Zeugin entdeckt verschwundene Deichschafe aus Moorwerder

Etwa 500 Schafe wurden auf neuen Fläche wiedergefunden. Unter den Tieren befinden sich mehrere lahmende. Foto: HTVEin Großteil der in der Nacht zu Dienstag vom Moorwerder Hauptdeich verschwundenen Schafe konnte dank einer engagierten Anwohnerin gefunden werden. Die Herde wurde, wahrscheinlich um sie der öffentlichen Beobachtung zu entziehen, auf ein Stück Land verbracht, das zuvor nicht als Beweidungsfläche diente und für Passant*innen völlig unzugänglich ist.

Unsere Tierschutzberatung war gestern selbst vor Ort, um sich von der Anwohnerin die Tiere zeigen zu lassen. Darunter waren auch dieses Mal wieder deutlich lahmende Schafe, die nicht, wie vom Bezirksamt Mitte vorgeschrieben, zur Behandlung separiert und im Stall untergebracht wurden, sondern in einer Herde von schätzungsweise 500 Tieren völlig untergingen. Kleinere Herdenteile stehen nun auf neuen Flächen.
 
Der Hamburger Tierschutzverein sucht aktuell noch nach Helfer*innen, die uns bei der Dokumentation des Abtransportes der Schafe mit professioneller Kameraausstattung unterstützen können. Interessierte melden sich bitte direkt bei der Tierschutzberatung via Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Während wir versuchen werden die Verladung der Tiere zu dokumentieren und auf eine tierschutzgerechte Vorgehensweise hinzuwirken, sind auch unsere Tierschutzkolleg*innen des Landestierschutzverbandes Nordrhein-Westfalen informiert und es stehen Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes bereit, um die Versorgung und Unterbringung der Moorwerder Deichschafe am Heimatort des Schäfers unmittelbar in Augenschein zu nehmen.

Unsere Forderungen bleiben bestehen:

- Die zuständigen Behörden müssen dem Schäfer umgehend die Tiere entziehen und diese in sachkundige und verantwortliche Haltung übergeben.

- Herr Hillemeier darf nie wieder von der Freien und Hansestadt Hamburg als Deichschäfer beauftragt werden.

- Die ermittelten Verstöße müssen seitens des Bezirksamts Mitte weiterverfolgt und auch einer strafrechtlichen Verfolgung zugeführt werden. Laut Auskunft des Bezirksamts Mitte vom 16.09.2019 ist dies geschehen.

- Alle Erkenntnisse müssen an das Veterinäramt in Nordrhein-Westfalen, welches für weitere Tierhaltungen von Herrn Hillemeier zuständig ist, weitergeleitet werden.

- Die Rahmenbedingungen der Deichschäferei müssen einer grundsätzlichen Überprüfung unterzogen werden. Hierbei muss Berücksichtigung finden, dass zur Deichpflege lebende, fühlende Tiere eingesetzt werden, deren Bedürfnisse mindestens die Beachtung erhalten müssen wie die Pflege der Grasnarbe.

- Die Verträge mit Deichschäfereien sind jedenfalls dahingehend zu überarbeiten, dass auch das Tierwohl im Fokus ist und Verstößen gegen das Tierwohl und den Tierschutz effizient und unmittelbar begegnet werden kann.

- Die Auswahl der Deichschäfer*innen muss auf Sachkunde und Verlässlichkeit basieren.

- Die Haltungsbedingungen sind sofort nach Vertragsbeginn und regelmäßig engmaschig zu überprüfen.