Lasst die Igel draußen und füttert sie dort!

Derartige Jungigel von 400 bzw. 560 g können noch getrost im Garten zugefüttert werden.Pressemitteilung vom 15. November 2018

Herbstzeit ist Igelzeit – und damit leider auch die Zeit der falsch verstandenen Tierliebe. Alljährlich werden 300 bis 450 Igel ins Tierheim Süderstraße des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) gebracht, hauptsächlich im letzten Jahresviertel. Viele Tiere waren nur scheinbar hilfebedürftig und konnten wieder in ihr Revier zurückgebracht oder rechtzeitig aufgepäppelt und dieses Jahr bereits wieder ausgewildert werden, allein in den vergangenen anderthalb Monaten mehr als 20. Derzeit befinden sich noch 35 Vertreter dieser geschützten Art in Obhut des HTV.

Nicht alle Igel bauchen Überwinterungshilfe – im Gegenteil: „Wurden die Igel vom Menschen den gesamten Winter versorgt und gepflegt, haben sie es im kommenden Frühjahr schwerer, sich in einem neuen und fremden Revier zurechtzufinden und sich gegen Artgenossen durchzusetzen“, sagt Diplom-Biologe Sven Fraaß. „Der Igel ist ein Wildtier und sollte nach Möglichkeit in der Natur bleiben!“
Die erwachsenen männlichen Igel ziehen sich zuerst in ihr Winterquartier zurück, je nach Witterung Anfang bis Ende Oktober. Zurzeit sind aber noch die Spätgeborenen auf Nahrungssuche, um sich eine ausreichend dicke Fettschicht für ihren Winterschlaf zuzulegen. Und diese Zeit können sich die stacheligen Gesellen aufgrund der für Mitte November noch milden Temperaturen auch nehmen.

Bevor man entscheidet, ob ein Igel Hilfe braucht, sollte man das Tier genau beobachten. Erst nach gewissenhafter Prüfung darf ein Igel in menschliche Obhut genommen werden. Auf jeden Fall sollte er einem fachkundigen Tierarzt vorgestellt werden. Auch im Tierheim Süderstraße wird jeder Neuankömmling tierärztlich untersucht und bei Bedarf fortlaufend behandelt. Nur in bestimmten Ausnahmesituationen ist die Aufnahme eines Igels nach dem Naturschutzgesetz gestattet:

Der Igel ist verletzt oder krank
Oft deuten schon Fundorte und -umstände wie Straßen oder Baustellen auf Verletzungen hin. Kranke Igel erkennt man daran, dass sie tagsüber herumliegen, mager sind (mit einer sogenannten Nackenfalte als Einbuchtung hinter dem Kopf) und sich apathisch verhalten. Starker Parasitenbefall mit Zecken und Flöhen sind ebenfalls Grund zur Sorge, Fliegeneier oder bereits geschlüpfte Maden machen eine sofortige Hilfe erforderlich.

Der Igel ist jung und verwaist
Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nests befinden, noch geschlossene Augen haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind mutterlose Säuglinge und benötigen dringend Hilfe. Zu beachten ist aber, dass ältere Jungigel auch tagsüber nach Nahrung suchen. Sie sind selbstständig lauffähig, haben die Augen geöffnet und ein vollständiges Fell- und Stachelkleid bereits entwickelt.

Der Igel läuft bei Dauerfrost oder Schnee herum
Auch solche Igel findet man hauptsächlich bei Tage. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln. Oft sind es auch Jungtiere, die zu spät geboren wurden, um sich ein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anzuessen. Dabei sind Gewichtsangaben von den Wetterprognosen und nicht ausschließlich vom Kalender abhängig zu machen. Je nach Zeitpunkt des Wintereinbruchs und der Zeitspanne dieser für Igel widrigen Umweltbedingungen ist ein Gewicht von mindestens 500 Gramm für die Überwinterung nötig.

In der Regel ist mit einer geschlossenen Schneedecke oder Dauerfrost erst ab Dezember zu rechnen. Wer also dieser Tage einen Igel draußen sieht, sollte ihn erst einmal beobachten und nicht gleich in menschliche Obhut nehmen. Da viele Gärten und Parks zu „aufgeräumt“ und damit arm an Insekten und ähnlicher Kost sind, ist die regelmäßige artgemäße Zufütterung bei Jungigeln die sinnvollste Maßnahme. Dabei ist unbedingt auf Milch und rohe Eier zu verzichten, stattdessen eignen sich Katzendosenfutter mit kleinen Portionen Igelmüsli aus Haferflocken oder Weizenkleie mit Insektenschrot und Wasser als Igel-Buffet, Avocados helfen bei der schnellen Gewichtszunahme.

Wer noch mehr für Igel tun möchte, hilft ihnen dort beim Überwintern, wo sie zu Hause sind – draußen in der Natur. Laub- oder Steinhaufen im Garten sind ideal: Igel verkriechen sich darin und verbringen den Winter unter der schützenden Laubschicht. Auch alte Baumstümpfe, Hecken oder Holzstapel sind geeignete Igelverstecke. Ein naturnaher Garten hilft den Tieren – die (maßvollen) Aufräumarbeiten können getrost bis zum nächsten Frühjahr warten.

Welcher Igel welche Form von Hilfe braucht, ist individuell zu entscheiden.Zu dieser Jahreszeit nur eine Handvoll groß und unter 200 g: Eine tierärztliche Untersuchung ist nötig.