Tierschutzbund und HTV fordern Exportstopp zum Tag gegen Tiertransporte

Schon junge Kälber erleiden bei den langen Transportzeiten extreme Qualen. Foto: Peta Deutschland e.V.Schon junge Kälber erleiden bei den langen Transportzeiten extreme Qualen. Foto: Peta Deutschland e.V.Pressemitteilung vom Deutschen Tierschutzbund
29. Juni 2018

Anlässlich des Tags gegen Tiertransporte (1. Juli) fordern der Hamburger Tierschutzverein (HTV) und der Deutsche Tierschutzbund erneut ein Ende der tierschutzwidrigen Tiertransporte aus der EU in Drittstaaten. Unser Dachverband hatte erst kürzlich bei einem Fachgespräch vor dem Landwirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages Stellung bezogen.

„Die grausamen Transporte sind durch nichts zu rechtfertigen. Der Deutsche Bundestag und Bundesministerin Julia Klöckner sind jetzt gefordert, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um das grenzenlose Tierleid auf den Transporten zu beenden“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Die Tierschutztransportverordnung ist schon auf dem Papier ungenügend. Wenn sie dazu größtenteils auch nicht umgesetzt und kontrolliert wird, muss die Konsequenz ein Stopp der Exporte lebender Tiere sein.“

Über vier Millionen Tiere werden jedes Jahr aus der EU in Drittländer exportiert. Oft sind sie tagelang unterwegs – bis nach Zentralasien und Nordafrika. Die transportierten Tiere leiden u.a. unter langen Wartezeiten an der Grenze, fehlenden Ruhepausen, hohen Temperaturen und engen Platzverhältnissen. Obwohl ein Urteil des Europäischen Gerichtshof besagt, dass Tierschutzbestimmungen bis zum Ziel einzuhalten sind, gelangen die Tiere mit Überqueren der EU-Außengrenze in einen quasi rechtsfreien Raum. Die deutschen Behörden haben weder Einfluss auf das weitere Schicksal der Tiere noch haben sie Informationen über deren Versorgung.

Neben den unwürdigen Transportbedingungen stellt auch die Schlachtung in den Drittstaaten ein schweres Tierschutzproblem dar: Bilder bei ZDF „37 Grad“ von Tieren, die beim Entladen geschlagen, deren Augen ausgestochen und Sehnen durchtrennt und die ohne Betäubung geschlachtet werden, hatten die Öffentlichkeit schockiert. „Es erfüllt mich mit so unendlicher Trauer und schmerzender Wut, dass so friedliche und wunderbare Tiere wie Rinder und Schafe, die sich selbst auf die friedvollste Art ernähren, nämlich ausschließlich pflanzlich, solchen apokalyptischen Qualen, die jeder Beschreibung trotzen, ausgesetzt werden. Bitte lassen Sie uns alle den geschundenen Kreaturen zur Seite stehen“, appelliert Sandra Gulla, 1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins.

Auch Zuchttiere sind betroffen
Neben Schlachttieren aus der EU sind auch Zuchttiere von den Missständen betroffen. So wurden in den letzten Jahren hunderttausende tragende Rinder – zum Großteil aus Deutschland  bevorzugt in die Türkei und nordafrikanische Länder verkauft. Der TV-Beitrag über Tiertransporte ins Ausland in der Sendung Kontraste, dokumentiert den Export von angeblichen Zucht-Rindern und zeigt, wie furchtbar die Tiere dabei leiden. „Gerade der Transport von Zuchttieren wird oft schön geredet, dabei leiden sie unter denselben Bedingungen“ sagt Frigga Wirths, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Die Tiere werden offiziell zum Aufbau einer Milchwirtschaft importiert. In Wirklichkeit gibt es jedoch keine tragfähige Milchproduktion in den betroffenen Ländern. „Auch die „Zuchttiere“ landen oft nach kurzer Zeit beim Schlachter – weil sie als Hochleistungstiere aufgrund der klimatischen Bedingungen extrem viel Wasser benötigen, nicht entsprechend ihrer Bedürfnisse ernährt werden können und die Milchleistung somit gering ist“, so Wirths.

Der HTV hat bereits mehrfach zum Thema berichtet: Erst wiesen wir auf die ZDF-Reportage „Geheimsache Tiertransporte“ von Manfred Karremann hin, dann berichteten wir über Reaktionen auf die Dokumentation und riefen auf, eine Petition zu unterzeichnen. Schließlich fordern der Deutsche Tierschutzbund und wir ein generelles Verbot von Lebendtiertransporten in Drittländer.