Karremann deckt auf: So leiden Tiere für Leder

Rinder aus Brasilien nach der Ankunft in der Türkei. Auch ihre Haut landet als Lederprodukte in Deutschland. Foto: ZDF/Manfred KarremannRinder aus Brasilien nach der Ankunft in der Türkei. Auch ihre Haut landet als Lederprodukte in Deutschland. Foto: ZDF/Manfred KarremannDie ZDF-Dokumentation „37 Grad: Tiertransporte grenzenlos – Leder für Deutschland" hat vorgestern Abend hoffentlich vielen Zuschauern die Augen geöffnet: Es ist ein Irrglaube, dass Leder nur ein Abfallprodukt aus der Schlachtung und der Kauf unbedenklich sei! Für die Konsumware Leder müssen Tiere auf Lebendtransporten immens leiden! Dank der investigativen Recherchen von Manfred Karremann und Tierschützer*innen bekommen wir einen Einblick in die grausamen Verladungs- und Transportbedingungen der geschundenen Tiere.

Schon Schlachttier-Transporte innerhalb der EU sind für die Tiere eine Qual und gesetzliche Regelungen werden auch dabei oft nicht eingehalten. Wenn es sich aber um Langstreckentransporte handelt, die die EU verlassen, hat das Leid der Tiere apokalyptische Ausmaße, denn Regelungen zu ihrem Schutz gibt es entweder nicht oder diese werden oftmals umgangen, wie Karremanns Recherchen beweisen. „Es erfüllt mich mit so unendlicher Trauer und schmerzender Wut, dass so friedliche und wunderbare Tiere wie Rinder, die sich ausschließlich pflanzlich ernähren, apokalyptischen Qualen, die jeder Beschreibung trotzen, ausgesetzt werden. Bitte lassen Sie uns alle den geschundenen Kreaturen zur Seite stehen. Bitte schauen Sie sich den Film an und überdenken Sie ihren Konsum an tierlichen Produkten – das ist das Mindeste was wir für die Tiere tun können“, appelliert unsere 1. Vorsitzende Sandra Gulla.

Wer den bewegenden Bericht über das Leid für Leder verpasst hat,  sollte sich den Film jetzt in der ZDF-Mediathek ansehen.

Deutschland ist ein Hauptabnehmer von Lederschuhen aus der Türkei. Gefertigt werden sie aber auch aus der Haut deutscher Tiere. Und das, obwohl die Exporte von Rindern, unter anderem in die Türkei wegen inakzeptabler Transport- und Schlachtbedingungen, stark eingeschränkt oder verboten wurden. Trotzdem fanden sich bei Karremanns Recherchen nicht nur in Schlachthöfen in der Türkei, sondern zum Beispiel auch im Libanon und in Libyen Tiere, die ursprünglich aus Deutschland stammen.

Illegale Lebendtransporte
Tierschützerin auf einem türkischen Schlachthof. Foto: ZDF/Manfred KarremannTierschützerin auf einem türkischen Schlachthof. Foto: ZDF/Manfred Karremann
Eine unmittelbare Auswirkung des menschlichen Milchkonsums ist ein Überhang an männlichen Kälbern der Milchrassen. Landwirte verkaufen diese oft an Händler, die die Tiere an Mastbetriebe im Ausland, zum Beispiel Spanien, weiterverkaufen. Gemästet werden die deutschen Rinder dann in den Nahen Osten oder nach Nordafrika transportiert.
Und sogar Milchkühe, die eigentlich zur Zucht exportiert wurden, fanden sich in den Schlachthöfen, so die Recherchen von Manfred Karremann. In einem Fall wurde eine schwangere Kuh als Zuchttier legal aus Bayern nach Osteuropa transportiert. Dort bekam sie neue Papiere, wurde als Schlachttier nach Spanien gekarrt und auf ein Schiff nach Libyen verfrachtet. Und auch legale Wege führen weiterhin aus Deutschland in so genannte Drittländer: Rinder werden aus einem Bundesland mit Exportverbot in ein anderes ohne Beschränkung transportiert und dann von dort ausgeführt.

Autor Manfred Karremann bei den Dreharbeiten vor einem Tiertransporter.  Foto: ZDF/Manfred KarremannAutor Manfred Karremann bei den Dreharbeiten vor einem Tiertransporter. Foto: ZDF/Manfred KarremannTierquälerei und Umweltbelastung

Karremann zeigt: Schwer verletzte Tiere werden per Kran aus den Schiffen gehievt, um sie noch weiter zu transportieren. In der Türkei leiden die Tiere auf den Transportern unbeschreibliche Qualen, wenn sie zum Beispiel zwei Wochen lang an einer Landesgrenze ausharren müssen, weil Papiere fehlen.

Billiger Rohstoff für die Lederproduktion sind auch Hunderttausende Rinder aus Brasilien, die in den Nahen Osten und die Türkei transportiert werden. Die Frachter sind oft mehr als drei Wochen unterwegs – für die Tiere eine Tortur. Für ihre Mast wird auch Regenwald gerodet. Die Lebendtransporte per Schiff verpesten zudem Wasser und Luft. Vor allem in der Türkei zu Leder verarbeitet, gelangt oft auch die Haut dieser Tiere nach Deutschland.

Wir fordern ein Verbot von Langstreckentransporten

Unter dem Eindruck der neuen Karremann-Dokumentation wiederholen wir die Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes zu Tiertransporten:

  • Überarbeitung der Transport VO 1/2005, insbesondere zu Transportzeiten, Platzangebot, Temperaturen
  • Begrenzung der Transportzeit international auf 8 Stunden
  • Schlachtung der Tiere am nächstgelegenen Schlachthof
  • Transport von Fleisch und Sperma anstelle lebender Tiere
  • stärkere Kontrollen der Tiertransporte
  • Keine Abfertigung von Tiertransporten durch Veterinärbehörden, bei denen Anhand der Transportplanung schon ersichtlich ist, dass Tierschutzbestimmungen nicht eingehalten werden können
  • Export-Verbot für lebende Tiere in Drittländer außerhalb der EU
  • Transportverbot in Länder, die nicht einmal die OIE-Standards einhalten
  • eigene Viehzucht in Drittländern anstatt Zuchttiere aus der EU zu importieren

Langstreckentransporte sind eine Tortur für die Tiere und gehören endlich verboten! Foto: Animals' Angels e.V.Langstreckentransporte sind eine Tortur für die Tiere und gehören endlich verboten! Foto: Animals' Angels e.V.Unser Dachverband fordert von den zuständigen Landesministern diese Verbesserungsmaßnahmen, damit die seit langem bekannten und immer wieder dokumentierten tierschutzwidrigen Praktiken bei Langstreckentransporten beendet werden. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2015 sind Tierschutzbestimmungen bis zum Ziel einzuhalten. Dies kann jedoch von den abfertigenden Amtsveterinären kaum sichergestellt werden. Bayern, Schleswig-Holstein und Hessen hatten daher beschlossen, keine Transporte mehr in Drittländer abzufertigen. Per Gerichtsentscheid sind sie jedoch gezwungen, Transporte in andere Bundesländer, zum Beispiel nach Niedersachsen, zu erlauben – von wo die Tiere dann weiter in Drittstaaten wie beispielsweise Marokko gehen. Die Beschlüsse der letzten Agrarministerkonferenz und des Bundesrats, die einen Ausstieg aus Lebendtiertransporten fordern, müssen sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene zeitnah umgesetzt werden.

Was Sie tun können

Bitte handeln Sie und kaufen Sie keine Lederprodukte – es gibt tolle tierleidfreie Alternativen! Helfen Sie mit, die entsetzlichen Transporte und die widerwärtigen Ermordungen der Tiere in den Drittländern einzudämmen. Es sind hauptsächlich Rinder und Schafe, die auf Langstreckentransporte gehen, die die EU verlassen. Unser Milchkonsum führt zur Überproduktion männlicher Kälber der Milchrassen, die eben nicht für die Milchproduktion geeignet sind. Diese Tierkinder werden in Drittländer zur Schlachtung oder Mast gebracht.

Informationen zur Kampagne des Deutschen Tierschutzbundes finden Sie hier.

Hier geht es zum Film in der ZDF-Mediathek.