Schulungsplattform für Alternativmethoden soll Tierversuche reduzieren

Auch an Affen wird ein Corona-Impfstoff getestet.Auch an Affen wird ein Corona-Impfstoff getestet.Mit Hochdruck wird weltweit nach Lösungen gesucht, das Coronavirus einzudämmen und die Covid-19-Erkrankung zu heilen. Doch obwohl eine schnelle und zuverlässige Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen mit Tierversuchen nachweislich nicht möglich ist, wird jetzt wieder versucht, die Wirksamkeit an Tieren zu prüfen. Zum Beispiel wird in China ein Corona-Impfstoff an Rhesus-Affen getestet. Eine neue Schulungsplattform für Alternativmethoden soll Wissenschaftlern dabei helfen, die Anzahl der Tierversuche zu verringern.

Laut Gesetz müssen Medikamente und Impfstoffe mehrere Testdurchläufe am Tier bestehen bevor sie an Menschen getestet werden. Forscher des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) gehen davon aus, dass die Anzahl dieser Testdurchläufe in vielen Fällen reduziert werden könnte. Denn selbst, wenn ein Forscherteam eine neue Ersatzmethode entwickelt, werde diese nicht automatisch überall angewandt. Forscher in anderen Laboren, die Tierversu­che durchführten und sie ersetzen möchten, müssten die Alternativmethoden zunächst erlernen. Um Wissenschaftler dabei zu unterstützen, Tierversuche zu verringern, haben die Hannoveraner Forscher jetzt die Schulungsplattform „www.3r-smart.de“ entwickelt.

SMART steht dabei für „Schulungsplattform für Methodische Ansätze zur Reduktion von Tierversuchen“ – 3R steht für das 3R-Prinzip: Tierversuche durch alter­native Methoden ersetzen (Replacement), die Zahl der Tiere für einen Versuch auf das unerlässliche Maß senken (Reduction) und den Versuchsaufbau so gestalten, dass die Versuchstiere möglichst wenig darunter leiden (Refinement).

Die einzelnen Module von 3R-SMART sind an die verschiedenen Bedürfnisse der Nutzer angepasst. „Die Zielgruppe besteht nicht nur aus Wissenschaftlern – auch Studierende und das technische Personal an Hochschulen, in öffentlichen Forschungseinrichtungen und in der Industrie sollen die Plattform nutzen können“, so Bernhard Hiebl von der TiHo. „Wenn alle europäischen Forscher auf professionelles Lernmaterial zu Ersatzmethoden zugreifen könnten, wäre das ein großer Schritt um zukünftig die Tierzahlen in Tierversuchen großflächig weiter zu reduzieren“, hofft er.

In der aktuellen Corona-Krise zeige sich jetzt deutlich, welch großer Fehler es in der Vergangenheit war, tierversuchsfreie, humanbasierte Forschungsmethoden wie menschliche 3D-Lungenmodelle und Multi-Organ-Chips nicht ausreichend zu fördern, kritisiert die Organisation Ärzte gegen Tierversuche.