Das Leid von Tieren ist nicht von öffentlichem Interesse? Gerade erst wurde wieder einmal die Verfolgung einer Straftat im Bezug auf Tiere abgelehnt, da laut der Hamburger Staatsanwaltschaft eben so ein Interesse an einer Verfolgung in der Gesellschaft nicht bestünde.

Wir sind im Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. jeden Tag mit ganz unterschiedlichem Tierleid konfrontiert: Misshandlungen, Aussetzungen oder sogar Tötungen gehören leider zum Alltag. Dass die Strafverfolgung in vielen Fällen müßig und das Tierschutzgesetz zu schwach ist, ist keine Neuheit. Um dennoch eine Art Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Chance auf ein besseres Leben für die tierischen Seelen zu erwirken, setzen sich unsere Tierschutzberaterinnen Marla Maus, Nicole Hartmann und Larissa Petruschat jeden Tag für sie ein. Doch was, wenn alle nötigen Beweise vorliegen, keine Zweifel vorhanden sind und sich die Staatsanwaltschaft dennoch weigert, dem Fall nachzugehen?

Ein abgegebener Käfig mit drei Wellensittichen. Der Mann, der die hübschen Exoten zu uns bringt, behauptet, diese samt Käfig gefunden zu haben. Was zunächst nur merkwürdig erscheint, wird schnell unglaubwürdig und letztendlich als Lüge enttarnt. Eine Frau meldet sich bei unserer Tierschutzberatung und berichtet, dass die gleichen Vögel bereits Tage zuvor versucht wurden, auf einer Internetplattform zu verkaufen. Mithilfe von gesicherten Chatverläufen im Vergleich mit unserem ausgefüllten Fundtierbogen wird klar, dass die Daten Stimmen: Der Mann, der sich als Finder ausgegeben hat, ist eigentlich der Halter der Tiere. „Das ist kein Einzelfall“, so Maus. „Normalerweise erheben Tierschutzvereine eine, wenn auch geringe, Abgabegebühr und stellen entstehende Behandlungskosten in Rechnung, wenn ein Tier durch seine Halter abgegeben wird. Durch die Behauptung, er hätte die Vögel gefunden, ist er diesen Gebühren entgangen“, ergänzt die Tierschutzberaterin.

Durch die Behandlung, Versorgung und längere Unterbringung durch die Sperrfrist bei Fundtieren, häuften sich die Kosten bei uns im Tierheim auf über 800 Euro. Gezahlt wurde nicht einmal die Abgabegebühr von 30 Euro. Ein klarer Fall von Betrug. Die Strafanzeige nach §263 Abs. 1 StGB wurde gestellt und mit einer ernüchternden Antwort gestraft:

 „[…] in dem Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten XXX wird mit Zustimmung des Gerichts gemäß §153 Abs.1 der Strafprozessordnung von der Verfolgung abgesehen, da die Schuld als gering anzusehen wäre und ein öffentliches Interesse an der Verfolgung nicht besteht.“

Antwortschreiben der Staatsanwaltschaft vom 28.08.2023

 

Ein „Fundbetrug“, wie wir es nennen, hat nicht nur finanzielle Folgen. Für die Tiere kann es im Zweifel auch über Leben und Tot entscheiden, da uns womöglich wichtige Angaben fehlen. „Fundtiere müssen erst fünf Tage warten, bis sie eine Vermittlungsfreigabe erhalten und eine neue Familie finden können – sechs Monate ab Aufnahmedatum nur unter Vorbehalt, da rechtmäßige Besitzer ihr Tier selbst mit wenig überzeugenden Ausreden zurückverlangen können. Uns fehlen auch gesicherte Angaben über Alter, Charakter, Gesundheitszustand, letzte Tierarztbesuche etc. – und damit unter Umständen auch entscheidende Faktoren für eine schnelle und optimale Neuvermittlung“, so Maus. Ebenfalls ergibt sich eine moralische Komponente. „Da die Vermittlung der Tiere durch solch ein Vorgehen enorm erschwert wird, verstärken sich auch der Stress und ihr Leid sehr“, schließt die Tierschutzberaterin.

Wieso kann es also sein, dass die Hamburger Staatsanwaltschaft ein Verfolgen des Vorfalls als unnötig einstuft? Hat das Leid eines einzelnen Tieres in dieser Stadt keinen Wert? Haben Wellensittiche und andere Tiere keinen Rückhalt verdient? Tiere sind Schutzbefohlene und wir sind es ihnen schuldig, Verbrechen an ihnen aufzuklären, zu ahnden und Nachahmungen zu vereiteln.

„[…] da die Schuld als gering anzusehen wäre und ein öffentliches Interesse an der Verfolgung nicht besteht […]“

 Aus dem Antwortschreiben der Staatsanwaltschaft vom 28.08.2023

Wir finden, jedes Tier hat es verdient, dass sich jemand für es einsetzt. Wir finden es unzumutbar und falsch, den tierliebenden Menschen Hamburgs ein Desinteresse anzudichten. Letztendlich sollte sogar die Freie und Hansestadt Hamburg selbst das größte Interesse an einer Verfolgung haben, da unsere Grundversorgung von Fundtieren von der Stadt und somit den Steuerzahlenden finanziert wird – obgleich nicht kostendeckend.

Zeigen wir gemeinsam der Stadt Hamburg, dass die Verfolgung von Tierleid ein öffentliches Interesse ist!

Empören wir uns zusammen für die, die es nicht selbst können!

Machen wir uns stark und teilen der Staatsanwaltschaft Hamburg mit, was wir von ihrer Stellungnahme halten und animieren wir möglichst viele Menschen in unserem Umfeld und in den Sozialen Medien, es uns gleichzutun.

Im Namen der Schwachen und Ungehörten danken wir allen von Herzen für die Unterstützung!