die im LPT leidenden Tiere ausgesprochen hat. Wir hoffen, dass die Behörden dies zur Kenntnis nehmen und jetzt handeln werden. Sowohl, um diese Einrichtung zu schließen, als auch um die Praxis von Toxizitätstests an Tieren in Deutschland und in der gesamten EU zu prüfen.“ Die aktuellen Entwicklungen in dem Fall, wonach die Behörden vorerst neue Versuche gestoppt haben, alte aber weiter laufen lassen, kommentiert Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz als Versuch, die wütenden Bürger*innen zu beschwichtigen und gleichzeitig der Tierversuchsindustrie die Stange zu halten. Das ist durchsichtig und die Politik wird merken, dass die Menschen darauf nicht hineinfallen. Nach der größten Tierschutzdemonstration der letzten Jahrzehnte mit 8.000 Teilnehmer*innen, zeichnet sich für den nächsten Protest am 16. November 2019 in Hamburg ein noch größerer Ansturm an. Nach einer Stunde hatten sich bereits über 2.000 Menschen angemeldet.

„Besonders nachdem alle LPT- und Aufdeckungsfotos gestern auf mysteriöse Weise von unserer Facebook-Seite gelöscht wurden und wir dahinter einen Angriff auf uns und die Meinungsfreiheit vermuten, werden wir und die Menschen unseren Einsatz noch einmal erheblich steigern“, so Friedrich Mülln. SOKO Tierschutz und Cruelty Free International fordern von der deutschen Politik und der EU eine Kehrtwende und einen klaren Ausstiegsplan aus den grausamen, veralteten und sinnlosen Giftigkeitsversuchen an Tieren. Dieser Ausstieg sollte mit der Schließung des LPT beginnen, bekräftigen beide Organisationen.

HTV setzte bei Großdemo ein Zeichen gegen das Leid

Der Protest gegen die grausamen Methoden des LPT gehen weiter. Seien Sie mit dabei! Foto: Annabelle BücknerAuch der Hamburger Tierschutzverein (HTV) stellt sich gegen das barbarische System der Tierversuche. Bei einer ersten Großdemonstration und Mahnwache vor Ort machte ein Großteil unseres Vorstands gemeinsam mit schätzungsweise 200 HTV-Mitarbeitern und -Mitgliedern an der Seite von SOKO Tierschutz und anderen Vereinen sowie Organisationen auf das erbärmliche Leiden von Hunden, Katzen, Affen und weiteren Tieren in den Niederlassungen des LPT aufmerksam.

Und der Protest geht weiter! Schließen Sie sich uns an, wenn wir am 16. November 2019 erneut unsere Stimmen für die wehrlosen Geschöpfe erheben und demonstrieren Sie mit!

 

Foto Startseite: Jane Goodall Institut