Wildvögel richtig füttern: So helfen Sie unseren gefiederten Freunden durch die kalte Jahreszeit

Für viele Vogelarten geeignet: Sonnenblumenkerne. Foto J. Heiermann, NABU06. Dezember 2018

In Deutschland heimische Singvögel wie Amseln, Meisen oder Rotkehlchen leben ganzjährig bei uns und brechen nicht in den Süden auf. Obgleich sie unseren Winter und seine niedrigen Temperaturen gewohnt sind, erschweren ihnen gefrorene Böden und kahle Bäume die Futtersuche enorm. Durch richtiges Füttern können Sie den Wildvögeln helfen, die kalte Jahreszeit mit genügend Nahrung zu überstehen – wir zeigen Ihnen, wie es geht.

WER isst WAS?
•    Sonnenblumenkerne zählen zum Basisfutter, das von vielen Arten gern gegessen wird.
•    Zu den Körnerliebhabern gehören zum Beispiel Meisen, Finken und Sperlinge. Diese bevorzugen Samen von Hanf, Hirse, Ramtill (Nigersaat), Mohn und Lein sowie gehackte Nüsse. Auch Getreidekörner wie zum Beispiel Weizen oder Hafer werden dankend verspeist.
•    Weichfutterschnäblern können Sie Rosinen, Obst, Haferflocken und Kleie anbieten. Zu diesen zählen u. a. Amsel, Drossel, Star, Rotkehlchen und Zaunkönig. Jedoch sollte man klein geschnittenes Obst besser nicht auslegen, da es im Winter schnell gefrieren oder verderben kann und so für die Vögel zur Gefahr wird. Stattdessen kann man getrocknetes Obst anbieten.

WANN brauchen unsere einheimischen Wildvögel zusätzliches Futter?
•    Auf jeden Fall sollte im Winter gefüttert werden, also etwa von November bis Ende Februar.
•    Füttern Sie jedoch nicht nach dem Kalender, sondern nach den Wetterverhältnissen, sprich jedenfalls sobald und solange es friert.
•    Auch eine ganzjährige Fütterung ist sinnvoll, denn gerade in der Stadt und in Kulturgärten ist das Nahrungsangebot gering.
•    Futter, das täglich neu ausgelegt oder -gestreut wird, sollte vor der Morgen- und Abenddämmerung gefüttert werden, da zu dieser Zeit die meisten Vögel auf Nahrungssuche gehen.

WIE sollte man füttern?
•    Silos, die wie Ampeln herabhängen, eignen sich für Fütterungen besser als Häuschen, da die Tiere das Futter darin nicht verunreinigen können. Auch die Ansteckungsgefahr mit Krankheitserregern wie Salmonellen ist dabei reduziert.
•    Wer auf Futterhäuschen nicht verzichten möchte, darf sich vor dem wöchentlichen Reinigen mit Heißwasser nicht drücken. Aus Hygienegründen sollten dabei Handschuhe getragen werden.
•    Bieten Sie nur so viel Futter an, wie Bedarf besteht. Entfernen Sie überschüssiges Futter und füllen Sie regelmäßig Futter nach.
•    Verzichten Sie komplett auf Brot, da dies im Magen der Vögel aufquillt, ein fatales Sättigungsgefühl erzeugt und liegengeblieben schnell verdirbt.
•    Meisenknödel in Plastiknetzen bieten nicht nur eine erhebliche Verletzungsgefahr, sie sind auch durch den entstehenden Plastikmüll eine Gefahr für die Umwelt. Daher sollte man besser auf eine Futterspirale oder einen Futterring  zurückgreifen, in die man Meisenknödel ohne Netze füllen kann.

WO ist eine Futterstelle richtig angebracht?
•    Die Vögel sollten beim Essen einen freien Ausblick nach allen Seiten haben, um herannahende Feinde wie sich anschleichende Katzen oder herabstürzende Greifvögel rechtzeitig entdecken zu können.
•    Die Futterstellen sollten im Schutz eines Baumes, am besten frei an einem Ast, hängen, sodass sich Anflugbasis und Versteckmöglichkeiten in der Nähe befinden.
•    Das Futter sollte zudem so angeboten werden, dass es vor den Widrigkeiten des Wetters geschützt ist.
•    Wichtig ist es, mehrere Futterstellen mit Abstand zueinander einzurichten, damit sich die Vögel verteilen können und so nicht miteinander in Konflikt geraten.
•    Da die Weichfutterfresser teilweise bevorzugt am Boden nach Nahrung suchen, kann dort bei Bedarf auch ein Futterspender platziert werden.

WARUM überhaupt Wildvögel füttern?
•    Vogelfütterung ist Naturerlebnis und Umweltbildung, da man die Vögel bei der Nahrungsaufnahme und das Verhalten der Tiere untereinander beobachten kann.
•    Die Winterfütterung der heimischen Singvögel dient dem Vogelschutz. Auch wenn die Arten, die das Futterangebot hauptsächlich in Anspruch nehmen (z. B. Meisen, Finken, Rotkehlchen und Drosseln), meist stabile Populationen haben, helfen wir ihnen mit unserer Fütterung den Winter zu überstehen, da durch gefrorene Böden und die kahlen Bäume kaum ein natürliches Futterangebot vorhanden ist.

Do-it-yourself-Tipps:
•    Aus leeren Plastikflaschen und Essstäbchen lassen sich Futterspender selbst herstellen; alte Schallplatten bieten ein Schutzdach.
•    Eine Futterglocke lässt sich auch leicht selber basteln: Dazu Bio-Pflanzenfett erhitzen, mit geeigneten Sämereien vermengen und das Gemisch in einen Pflanztopf aus Ton füllen. Wer mag, kann ein Stäbchen in der Mitte des Topfes anbringen, welches aus der Masse herausragt. Nach dem Erstarren kopfüber aufhängen.

Hier geht es zu weiteren Infos zur Wildvogelfütterung.

Futterampeln sind Vogelhäuschen vorzuziehen, da die Vögel so das Futter nicht verunreinigen können.Eine Futterglocke ist aus einem Blumentopf, etwas Pflanzenfett, Samen und einem kleinen Stock leicht selbst gemacht.