Eindrücke von der Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises 2018

HTV-Mitglied Martina Born, rechts, nahm den Tierschutzpreis entgegen. Foto: Deutscher TierschutzbundHTV-Mitglied Martina Born, rechts, nahm den Tierschutzpreis entgegen. Foto: Deutscher Tierschutzbund15. Oktober 2018

Mit dem Deutschen Tierschutzpreis hat der Deutsche Tierschutzbund in der Sonderkategorie Taubenschutz das Kooperationsprojekt des Hamburger Tierschutzvereins mit dem Hamburger Stadttauben e. V. geehrt. HTV-Mitglied Martina Born nahm den Preis entgegen und schildert im Folgenden ihre Eindrücke.

Bei einer solchen Veranstaltung war ich noch nie gewesen und so fuhr ich mit ziemlicher Spannung nach Berlin. Schon die Unterbringung im Hotel war ein Volltreffer. Dieses besondere Hotel ist auf jeder Etage mit Motiven aus einem Märchen dekoriert. Ich wohnte auf der Etage, die nach „Hans im Glück“ gestaltet war. Mit diesem naiven Menschen, der sich umso mehr freut, je mehr er an materiellem Ballast verliert, konnte ich mich gut identifizieren.

Ich hatte meine blinde Taube Gloria mit und am Empfang vorbeigeschmuggelt. Ich brachte sie im Badezimmer unter. Gloria muss täglich zweimal gefüttert werden und ich hatte keinen Taubensitter für sie gefunden. Ursprünglich habe ich Gloria aus der Jungtierstation im Tierheim übernommen. Sie ist schon drei Jahre alt.

Ein kleiner abendlicher Spaziergang über den Landwehrkanal führte mich am frühen Abend zum Ort der Veranstaltung. Die Luft war mild und der Himmel blau-rosa gesprenkelt. Das Foyer im Meistersaal war brechend voll. Überall drängelten sich Menschen und mehrere Presseleute waren dabei Fotos aufzunehmen. Gut, dass ich mich nicht allein zurechtfinden musste, sondern gleich von einer netten Veranstalterin den beiden Damen des Stadttauben Saarbrücken e.V. vorgestellt wurde. Mitten im Gedränge im Flur stehend fanden wir natürlich sofort unser Thema: Tauben. Wir hatten gleich einen Draht zueinander und zeigten uns gegenseitig unsere Lieblingstauben auf dem Handy. Auch die Saarbrückerinnen haben Schwierigkeiten, genügend Leute für die Pflege von Taubenschlägen zu gewinnen und Spenden für die Vereinsarbeit einzuwerben.
Dann gingen wir zusammen in den Meistersaal, der bis zum letzten Platz gefüllt war. Viele Mitglieder des Deutschen Tierschutzbundes aus Berlin wollten sich das Ereignis nicht entgehen lassen. Die ersten beiden Ansprachen wurden von dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, und Landwirtschaftsministerin Julia Glöckner gehalten. Besonders freute mich die faire und sachliche Auseinandersetzung der beiden miteinander. Trotz der kontroversen Stellungnahmen gelang es Ihnen, auf konstruktive Weise aufeinander Bezug zu nehmen und ihre jeweiligen Standpunkte zu vertreten. Viele ernste Tierschutzthemen wurden angesprochen. Ein Schwerpunkt war die Verteilung der Gelder im Bundeshaushalt und wie wenig dabei im Vergleich zu anderen Posten für den Tierschutz ausgegeben wird.

Sehr interessant für uns war die Vorstellung der anderen Gewinner. Dass die Vertreter von Airliners4Animals ein Männer-Ehepaar sind und die Preisträgerin des ersten Preises eine überaus engagierte Sonderschullehrerin, freute mich besonders. Unter den Tieren waren es auch schon immer die Außenseiter, die mich besonders interessierten. Und ich selbst bin Sonderpädagogin. Nicht ohne Grund betreue ich für den Hamburger Stadttauben e.V. den Taubenschlag Casa Grimaud, der der Aufnahme behinderter und kränklicher Tauben gewidmet ist. Airliners4Animals wurde von Mitarbeitern einer großen Fluglinie gegründet, die Tierauffangstationen im Ausland aufbauen. Da sie beruflich viel im Ausland unterwegs sind, können sie ihre Stationen gut besuchen und auch durch praktische Arbeit unterstützen. Frau Lumpp, die für ihr Lebenswerk geehrt wurde, machte auf mich auch einen sehr starken Eindruck. Über ihre Auffangstation besonders für alte und kranke Hunde, die niemand mehr haben will, wurde ein kleiner Film gezeigt. Sie hat schon als junge Frau damit begonnen, sich um Hunde zu kümmern. Mittlerweile ist sie an die 80 Jahre alt und arbeitet rund um die Uhr mit nur einem Helfer, um ihre vielen Tiere zu versorgen. Die Station hat sie aus eigenen finanziellen Mitteln aufgebaut. „Ich weise niemals ein Tier ab“, sagte sie und rührte damit viele der Anwesenden. Insgeheim fragte ich mich aber, wie das möglich ist. Ich selbst bin in der Situation, dass ich immer wieder aus Mangel an Platz und Personal Tiere abweisen muss, was ich sehr schwer finde.
Bei der Laudatio standen einigen Gewinnern Tränen in den Augen und es gab sehr bewegende Momente. Wenn man ehrenamtlich viel Energie und Engagement für Wesen aufgebracht hat, die einem am Herzen liegen, und dafür von außen eine Anerkennung bekommt, ist das ein wunderbares Gefühl. Dies war das erklärte Ziel der Veranstalter und Juroren. Es ging ihnen nicht nur darum, gute Tierschutzprojekte zu fördern, sondern auch den Ehrenamtlichen, die sich dafür einsetzen, eine Freude und ein Geschenk zu machen. Der Tierschutzalltag ist ja nicht nur einfach und ein intensiv ausgeübtes Ehrenamt kann auch sehr viele persönliche Belastungen mit sich bringen.
Das Rahmenprogramm wurde von mehreren Auftritten von Stefanie Hertel begleitet, die sich intensiv mit dem Verhältnis von Menschen und Tieren in ihren selbst geschriebenen Liedern auseinandergesetzt hat. Am meisten hat mich aber der Auftritt der dänischen Sängerin Dorthe beeindruckt. Man merkte ihr an, dass es sie Kraft kostete aufzutreten. Aber trotz ihres hohen Alters gelang es ihr, den ganzen Saal zum Mitsingen und Mitklatschen zu bewegen und eine richtig ausgelassene Stimmung zu verbreiten.

Die Laudatio für den Sonderpreis hielt Nina Ruge. Sie zeigte dabei, dass sie sehr gut über die Probleme von Stadttauben recherchiert hatte. Ihre Ansprache war witzig und kompetent. Später sagte sie in einem persönlichen Gespräch, dass sie bei der Vorbereitung viel dazugelernt hat.
Meine Kollegin aus Saarbrücken sprach das Problem der Brieftauben an, als wir auf der Bühne standen. Ich konnte dazu eine kleine Geschichte von unserem Alfred beisteuern. Dieses lustige Tier, das ich wegen eines Beinfehlers von Hand aufgezogen hatte, sah als Küken wie eine Stadttaube erst. Er wuchs nur so ungewöhnlich schnell, sodass sogar unsere Ärztin erstaunt war. Später stellte sich heraus, dass er sowohl Zuchteinflüsse von einer Brieftaube als auch von einem sogenannten Kröpfer in sich vereinigte. Er hat einen Brieftaubenschnabel, ist sehr groß und sein Kropf hängt beim Balzen bis auf den Boden.

In diese Veranstaltung ist jede Menge Geld hineingeflossen und man könnte sagen: „Wäre es nicht besser, auf eine solche Feier zu verzichten und dieses Geld direkt den Tieren zukommen zu lassen?“ Ich meine nein. Dieser Abend war ein Geschenk für die Menschen, die in ihrem Alltag ungewöhnlich viel für Tiere und Menschen tun, ohne dafür eine materielle Gegenleistung zu verlangen. Dabei war ein Gedanke der Jury und Sponsoren, dass die Handvoll ausgewählter Preisträger stellvertretend für die große Menge an Ehrenamtlichen steht, die sich für die Tiere einsetzen. Wir durften uns einmal so richtig feiern und verwöhnen lassen. Das war ein toller Energieschub für die weitere Arbeit im Alltag. In meinem Fall ist das der tägliche Kampf mit dem Gefiederstaub im Taubenschlag, die Sorge um Kranke und Behinderte und die Trauer, wenn man von einem Tier Abschied nehmen muss, weil es nicht mehr zu retten ist.

Hier geht es zur Pressemitteilung zum Tierschutzpreis.