Selten, aber heimisch: die Europäische Sumpfschildkröte

Kennzeichen der Europäischen Sumpfschildkröte: die gelben Tupfen an Kopf und GliedmaßenKennzeichen der Europäischen Sumpfschildkröte: die gelben Tupfen an Kopf und Gliedmaßen27. Juni 2014

Sie ist die einzige einheimische Schildkrötenart und galt als fast ausgestorben: die Europäische Sumpfschildkröte. Kürzlich gelangte eines dieser seltenen Exemplare ins Tierheim Süderstraße. Der Finder hatte sie in seinem Garten entdeckt und hielt sie für ein exotisches Tier. Tatsächlich gehört sie zu den seltensten Wildtieren unserer Heimat und hätte nicht ins Tierheim gemusst!

Deshalb haben wir dieses Exemplar nach einer tierärztlichen Eingangsuntersuchung schnellstmöglich wieder ausgewildert. Da es in Hamburg nur noch vereinzelte sehr kleine Populationen gibt und diesen eine genetische Verarmung droht, haben wir sie zur Blutauffrischung nicht am Fundort, sondern zu Artgenossen in die Dove Elbe gebracht.

Vor allem die Zerstörung der Lebensräume macht der Europäischen Sumpfschildkröte zu schaffen: Auenlandschaften sind durch die Begradigung von Flüssen und die Trockenlegung von Sümpfen und Feuchtgebieten hierzulande selten geworden. Eine weitere große Gefahr ist der Straßenverkehr. Denn um ihre Eiablageplätze zu erreichen, muss sie viel befahrene Straßen überqueren und wird leider oft überfahren.

Zu erkennen ist diese im Übrigen fleischfressende Art an ihrem nur leicht gewölbten, oval geformten Panzer mit vielen gelben Punkten. Auch die gelbe Tüpfelung am Kopf und an den Gliedmaßen ist deutlich sichtbar. Der Schwanz ist bei beiden Geschlechtern auffällig lang.

Wenn Sie eine Sumpfschildkröte sehen – egal ob im Grünstreifen, auf dem Acker oder am Fluss – nehmen Sie diese auf keinen Fall mit! Befindet sich ein Tier auf oder direkt an einer Straße, können Sie es nach kurzer Beobachtung auf die Seite setzen, die es ursprünglich erreichen wollte. Zum Artenschutz gehört auch, dass im Handel erworbene Schildkröten nie in der Natur ausgesetzt werden dürfen. Diese gezüchteten Sumpfschildkröten stammen meist aus Süd- oder Südosteuropa. Kommt es zu einer Vermischung mit heimischen Tieren, gehen wichtige „wilde Gene“ verloren. Dies gilt noch mehr für exotische Schildkröten (Gelbwangen- und Rotwangenschmuckschildkröten u. a.): Ausgesetzte Zierschildkröten verdrängen die heimischen Sumpfschildkröten aus ihrem Lebensraum, da sie viel größer und aggressiver sind und sich so an den Sonnen- und Nahrungsplätzen durchsetzen.