HTV zu Vorfällen auf dem Lebenshof Mühlenbach

Laut Veterinäramt leben 60 Schafe auf dem Lebenshof am Mühlenbach - zu viele.Laut Veterinäramt leben 60 Schafe auf dem Lebenshof am Mühlenbach - zu viele.Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. (HTV) äußert sich zu den jüngsten Berichten um den Lebenshof am Mühlenbach und dessen Betreiber Günter Garbers. Dem HTV liegen neue Erkenntnisse zu den Kadaver-Funden auf dem Lebenshof vor.

Kadaver-Funde auf dem Lebenshof Mühlenbach

Ende Februar 2021 wurden Tierkadaver auf dem Grundstück des durch Günter Garbers betriebenen Lebenshofes am Mühlenbach in Seevetal gefunden. Zwei HTV-Tierschutzberaterinnen hatten sich nach Hinweisen selbst vor Ort von der Richtigkeit der Angaben überzeugt. Von einem öffentlichen Weg sowie einem Nachbarfeld aus sahen sie Knochen, Schädel und einen oberflächlich freigelegten Schafskadaver - ein Verstoß gegen das Tierseuchengesetz. Weitere sechs Kadaver wurden laut Landkreis Harburg anschließend auf dem Grundstück gefunden. Günter Garbers bestreitet weiter öffentlich, mit der Entsorgung der Kadaver etwas zu tun zu haben. Er wirft Tierschützer*innen vor, diese dort absichtlich platziert zu haben und er habe Anzeige erstattet, sagte er in einem Facebook-Video. Einige der Tiere wiesen Ohrmarken des Lebenshofes auf, waren jedoch so stark verwest, dass die Todesursache nicht mehr festgestellt werden konnte. 

Dem HTV liegt nun ein Schreiben vor, das belegt: Bereits im Januar 2020 wurde das zuständige Veterinäramt auf Kadaver-Funde auf dem Lebenshof Mühlenbach aufmerksam gemacht. Die Zustände sind demnach schon länger behördlich bekannt.

Tierschutzverstöße auf dem Lebenshof Mühlenbach

Günter Gabers ist dem HTV bekannt. Seit über einem Jahr bietet der HTV ihm Hilfe bei seinen Tieren an, mit deren Pflege und Versorgung er sichtlich überfordert ist. Immer wieder wurden Gespräche gesucht. Die angebotene Hilfe lehnte Günter Garbers bislang leider weitestgehend ab. Drei Ziegen und zwei Schafe hat der HTV im Frühjahr 2020 von Günter Garbers übernehmen können. ​Als es um die Übernahme der Ochsen ging, brach der Kontakt mit Günter Garbers dann nach kurzer Zeit ab. 

Seit Februar 2020 erhält die HTV-Tierschutzberatung teilweise mehrmals pro Woche Hinweise auf Tierschutzverstöße auf dem Lebenshof Mühlenbach. Zahlreiche Bilder und detaillierte Schilderungen zum Zustand der Tiere und des Hofes wurden das ganze vergangene Jahr über immer wieder an das zuständige Veterinäramt im Landkreis Harburg weitergegeben. Regelmäßiges Nachfragen seitens des HTV bei der Behörde gipfelte im Dezember 2020 in einem offiziellen Schreiben des HTV-Vorstands und der tierärztlichen Leitung des HTV an das Veterinäramt mit der Bitte um Stellungnahme. Eine Antwort blieb bis heute aus. 

Auf dem Hof befinden sich laut Veterinäramt derzeit insgesamt 60 Schafe, drei Ochsen und ein Schwein. Die Ochsen kamen vor mehreren Jahren als Jungbullen in die Obhut von Günter Garbers, weshalb sich ihr abgemagerter Zustand nicht durch eine Rettung mit voriger Vernachlässigung erklären lässt. In einem aktuellen ZEIT-Artikel äußert sich der Lebenshof-Betreiber dazu, die Redakteurin schreibt: “Neben den Schafen im Stall stehen drei Ochsen. Unter ihrem Fell zeichnen sich die Rippen ab. Tierschützer sagen, die Rinder sähen 'katastrophal' aus und seien auf dem Hof stark abgemagert. Das Veterinäramt hält den Zustand der Tiere für 'grenzwertig'. Garbers sagt, die Leute seien Bilder von fetten Rindern aus Mastbetrieben gewohnt und hätten daher falsche Vorstellungen.” 
Auch die tierschutzwidrige Einzelhaltung des Schweins ist der Behörde seit Langem bekannt. Aus dem ZEIT-Artikel geht hervor, dass in den vergangenen sechs Monaten auf dem Lebenshof durch Amtsveterinär*innen 78 Tierschutzverstöße festgestellt worden sind. Im Artikel sprechen zwei ehemalige Helferinnen des Lebenshofes über die dortigen Zustände.

Der HTV bietet weiterhin seine Hilfe an

Thorsten Völker, Leiter des zuständigen Veterinäramtes im Landkreis Harburg, erläutert gegenüber der ZEIT: „Die Tiere hatten oft kein Futter und kein frisches Wasser.“ Und weiter: „Es hieß dann immer wieder, sie hätten zufällig gerade gefressen oder bekämen gleich was.“ Daraufhin habe seine Behörde die Auflage erteilt, die Futterraufen stets mit Heu zu befüllen. Es gab auch schon Bußgeldbescheide. Das hilft den Tieren bislang wenig. Das Amt habe sich laut Artikel "bewusst" für „einzelfallbezogene Anordnungen“ entschieden, auch wegen Garbers’ „begrenzter Ressourcen“. Eine Fortnahme der Tiere stand bis jetzt nicht im Raum. Thorsten Völker zu ZEIT: „Das Tierschutzgesetz schreibt Mindeststandards für Futter und Haltung vor. Solange die erfüllt sind, können wir nicht einfach Tiere fortnehmen oder ein Tierhalteverbot aussprechen.“ Die Unterkünfte von 60 Schafen, drei Rindern und einem Schwein seien laut ZEIT bis auf eine „nicht optimal“, aber trotzdem noch nicht tierschutzwidrig. 

Günter Garbers soll nun 3000 Euro Verwaltungsgebühren für die Kontrollen zahlen. Er hat Klage eingereicht, die Behörde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet und entschieden, den Tierbestand auf dem Hof "erheblich reduzieren" zu wollen, heißt es im ZEIT-Artikel. Nach Kenntnis des HTV soll weniger als die Hälfte der 63 Tiere woanders untergebracht werden - das ist ein Anfang, aber für die aktuelle Situation keine Lösung.

Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. bietet Günter Garbers und dem Lebenshof Mühlenbach weiterhin seine Hilfe an, Tiere zu übernehmen oder sie bei vertrauensvollen Lebenshof-Partnern dauerhaft unterzubringen. Es geht dem HTV nicht darum, jemandem zu schaden, sondern eine gute Lösung für die Tiere zu finden und dabei Unterstützung zu geben.