Schreiben Sie an die Fraktionschefs: Tiere gehören nicht in den Zirkus

Ein Elefant bei Circus Krone. Foto: Deutscher Tierschutzbund7. Juli 2018; Update: 16. Juli 2018

Ein Elefant des Circus Krone ist am Mittwoch bei einer Vorstellung in Osnabrück über die Begrenzung des Zuschauerbereiches gestürzt. Ursache war, dass die drei Elefantenkühe in der Manege aneinander geraten waren. Für den HTV und seinen Dachverband den Deutschen Tierschutzbund zeigt der erneute Vorfall einmal mehr, dass Wildtiere im Zirkus nichts verloren haben.

„Wir sind froh, dass in Osnabrück keiner der Besucher ernsthaft zu Schaden kam und die Elefantenkuh hoffentlich ebenfalls alles gut überstanden hat. Dennoch zeigt der Vorfall, wie riskant die Zurschaustellung von Wildtieren in der Manage ist“, sagt Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes Landestierschutzverband Niedersachsen. James Brückner, Leiter des Artenschutzreferats beim Deutschen Tierschutzbund, ergänzt: „Ein Wildtierverbot im Zirkus ist daher nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch im Hinblick auf die Gefährdung von Menschen unumgänglich.“

Elefanten in der Manege bei Circus Krone. Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.Verschiedenste Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass es immer wieder zu Zwischenfällen mit Wildtieren im Zirkus kommen kann. Erst vor wenigen Wochen brach ein Krone-Elefant im rheinland-pfälzischen Neuwied aus und lief unkontrolliert durch die Stadt. Auch hier kam es nur durch viel Glück nicht zu einer Katastrophe. Bereits 2010 konnte bei Krone ein Unfall mit Nashorn Tsavo in der Manege nur knapp vermieden werden. Ein Bericht der Eurogroup for Animals, der europäischen Tierschutz-Dachorganisation, der 2017 mit Unterstützung des Deutschen Tierschutzbundes erstellt wurde, enthüllt eine drastische Unfallstatistik mit Wildtieren im Zirkus: EU-weit sind in den vergangenen 22 Jahren mehr als 300 Zwischenfälle mit mehr als 600 Zirkustieren dokumentiert. Davon ereignete sich fast die Hälfte in Deutschland. Allein in den vergangenen  Jahren sind hierzulande mehrere Menschen durch Wildtiere im Zirkus zum Teil schwer verletzt oder in einem Fall sogar getötet worden. „Dass solche Vorfälle für Mensch und Tier drastisch ausgehen können, ist seit langem bekannt, so Brückner. „Die Politik hat neben dem Tierschutzaspekt bisher auch die mögliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nicht ausreichend berücksichtigt. Das muss sich dringend ändern!“

Das Kampagnen-Plakat des Deutschen Tierschutzbundes gegen Wildtiere im Zirkus.Zwischen dem 28. September und dem 25. Oktober 2018 will der Circus Krone auf dem Heiligengeistfeld auf St. Pauli gastieren. Und das, obwohl Hamburg mehrfach aktiv geworden war, um Wildtiere in der Manege zu verbieten. So hatte der Bundesrat schon im November 2011 einer Initiative Hamburgs für ein bundesweites Verbot bestimmter wildlebender Tierarten im Zirkus zugestimmt. „Das ist ein deutliches Signal an die Bundesregierung, nun endlich tätig zu werden“, hatte Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) damals gesagt. Nur passiert ist seitdem nichts. In der Union gibt es glühende Zirkus-Fans, denen das Leid von Elefanten & Co. in der Mange offenbar egal ist. CDU und CSU verhindern seit Jahren selbst minimalste Veränderungen zugunsten der Tiere im Zirkus.
2016 unternahm Hessen einen neuen Versuch für ein Zirkus-Verbot zumindest von Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden. Die Mehrheit des Bundesrats unterstützte auch diese Initiative, so auch Hamburg. Doch auch diesmal hat das zuständige Landwirtschaftsministerium in ignoranter Weise nichts unternommen, um die Wildtiere vor der Manege zu schützen. Und Hamburg argumentiert, dass es ohne eine bundeseinheitliche Regelung keine Handhabe hätte, Zirkussen mit Wildtieren ein Gastspiel in der Stadt zu untersagen.

„Aufgrund der regelmäßig vorkommenden Unfälle mit Zirkustieren muss die Stadt Hamburg alle Möglichkeiten ausschöpfen Auftritte von Wildtieren in Zirkussen im Stadtgebiet auf der Grundlage des Ordnungsrechts zu unterbinden und sich weiterhin vehement für ein bundesweites Wildtierverbot in Zirkussen einsetzen“, fordert Sandra Gulla, 1. Vorsitzende vom Hamburger Tierschutzverein. „Ganz unmittelbar kann aber jede Hamburgerin und jeder Hamburger etwas gegen das Tierleid im Zirkus unternehmen: Einfach nicht hingehen!“

Und wenn Sie aktiv werden wollen, schreiben Sie E-Mails und Briefe an die Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition, Volker Kauder und Andrea Nahles. Der Deutsche Tierschutzbund hat die Adressen und einen Vorschlag zur Textformulierung, die Sie selbstverständlich auch noch individuell ergänzen können, zusammengestellt:

Herrn Volker Kauder
Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion
des Deutschen Bundestages
Platz der Republik 1
11011 Berlin
E-Mail: volker.kauder(at)cducsu.de

Frau Andrea Nahles
Vorsitzende der SPD-Fraktion
des Deutschen Bundestages
Platz der Republik 1
11011 Berlin
E-Mail: andrea.nahles(at)bundestag.de

Mustertext:

Sehr geehrter Herr ..., / Sehr geehrte Frau...,

ich bitte Sie und Ihre Partei eindringlich, sich für ein umgehendes Verbot der Wildtierhaltung im Zirkus einzusetzen.
 
In einem Zirkusunternehmen ist eine verantwortbare Haltung von Wildtieren grundsätzlich nicht möglich. Elefanten, Tiger, Bären und viele andere Wildtiere sind gezwungen, fragwürdige Kunststücke in der Manege vorzuführen. Ein unhaltbarer Zustand, den auch schon eine ganze Reihe von EU-Mitgliedsstaaten erkannt und das Mitführen von Wildtieren in Zirkussen bereits untersagt oder beschränkt haben. Deutschland hinkt weiterhin hinterher, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung hinter einem Verbot steht und sich der Bundesrat bereits 2003, 2011 und 2016 für ein Verbot bestimmter Wildtiere ausgesprochen hat.

Bitte handeln Sie und setzen Sie sich umgehend zumindest für die Umsetzung der Bundesratsbeschlüsse aus den Jahren 2011 und 2016 ein. Lassen Sie die Zirkustiere nicht im Stich!

Mit freundlichen Grüßen