Nach der bestürzenden ZDF-Reportage: Wir müssen uns gemeinsam gegen das Leid der Tiere auf Langstreckentransporten einsetzen!

Verdeckt gedrehte Bilder dokumentieren die extremen Qualen, die Rinder beim Export in Drittländer erleiden müssen. Foto: Animals International/Deutscher Tierschutzbund e. V.Verdeckt gedrehte Bilder dokumentieren die extremen Qualen, die Rinder beim Export in Drittländer erleiden müssen. Foto: Animals International/Deutscher Tierschutzbund e. V.22. November 2017

Viele von uns haben gestern Abend unter Tränen den Bericht „37 Grad: Geheimsache Tiertransporte“ von Manfred Karremann angeschaut. Wir sind entsetzt und bestürzt, dass sich seit den Bildern von 1994 nichts an der Situation bei der Verladung der Tiere in Drittländern geändert hat. Wir verneigen uns vor den Tierschützern, die die Tiere dort begleiten, und vor allen, die den Bericht möglich gemacht haben. Aber wir müssen dieses Thema nun alle auch zu unserer Sache machen und uns für diese geschundenen Tiere einsetzen.

Schlachttier-Transporte innerhalb der EU sind für die Tiere eine Qual, gesetzliche Regelungen sind nicht tierschutzgerecht und werden oft nicht eingehalten. Wenn es sich aber um Langstreckentransporte handelt, die die EU verlassen, hat das Leid der Tiere apokalyptische Ausmaße, denn dann gibt es gar keine Regeln mehr zu ihrem Schutz. Wer die bewegende Reportage über das grausame Tierleid auf Langstreckentransporten verpasst hat, sollte sich den Bericht noch in der ZDF-Mediathek ansehen.

Bitte unterzeichnen Sie die Petition der so großartigen Tierschützer von Animals International, mit der die OIE (Weltorganisation für Tiergesundheit) dazu aufgefordert wird, sich dem Export von Lebendtieren weltweit entgegenzusetzen. Schauen Sie sich auch unbedingt deren Informationen zum Thema an. Wegschauen verändert nichts!

Und bitte versuchen Sie noch mehr zu tun gegen diese entsetzlichen Transporte und die widerwärtigen Ermordungen der Tiere in den Drittländern, die man wahrlich nicht mit dem Begriff „Schlachtungen“ verharmlosen darf. Bitte überprüfen Sie Ihren eigenen Konsum. Es sind hauptsächlich Rinder und Schafe, die auf Langstreckentransporte gehen, die die EU verlassen. Unser Milchkonsum führt zur Überproduktion männlicher Kälber der Milchrassen, die eben nicht für die Milchproduktion geeignet sind. Diese Tierkinder werden in Drittländer zur Schlachtung oder Mast gebracht. Die malträtierten Schafe lieferten uns Schafsmilchprodukte.

„Es erfüllt mich mit so unendlicher Trauer und schmerzender Wut, dass so friedliche und wunderbare Tiere wie Rinder und Schafe, die sich selbst auf die friedvollste Art ernähren, nämlich ausschließlich pflanzlich, solchen apokalyptischen Qualen, die jeder Beschreibung trotzen, ausgesetzt werden. Bitte lassen Sie uns alle den geschundenen Kreaturen zur Seite stehen“, appelliert Sandra Gulla, 1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins.


Folgend lesen Sie die heutige Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes:

Reaktion auf den ZDF „37 Grad“-Beitrag: Qualvolle Tiertransporte und Schlachtung in EU-Drittländern

Bei ihrem Weg aus der EU in Drittländer sind Tiere qualvoll lange und oft unter tierschutzwidrigen Bedingungen unterwegs. Bei der Verladung, dem Transport und schließlich der Schlachtung erleiden sie extreme Qualen. Das zeigen neue erschreckende Bilder, die das ZDF gestern in einem „37 Grad“-Beitrag zeigte. Tierschutzstandards in den Drittländern liegen, falls sie überhaupt existieren, hinter denen der EU zurück. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher die Bundesregierung und alle EU-Staaten auf, sich des Problems anzunehmen. Der Verband selbst hatte bereits mehrfach in den letzten Jahren durch Recherchen das Leid von Rindern, Schafen, aber auch Pferden und anderen Tieren in Transporten dokumentiert.

„Innerhalb Deutschlands und den Innengrenzen Europas ist das Leid auf dem Asphalt und in Schlachthöfen schon massiv. Jenseits der EU-Außengrenzen werden die Tiere oft zu extremsten Bedingungen transportiert und geschlachtet. Das ist unethisch und grausam“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Die derzeit geschäftsführende Bundesregierung muss ihren ganzen Einfluss auf EU-Ebene einsetzen, damit diese bisher offenbar politisch geduldete Tierqual ein Ende hat.“ Obwohl es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs gibt, dass EU-Recht und damit Tierschutzvorgaben bis zum Bestimmungsort der Tiere einzuhalten sind, wird dies in der Praxis nicht umgesetzt. Die Tierschutzbestimmungen in den Zielländern sind dagegen oft unzureichend oder gar nicht vorhanden. „Es darf nicht sein, dass sich die EU-Länder immer nur bis zu ihrer eigenen Grenze für den Schutz der transportierten Tiere zuständig fühlen. Hier sind alle Mitgliedstaaten in der Verantwortung zu gewährleisten, dass die Tiere sicher am Zielort ankommen“, so Schröder.

Export aus wirtschaftlichen Gründen

Die Gründe für den Export lebender Tiere in Drittländer sind rein wirtschaftlich. So sind Milchkühe oft sehr stark auf eine möglichst hohe Milchleistung gezüchtet. Ihre weiblichen Nachkommen werden als Milchkühe genutzt, die männlichen Kälber haben dagegen kaum wirtschaftlichen Wert, da sie keine Milch geben können und auch kaum Fleisch ansetzen. Besonders diese Tiere werden – oft über mehrere Zwischenstationen – exportiert. „Ich setze darauf, dass deutsche Landwirte ihren Tieren unnötiges Leid ersparen möchten. Wirtschaftliche Gründe dürfen sie nicht dazu zwingen, ihre Tiere in ein ungewisses Schicksal zu schicken“, sagt Schröder und betont, dass es um System- und Strukturfragen geht, die dringend angegangen werden müssen. Langfristig müssen aus Sicht der Tierschützer die Rückkehr zu Zweinutzungsrassen und regionalen Strukturen bzw. der Transport von Fleisch anstelle lebender Tiere die Lösung sein.

Mehr Informationen zum Hintergrund finden Sie online unter: www.tierschutzbund.de/kampagne-tiertransporte

Verdeckt gedrehte Bilder dokumentieren die extremen Qualen, die Rinder beim Export in Drittländer erleiden müssen. Foto: Animals International/Deutscher Tierschutzbund e. V.Verdeckt gedrehte Bilder dokumentieren die extremen Qualen, die Rinder beim Export in Drittländer erleiden müssen. Foto: Animals International/Deutscher Tierschutzbund e. V.