Affenquälerei in Tübingen: Kein Prozess gegen Experimentatoren

Das Kampagnen-Plakat des Deutschen Tierschutzbundes gegen Tierversuche.20. Dezember 2018

Laut Medienberichten wurde das Gerichtsverfahren gegen Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts (MPI) für biologische Kybernetik in Tübingen vorläufig eingestellt. Diesen sollte wegen Misshandlung von in Tierversuchen eingesetzten Affen Anfang Januar der Prozess gemacht werden. Dazu kommentieren der Deutsche Tierschutzbund e.V., unserem Dachverband, und der Deutsche Tierschutzbund Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V.:

„Diese kurzfristig bekannt gewordene Entscheidung ist eine Bankrotterklärung für die Umsetzung von geltendem Tierschutzrecht in unserem Land. Wie kann es sein, dass die Staatsanwaltschaft Tübingen nach langwierigen Ermittlungen zu dem Ergebnis kommt, dass bei den Affenversuchen am MPI Misshandlungen vorlagen und jetzt plötzlich ein einziges Gutachten der Verteidigung ausreicht, um das Ermittlungsergebnis wieder zu kippen? Und das trotz erdrückender Beweislast und der offensichtlichen Qualen, die die Tiere erleiden mussten. Dass Wissenschaftler ungestraft davon kommen, wenn sie in ihren Tierversuchen Tiere misshandeln, ist vollkommen unverständlich und absolut inakzeptabel. Wir verlangen, dass das Gutachten, das zum Kippen der Verhandlung geführt wird, öffentlich gemacht wird.“

Empört zeigt sich der Deutsche Tierschutzbund auch darüber, dass die Max-Planck-Gesellschaft die plötzliche Einstellung des Verfahrens unmittelbar zum Anlass nimmt, um darüber zu entscheiden, ob dem verantwortlichen Professor Nikos Logothetis die Erlaubnis zur Durchführung von Tierversuchen wieder zurückgegeben wird. Dazu die Verbände:

„Wer Tierversuche durchführt, muss sich der Verantwortung gegenüber den Tieren bewusst sein, unnötiges Leid verhindern und sich strengstens an die gesetzlichen Vorgaben halten. Wer dies nicht berücksichtigt, gehört zur Rechenschaft gezogen. Von einer so renommierten Forschungseinrichtung wie dem MPI erwarten wir, dass das nötige Verantwortungsgefühl eine Selbstverständlichkeit ist.“

Zum Hintergrund:
Der Deutsche Tierschutzbund e.V. und der Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V. hatten 2014 nach Bekanntwerden der Missstände Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen Strafanzeige erstattet. Drei Wissenschaftlern des Instituts wird vorgeworfen, drei Affen zu spät eingeschläfert und dadurch den Tieren länger andauernde Leiden zugefügt zu haben.

Die tierschutzwidrigen Praktiken und Zustände wurden im Rahmen einer Undercover-Recherche aufgedeckt und in der Sendereihe „stern TV“ ausgestrahlt. Die Bilder zeigten Affen, die sich aufgrund der Auswirkungen eines Eingriffs am Gehirn andauernd übergaben. Tiere, die mit Gewalt aus ihrem Käfig gezerrt wurden. Andere, die sich panisch in den sogenannten Affenstühlen, in denen sie später für die Versuche am Kopf fixiert werden, immer wieder im Kreis drehten. Auch zu sehen waren Affen, deren Operationswunden sich entzündet hatten und die sich selbst die frischen OP-Nähte aufrissen. Andere, offenbar durstige Tiere leckten nach der Reinigung der Käfige an den Gitterstäben nach Wassertropfen.

Mehr Informationen über die Affenversuche in Tübingen gibt es hier.

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Demonstration: Gerechtigkeit für Stella!

  • Am 12. Januar wird in Tübingen gegen die Affenversuche demonstriert.
  • 14-17.30 Uhr, Am Markt 1.
  • Organisator: Soko Tierschutz.