Bundesweites Bündnis fordert Schließung der Skandal-Schliefanlage

Füchse sind in einer Schliefanlage extremem Stress ausgesetzt. (Beispielbild einer Zwingerhaltung, Quelle: Aktionsbündnis Fuchs)Pressemitteilung vom 13. Juli 2018

Die Schliefanlage in Lemgo-Voßheide, Nordrhein-Westfalen, ist die älteste ihrer Art in Deutschland. Regelmäßig werden dort „raubwildscharfe“ Jagdhunde an den Füchsinnen Lilli und Lotta abgerichtet – eine besonders grausame Jagdpraxis, die aus gutem Grund in anderen europäischen Ländern verboten ist. Das Aktionsbündnis Fuchs, eine bundesweite Initiative von 60 Natur- und Tierschutzorganisationen, zu der auch der Hamburger Tierschutzverein gehört, fordert die sofortige Schließung der Anlage, die in jüngster Vergangenheit durch besonders skandalöse Zustände aufgefallen ist.

In der Schliefanlage werden derzeit die jungen Füchsinnen Lilli und Lotta in kleinen Zwingern gehalten, die gerade eben den gesetzlichen Mindestanforderungen genügen, obwohl Füchse in freier Natur große Reviere von mehr als 100 Hektar bewohnen. Für die Abrichtung der Jagdhunde werden die scheuen Füchsinnen in eine künstliche Bauanlage gesetzt, um dort vom Hund aufgespürt zu werden – auch wenn sie dabei von Gesetzes wegen durch Gitter vom Hund getrennt bleiben müssen, ist der Vorgang für die sensiblen Tiere eine schlimme Tortur. Ziel der Jäger ist dabei, die Jagdhunde für die sogenannte Baujagd abzurichten, bei welcher Füchse und Dachse von scharfen Jagdhunden aus dem Bau vor die Flinten wartender Jäger gehetzt werden.

Skandale in der Schliefanlage in Lemgo-Voßheide

Gerade die Schliefanlage in Lemgo-Voßheide ist dabei in der Vergangenheit durch besonders skandalöse Zustände aufgefallen – so wird den Betreibern vorgeworfen, die Füchse nicht regelmäßig mit Wasser und Futter zu versorgen (Lippische Landeszeitung, 23.3.2018). Gegen einen Schliefenwart wurde 2017 ein Bußgeldbescheid verhängt, weil er eine hochträchtige Füchsin für den Abrichtungsbetrieb eingesetzt hatte.
Juristen und Veterinärmediziner beurteilen Abrichtungsbetrieb als grausam und tierschutzwidrig
Ein vom Landkreis in Auftrag gegebenes Gutachten des renommierten Experten für Tierschutzrecht Dr. Christoph Maisack beurteilt den Betrieb in der Schliefanlage als „Abrichtung auf Schärfe“, was nach dem Tierschutzgesetz verboten ist. Auch die Kreisveterinärin Dr. Heike Scharfenberg, die sich den Abrichtungs- und Prüfungsbetrieb in Lemgo-Voßheide angesehen hat, berichtet, dass die Füchse dort „erheblichem Stress“ ausgesetzt seien.

Massive öffentliche Empörung über Schliefanlagen

Die öffentliche Empörung über die grausame Praxis, Jagdhunde an lebenden Füchsen abzurichten, ist enorm: Ein Bericht des Aktionsbündnisses Fuchs über die in Brandenburg in eine Schliefanlage eingesperrte Jungfüchsin Foxi erreichte innerhalb von nur zwei Tagen knapp 150.000 Menschen. Eine entsprechende Petition wurde bislang fast 90.000mal unterschrieben. Zudem ist auch die Baujagd selbst höchst umstritten: Ein veterinärmedizinisches Gutachten aus der Schweiz kommt etwa zu dem Ergebnis, dass sie als „hochgradig tierquälerisch“ zu bewerten sei. Online und offline sind zahllose Berichte und Fotos blutiger Füchse und Hunde zu finden, die sich bei der Baujagd gegenseitig schwer verletzt haben.

Stellt der Landkreis die Abschussinteressen von Hobbyjägern über den Wählerwillen?

Für das Aktionsbündnis Fuchs ist angesichts dieser Faktenlage vollkommen unverständlich, warum der für die Entscheidung zuständige Landrat Dr. Axel Lehmann die Schliefanlage noch immer nicht geschlossen hat. „Die Bevölkerung fordert ein Verbot und Juristen, Veterinärmediziner und Biologen kommen über alle Disziplinen hinweg zu dem Ergebnis, dass die Abrichtungspraxis grausam und tierschutzwidrig ist“, so Dag Frommhold, einer der Initiatoren des Aktionsbündnisses. „Es ist nicht nachzuvollziehen, dass der Landkreis dennoch die Abschussinteressen einer winzigen Minderheit fuchsjagdbegeisterter Hobbyjäger über objektive Analysen von Experten einerseits und den offenkundigen Wählerwillen andererseits stellt. Wir fordern Herrn Dr. Lehmann daher nachdrücklich dazu auf, mit dem Abrichtungsbetrieb in Lemgo-Voßheide umgehend Schluss zu machen und dafür zu sorgen, dass Lilli und Lotta an eine kompetente Wildtierstation übergeben werden.“

Fuchsjagd ist sinnlos

Anders, als von Jägern behauptet, ist die Jagd auf Füchse übrigens keinesfalls notwendig: Wie eine umfassende Sammlung wissenschaftlicher Studien zeigt, ist die Bejagung von Füchsen zum vermeintlichen Schutz bedrohter Arten nutzlos. Darüber hinaus fördert Jagd sogar die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten.

Hintergrundinformationen zum Aktionsbündnis und zum Fuchs finden Sie hier.

Hier geht es zur dazugehörigen Petition.