Blinder Ferdinand - wie seine Geschichte wirklich war

Ferdinand (links) genießt sein neues Glück.Ferdinand (links) genießt sein neues Glück.Als unsere Mitarbeiterin den blinden Mischlingsrüden Ferdinand im November als vermeintliches Findelkind in einem Waldstück fand und zu uns ins Tierheim brachte, waren wir betroffen. Einen blinden, alten Hund im Wald auszusetzen, der sich noch dazu in einem schlechten Pflegezustand befindet, stellt eine Straftat gemäß § 17 Tierschutzgesetz dar, weshalb der Hamburger Tierschutzverein Anzeige gegen Unbekannt stellte. Doch dann ergab unsere Recherchearbeit: Der Fundhergang war frei erfunden und eine Aussetzung hat es gar nicht gegeben. Die Geschichte hatte sich die Mitarbeiterin nur ausgedacht. Das Vortäuschen der vermeintlichen Straftat blieb natürlich nicht ohne Folgen.

Diverse Medien berichteten über das Schicksal des Mischlingsrüden. So war Ferdinand live im Hamburg 1 Frühcafé, in der Hamburger Morgenpost und in den Lübecker Nachrichten. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bekommen wir nun verschiedene Presseanfragen, die auf teilweise falschen Informationen basieren. Daher stellen wir Ferdinands Odyssee noch einmal ausführlich dar:

Am 10. November 2019 nahmen wir Ferdinand als Fundtier bei uns auf. Eine Mitarbeiterin gab uns gegenüber an, ihn in einem Wald im Salemer Moor nahe Ratzeburg gefunden zu haben. Der blinde Hund war in einem ungepflegten und kranken Zustand, welcher uns natürlich empörte, aber leider zu unserem Tierheimalltag dazu gehört. Daher hatten wir auch keinerlei Veranlassung, den Aussagen der Mitarbeiterin, die selbst in der Tierpflege tätig ist, zu misstrauen.

Da sich niemand bei uns meldete, der Ferdinand vermisste, und unsere Recherchen auch keinen Hinweis auf seine Herkunft lieferten, wendeten wir uns mit einem Fahndungsaufruf am 04. Dezember 2019 an die Presse und veröffentlichten diesen auch auf unserer Website. Dafür setzte der Hamburger Tierschutzverein für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, eine Belohnung in Höhe von zunächst 500 Euro aus. Weitere 500 Euro wurden von einer privaten Tierfreundin beigesteuert und die Belohnung auf 1000 Euro erhöht. Die Spende durfte alternativ für Ferdinands medizinische Behandlung verwendet werden.
Gleichzeitig stellten wir Anzeige gegen Unbekannt wegen Tieraussetzung in einem besonders schlimmen Fall. Dazu befragten wir unsere Mitarbeiterin erneut zum Fundhergang, den sie uns für die Erstellung des Fahndungsaufrufes und der Anzeige detailliert schilderte und damit ihre bisherigen Angaben bestätigte.

In der Folgezeit stellten wir Ferdinand mehrfach auf unserer Facebookseite vor und erneuerten den Fahndungsaufruf am 31. Dezember 2019, nachdem uns immer noch keine Hinweise auf seine Herkunft erreicht hatten.

Die Mitarbeiterin, die Ferdinand angeblich fand, suchte trotz dieser Brisanz zu keiner Zeit das Gespräch mit uns zur Richtigstellung des Sachverhaltes. Im Gegenteil: Die Tierpflegerin wiederholte ihre Aussagen zum vermeintlich ausgesetzten Ferdinand immer wieder.

Im Januar veröffentlichte der Sender VOX einen Trailer zur Sendung „Harte Hunde“ mit Ralf Seeger. Darin war dann der markante Ferdinand zu sehen, der von mehreren Personen als der Hund identifiziert wurde, der bei uns als Findelkind aufgenommen worden war. Kurz vor der Ausstrahlung der Sendung am 18. Januar 2020 erreichten uns diese Hinweise, sodass wir uns umgehend mit der Produktionsfirma der Sendung in Verbindung setzten.

Ein guter und vertrauensvoller Austausch zwischen unserer Tierheimleitung Susanne David und Ralf Seeger von den „Harten Hunden“ brachte dann die wahre Geschichte zu Ferdinands Herkunft ans Tageslicht: Ferdinand wurde nicht ausgesetzt, die Geschichte wurde von der Mitarbeiterin erfunden. Sie selbst war bei der ursprünglichen Rettungsaktion der „Harten Hunde“ dabei. Kannte Ferdinand also schon seit Monaten. Mittlerweile hat sie dies auch vor der Belegschaft eingeräumt.

Das Verhalten stellt nicht nur einen Betrug gegen den Arbeitgeber und die eigenen Kolleg*innen dar. Auch die Öffentlichkeit wurde durch die Mitarbeiterin getäuscht. Dabei bestand nicht einmal Not für eine Verzweiflungstat: Wir hätten Ferdinand jederzeit bei uns in Obhut genommen. Daran konnte auch die Mitarbeiterin nicht zweifeln.

Das Verhalten hat daher arbeitsrechtliche Konsequenzen für die Mitarbeiterin, das Arbeitsverhältnis wurde selbstverständlich aufgelöst. Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses musste unter Berücksichtigung ihrer Funktion als Betriebsratsvorsitzende geschehen.

Die Strafanzeige wegen Tieraussetzung haben wir zurückgezogen, da eine Aussetzung nie stattgefunden hat. Der Ermittlungsbehörde mussten wir natürlich alle Hintergründe wahrheitsgemäß mitteilen.

Das Allerwichtigste ist aber: Ferdinand lebt mittlerweile sorgenfrei und geliebt in einer Familie in der Nähe von Lübeck.

Ziege (links) gehört nun zur Familie von Ferdinand.Ziege (links) gehört nun zur Familie von Ferdinand.Kaum zu glauben, was für einer Betrugsgeschichte Ferdinand zum Opfer fiel.Kaum zu glauben, was für einer Betrugsgeschichte Ferdinand zum Opfer fiel.