Winter steht bevor: Wann brauchen Igel Hilfe?

In Not oder doch nur auf Futtersuche? Wann ein Eingreifen nötig ist und wann nicht, erfahren Sie hier.In Not oder doch nur auf Futtersuche? Wann ein Eingreifen nötig ist und wann nicht, erfahren Sie hier.Pressemitteilung

Herbstzeit ist Igelzeit – und damit leider auch die Zeit der falsch verstandenen Tierliebe. Jedes Jahr nimmt das Tierheim Süderstraße des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) 300 bis 450 Igel auf, hauptsächlich im letzten Jahresviertel. Viele Tiere sind dabei jedoch gar nicht hilfebedürftig.

Nicht alle Igel bauchen Überwinterungshilfe – im Gegenteil: „Igel, die den ganzen Winter versorgt und gepflegt wurden, haben es im kommenden Frühjahr schwerer, sich in einem neuen und fremden Revier zurechtzufinden – und sich gegen Artgenossen durchzusetzen“, erläutert HTV-Pressesprecher und Diplom-Biologe Sven Fraaß. Er betont: „Der Igel ist ein Wildtier und sollte nach Möglichkeit in der Natur bleiben!“ Die erwachsenen männlichen Igel ziehen sich je nach Witterung Anfang bis Ende Oktober in ihr Winterquartier zurück. Zurzeit sind aber noch die Spätgeborenen auf Nahrungssuche, um sich eine ausreichend dicke Fettschicht für ihren Winterschlaf zuzulegen. Diese Zeit können sich die stacheligen Gesellen aufgrund der aktuell noch milden Temperaturen auch nehmen. Seit Jahresbeginn hat das Tierheim Süderstraße bereits 395 Igel aufgenommen. Derzeit befinden sich 64 Vertreter dieser geschützten Art in der Obhut des HTV (Stand 27. Oktober 2020), viele auch zu Unrecht.

Wann sollte man einen Igel in Obhut nehmen?

Erst nach genauer und gewissenhafter Beobachtung darf ein Igel in menschliche Obhut genommen werden. Auf jeden Fall sollte er dann tierärztlich angeschaut werden. Auch im Tierheim Süderstraße wird jeder Igel in der tierheimeigenen Praxis untersucht und bei Bedarf fortlaufend behandelt. Die Aufnahme dieser Tiere ist nach dem Naturschutzgesetz nur in bestimmten Ausnahmen gestattet:

1.    Der Igel ist verletzt oder krank

Oft deuten schon Fundorte und -umstände wie Straßen oder Baustellen auf Verletzungen hin. Kranke Igel erkennt man daran, dass sie tagsüber herumliegen, mager sind (mit einer sogenannten Nackenfalte / Einbuchtung am Hinterkopf) und sich apathisch verhalten. Starker Parasitenbefall mit Zecken und Flöhen ist ebenfalls Grund zur Sorge, Fliegeneier oder bereits geschlüpfte Maden ein Alarmsignal zur sofortigen Hilfe.

2.    Der Igel ist jung und verwaist

Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nests befinden, noch geschlossene Augen haben und sich womöglich kühl anfühlen, benötigen dringend Hilfe. Doch aufgepasst: Sie sollten nicht mit älteren Jungigeln verwechselt werden, die auch tagsüber nach Nahrung suchen. Diese sind selbstständig lauffähig, haben die Augen geöffnet und bereits ein vollständiges Fell- und Stachelkleid entwickelt.

3.    Der Igel läuft bei Dauerfrost oder Schnee herum

Auch solche Igel findet man hauptsächlich bei Tage. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln. Oft sind es auch Jungtiere, die zu spät geboren wurden, um sich ein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anzuessen. Dabei sind Gewichtsangaben von den Wetterprognosen und nicht ausschließlich vom Kalender abhängig zu machen. Je nach Zeitpunkt des Wintereinbruchs und der Zeitspanne dieser für Igel widrigen Umweltbedingungen ist ein Gewicht von mindestens 500 Gramm für die Überwinterung nötig.

Soforthilfe in der Natur

In seinem natürlichen Lebensraum können wir dem Igel helfen, gut über den Winter zu kommen.In seinem natürlichen Lebensraum können wir dem Igel helfen, gut über den Winter zu kommen.„Oft werden Igel in unsere Obhut gegeben, weil sie vermeintlich zu mager sind, um überwintern zu können. Das stimmt aber nicht immer. Wenn Sie sich unsicher sind, beantworten wir gern alle Fragen, bevor der Igel aus seinem Lebensraum genommen wird“, erläutert HTV-Tierpflegerin Katrin Hallmeyer. In Gärten und Parks, die zu „aufgeräumt“ und damit arm an Insekten sind, ist bei Jungigeln die regelmäßige artgemäße Zufütterung sinnvoll. Wichtig: Keine Milch, kein Obst, kein Gemüse und keine rohen Eier füttern, stattdessen eignet sich hochwertiges Katzendosenfutter mit hohem Fleischanteil und kleinen Portionen Weizenkleie sowie Insektenschrot. Zudem sollte Wasser bereitstehen.

Auch was die Schlafplätze angeht, können wir helfen. Katrin Hallmeyer: „Wir tun den Igeln einen großen Gefallen, wenn wir die Laubhaufen im Garten liegenlassen – dort können die Tiere sicher überwintern und finden ausreichend Nahrung.“ Ebenso geeignet sind unter anderem alte Baumstümpfe, Hecken oder Holzstapel, Reisig, Holzverschnitt und fachgerechte Igelhäuser.

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