Tag der Milch: Höchste Zeit, um Zusammenhänge zu verstehen und Konsequenzen zu ziehen

Vor der Kamera stirb dieser Bulle auf einem Transport: Foto: Animal Welfare FoundationVor der Kamera stirb dieser Bulle auf einem Transport: Foto: Animal Welfare Foundation1. Juni 2018

Was hat Milchkonsum mit unfassbar quälenden Langstreckentransporten von Rindern zu tun? In der ARD-Mediathek kann man es sich anschauen. Der jüngste TV-Beitrag über Tiertransporte ins Ausland in der Sendung Kontraste, zeigt, wie der Export von angeblichen Zucht-Rindern weitergeht und wie furchtbar die Tiere dabei leiden.

Bei der Recherche hat das ARD-Magazin 62 trächtige Jungrinder auf einem Transport von Bayern über 6.500 Kilometer bis nach Tadschikistan begleitet. Neun Tage sind die Tiere auf engstem Raum, bei brütender Hitze zusammengepfercht auf einen LKW – es ist eine lange, qualvolle Fahrt in den Tod. An der bulgarisch-türkischen Grenze dokumentierte vergangenes Jahr die Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation die untragbaren Zustände – auch diese Bilder sind zu sehen; sie zeigen, wie die Rinder fast verdursten und enormen Stress leiden.

Teilweise werden die Tiere als Zuchtrinder deklariert, um eine Exportgenehmigung zu erhalten. Zuchtrinder sind in Drittländern unter anderem notwendig, um den Aufbau einer nationalen Milchproduktion zu unterstützen – wobei wieder Millionen von Milchkühen ausgebeutet würden. Dies ist also die andere, ganz dunkle Seite der Milchindustrie.

Auch Shakes kann man wunderbar mit Pflanzenmilch zubereiten – gerade jetzt zur Erdbeerzeit.Auch Shakes kann man wunderbar mit Pflanzenmilch zubereiten – gerade jetzt zur Erdbeerzeit.Daher ruft der Hamburger Tierschutzverein anlässlich des heutigen Tags der Milch zur alternativen Milchverkostung auf. Denn auf Tiermilch zu verzichten, ist wirklich ganz einfach, da es mittlerweile viele köstliche gesunde Alternativen gibt. Nur eines fehlt dabei: Tierquälerei!

Jede pflanzliche Milch hat je nach Grundzutat einen anderen Geschmack – hier heißt es auszuprobieren, was einem selbst am besten schmeckt und sich für die gewünschte Verwendung am besten eignet: Ob Soja-, Hafer-, Kokosnuss-, Mandel-, Haselnuss-, Cashew-, Hanf-, Erdnuss-, Dinkel-, Lupinen- oder Reisdrink – die Auswahl steigt stetig und die Produkte sind mittlerweile nicht mehr nur im Bioladen, sondern auch in jedem Supermarkt sowie in Drogerien zu haben. Häufig gibt es kleine Packungsgrößen mit 250 oder 500 Milliliter, die sich hervorragend zum Testen eignen. Wem keine der Sorten zusagt, kann auf Kombiprodukte wie „Soja-Hafer“ oder „Amaranth-Reis“ zurückgreifen. Bei Hafermilch ist es auch gut möglich, Produkte aus biologischer und regionaler Herstellung zu erhalten.

Welche Sorte für welche Verwendung?
Unserer Erfahrung nach eignen sich im Kaffee vor allem „Soya light“ und „Soya ungesüßt“ von der Marke Alpro, sie flocken nicht aus und sind einfach lecker. Im Handel gibt es auch so genannte Barista-Sorten, die sich speziell zur Herstellung von Cappuccino & Co. eignen: „Hafer Barista-Edition“ von Oatly oder „Soya for Professionals“ von Alpro. Zum Backen ist Macadamiamilch eine köstliche Alternative, zum Kochen eignet sich beispielsweise Bio-Sojamilch von Provamel, da sie einen hohen Eiweißgehalt hat. Produkte aus Soja, Kokos oder Hafer lassen sich zudem gut als Sahneersatz verwenden. Im Frühstücksmüsli passen Soja-, Mandel- oder Haselnussmilch besonders gut. Mandelmilch lässt sich auch einfach selbst herstellen, wenn man einen noch intensiveren Geschmack erreichen und dabei ganz auf Zusatzstoffe verzichten möchte. Dafür gibt es im Internet eine Menge Rezepte. Wer auf der Suche nach einer leckeren Erfrischung ist (und nicht streng auf den Zuckergehalt achtet), kann die Drinks auch gekühlt in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen wie Schoko oder Vanille genießen.

Das tierleidfreie Angebot ist mittlerweile so vielfältig und abwechslungsreich. Bitte überlegen Sie, ob Pflanzenmilch nicht eine Alternative für Ihre Ernährung sein könnte. Eine Kuh gibt natürlich nicht von alleine Milch, wie alle Säugetiere muss sie dafür erst ein Kind bekommen. Die Mütterkühe sind in einem erbärmlichen Lebenskreislauf aus Zwangsbesamung, Entreißen der Kälbchen von der Mutter in der Regel unmittelbar nach der Geburt und wieder Zwangsbesamung gefangen. Die Milchleistung mergelt die Tiere bis aufs Letzte aus. Viel zu jung geht es auf entsetzlichen Transporten in den Tod.

Hintergrund: Zehn Prozent aller geschlachteten Milchkühe sind tragend
Um im Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt bestehen zu können, werden Milchkühe massiv ausgebeutet. Die Züchtung auf maximale Milchleistung bringt gesundheitliche Probleme mit sich: Die Tiere leiden unter Euterentzündungen, Stoffwechselstörungen und Klauenschäden. Die Lebenszeit ist mit durchschnittlich vier Jahren extrem verkürzt. Bei nachlassender Milchleistung werden die Kühe aus dem Bestand aussortiert und geschlachtet, wobei eventuelle Trächtigkeiten billigend in Kauf genommen werden. Werden die Mutterkühe geschlachtet, sterben die ungeborenen Kälbchen, im letzten Drittel der Trächtigkeit ersticken die lebensfähigen Kälbchen nach langem Todeskampf in der Gebärmutter. Die Spezialisierung auf das Zuchtmerkmal Milchleistung bringt außerdem mit sich, dass männliche Kälber von Hochleistungsrassen wirtschaftlich wertlos sind. Sie geben weder Milch, noch eignen sie sich als Mastrinder, weshalb sie noch als Tierkinder geschlachtet werden.

Der HTV hatte bereits mehrfach zum Thema berichtet: Erst wiesen wir auf die ZDF-Reportage „Geheimsache Tiertransporte“ von Manfred Karremann hin, dann berichteten wir über Reaktionen auf die Dokumentation und riefen auf, eine Petition zu unterzeichnen. Schließlich forderten der Deutsche Tierschutzbund und wir ein generelles Verbot von Lebendtiertransporten in Drittländer.

Zum TV-Beitrag: Tiertransporte ins Ausland - Gequält und eingepfercht mit amtlicher Genehmigung

Mehr Informationen: Die Würde der Kühe – Ein Bericht von Animals' Angels e.V.