Tigersterben bei Hagenbeck

Ein Sibirischer Tiger. Foto: ©Tierpark HagenbeckEin Sibirischer Tiger. Foto: ©Tierpark Hagenbeck16. Juni 2015

Erst starben die zwei neugeborenen Tiger in Hagenbecks Tierpark, was als „nicht untypisch“ abgetan wurde. Schließlich verstarb auch noch deren vierjähriger Vater überraschend während der Narkose. Grund genug, zumindest die Raubtierhaltung in Zoos zu hinterfragen.

Zoos erfreuen sich bei vielen Tierfreunden großer Beliebtheit. Grünanlagen, dekorierte Gehege und Medien, die über Artenschutz und Zuchtbücher berichten, täuschen über das Gefängnis Zoo hinweg. Der Zoo wird als pädagogische Tierschutzinstitution gelobhudelt, ist doch aber längst von spannenden und ergreifenden Dokumentationen hierbei überholt worden. Der Zoo wird auch als Arche Noah für bedrohte Tiere gepriesen, kann aber kaum mit erfolgreichen Auswilderungen glänzen. Und die noch katastrophalere Wildtierhaltung in Zirkussen beschäftigt noch immer viele Tierschützerinnen und Tierschützer, sodass zu wenig Zeit für kritische Recherchen und öffentliche Stimmen bleibt. Die aktuellen Vorkommnisse in der aus unserer Sicht tierschutzwidrigen Tigerhaltung von Hagenbeck nehmen wir nun zum Anlass, uns kritisch über die Zoohaltung zu äußern und auf die Stellungnahme unserer Kollegen von animal public zu den massenhaften Verstößen deutscher Zoos gegen die EU-Zoorichtlinien hinzuweisen. Hagenbecks Tierpark ist einer der 25 untersuchten Zoos Deutschlands.

Deutsche Zoos verstoßen gegen EU-Zoorichtlinie
Am 05. Juni 2013 haben die Tierschutzorganisationen animal public e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und Born Free Foundation im Europäischen Parlament in Brüssel einen im Auftrag von ENDCAP erstellten Report zur Zootierhaltung in Deutschland vorgestellt. Der im Rahmen der EU Zoo Inquiry 2011 erstellte Report zeigt auf, dass deutsche Zoos nicht hinreichend den Anforderungen der EU-Zoorichtlinie genügen.

In der Europäischen Union müssen Zoos seit 2002 die Vorgaben der EU-Zoorichtlinie (Richtlinie 1999/22/EG) erfüllen. Diese schreibt vor, dass Zoos einen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten und zur Aufklärung der Öffentlichkeit leisten müssen und ihre Tiere in artgerecht ausgestalten Gehegen zu halten haben. Im Rahmen der vom Tierschutznetzwerk ENDCAP in Auftrag gegebenen EU Zoo Inquiry 2011 (www.euzooinquiry.eu) wurde untersucht, ob die Zoos in der EU diese Maßgaben erfüllen. Dafür wurden rund 200 zoologischen Gärten in 21 Mitgliedstaaten besucht, darunter auch 25 zufällig ausgewählte Einrichtungen in Deutschland.

Am 05. Juni 2013 stellten die Tierschutzorganisationen animal public e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und Born Free Foundation im Europäischen Parlament in Brüssel den Report mit den Ergebnissen der Untersuchung in Deutschland vor.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass der Beitrag deutscher Zoos zum Schutz bedrohter Arten deutlich geringer ist, als man annehmen mag. Die Mehrheit der gehaltenen Arten in den 25 deutschen Zoos haben kaum oder gar keine Priorität für den Artenschutz. Nur 14,92% der Arten gelten als global gefährdet, und speziell sind nur 2% auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN als „vom Aussterben bedroht“ kategorisiert. Zudem erfüllt etwa die Hälfte der von uns untersuchten Tiergehege nicht die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Tierart. In drei der 25 Zoos waren die Haltungsumstände bzw. der Gesundheitszustand bestimmter Tiere derart besorgniserregend, dass schon während der Untersuchung die zuständigen Veterinärbehörden informiert wurden.

Bedenklich ist aus Sicht der Tierschutzverbände, dass es in vielen Zoos dem Publikum möglich ist Tiere unkontrolliert zu füttern und bedrohte Wildtierarten für zirkusähnliche Shows genutzt werden. Diese Aktivitäten laufen dem Bildungsauftrag der Zoos zuwider. Sie vermitteln so einen vollkommen falschen Eindruck vom natürlichen Verhalten der Tiere und gefährden mitunter sogar Besucher und Tiere.

animal public e.V., sieht nicht nur die Zoobetreiber, sondern auch die Bundes- und Landesregierungen in der Verantwortung. Um einen effektiven und einheitlichen Vollzug des Tier- und Artenschutzrechts zu gewährleisten, braucht es konkrete, rechtsverbindliche Haltungsvorgaben, die dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung entsprechen. Die Verbände fordern zudem einheitliche Verfahrensregelungen, die die Vorgaben der EU-Zoorichtlinie bzw. des Bundesnaturschutzgesetzes konkretisieren, damit gewährleistet werden kann, dass die Zoos ihrem Auftrag hinsichtlich ihrer Artenschutz- und Bildungsverpflichtungen gerecht werden.

Die Organisationen hoffen, dass die Ergebnisse der kostenintensiven und langwierigen Untersuchung dazu beitragen werden, dass die EU-Kommission und die Bundesregierung geeignete Maßnahmen treffen, um sicherzustellen, dass zukünftig alle deutschen Zoos zumindest die Anforderungen der EU-Zoorichtlinie erfüllen.



Weitere Berichte, die uns Einblicke in das oft trostlose und leidvolle Leben der Zootiere geben:
https://www.prowildlife.de/pressemitteilungen/saeugetiere-deutschland-zootiere-haltungsvorschlaege/
http://www.animal-public.de/chance-auf-umfassenden-schutz-fuer-zootiere-verpasst/

Neben den Raubtieren mit erhöhtem Bewegungsdrang wie Tiger, Leopard und Eisbär, sind gerade die Elefanten- und Menschenaffenhaltung anzuprangern:
http://www.european-elephant-group.com/zoo.htm
http://greatapeproject.de/zoos-in-der-kritik/

Asiatischer Elefant im Tierpark Hagenbeck.Asiatischer Elefant im Tierpark Hagenbeck.Vor allem diese intelligenten und sensiblen, sozialen Tiere leiden oft und still und heimlich vor sich hin. Oder sie wippen bzw. laufen apathisch und rhythmisch hin und her, wenn sie unter Hospitalismus leiden. Viele Tiere verschwinden irgendwann hinter den Kulissen und damit aus dem Leben. Das Töten und Verfüttern von Zootieren an andere wird in Deutschland selten so ehrlich wie letztes Jahr in Kopenhagen in Form einer getöteten gesunden Giraffe zur Schau gestellt. Ein Sturm (geheuchelter) medialer Entrüstung war die Folge. Aber das wird Hagenbeck wohl nicht passieren, dafür ist diese Hamburgensie zu geliebt und geschützt – das hilft nur trotzdem den Tigern nicht.