Warum das Bürgerbegehren gegen den Wildtier-Zoo wichtig für den Tierschutz ist

Die viel zu kleinen Käfige am Eingang des Wildgeheges.22. August 2018

Stoppt den Masterplan für einen Wildtierzoo im Klövensteen! Die Bürgerinitiative (BI) „Klövensteen soll leben“, unterstützt vom Hamburger Tierschutzverein (HTV), hat beim Bezirksamt Altona einen Bürgerbegehren gegen die gigantischen Umbaupläne für das Wildgehege in Rissen angemeldet. Kurz nachdem die BI zu einem Pressegespräch eingeladen hatte, war der erste Erfolg für den Bürgerprotest zu verzeichnen: Die SPD Altona verkündete am Dienstagnachmittag, dass der Masterplan politisch vom Tisch sei.

Wir berichten seit Monaten über die überdimensionierten Pläne des Bezirksamtes Altona, das Wildgehege im Klövensteen zu einem Wildtier-Zoo mit Event-Charakter umzubauen. Das Bezirksamt hat dazu einen Masterplan erstellen lassen, der unter anderem Folgendes vorsieht:

  • die Zahl der Wildtierarten von derzeit acht auf 59 zu erhöhen – auf gleichbleibender Fläche
  • einen 1.580 Quadratmeter großen zweigeschossigen „Waldcampus“ mit Gastronomie, Werkstätten, Übernachtungsmöglichkeiten, Verkaufsflächen, Büro- und Klassenräumen zu bauen; hierfür muss ein 20.000 Quadratmeter großes Waldstück gerodet werden
  • „Freizeitattraktionen“ mit Schaugehegen, Beobachtungstürmen, einer Rampenanlage sowie Tunnels und begehbaren unterirdischen Hohlräumen in Nähe zum Naturschutzgebiet Schnaakenmoor
  • Flugshows, Lesungen, Theater, Hochzeiten, Betriebsfeiern und andere „Events“
  • die Betriebskosten von geschätzt 1 Mio Euro/Jahr über Vermarktung, Parkgebühren und Einnahmen des Waldcampus zu finanzieren.

Vertrauensleute für das Bürgerbegehren: Thure Timmermann von der Bürgerinitiative und Frank Wieding vom Hamburger Tierschutzverein. Foto: Sun/MOPOMit dem am Mittwoch gestarteten Bürgerbegehren wollen die Initiatoren einen Planungs- und Baustopp erreichen und zudem, dass der Masterplan nicht mehr Diskussionsgrundlage für die Sanierung des Wildgeheges ist. Angemeldet haben das Bürgerbegehren Thure Timmermann für die BI „Klövensteen soll leben“, Barbara Meyer-Ohlendorf, Vertrauensfrau des Bürgerbegehrens, und Frank Wieding für den Hamburger Tierschutzverein.

Einen Tag zuvor hatte die Bürgerinitiative zum Pressegespräch am Mittwoch eingeladen. Kurz danach überraschte die SPD Altona mit einer Erklärung. „Der vorliegende Masterplan für das Wildgehege Klövensteen ist für uns politisch vom Tisch. Über notwendige Sanierungsarbeiten im Wildgehege führen wir gerne mit den Beteiligten Gespräche, auch zur Bereitstellung finanzieller Mittel“, erklären Mathias Petersen, SPD-Kreisvorsitzender in Altona und Thomas Adrian, Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion in Altona. Ein erster großer Erfolg für den Bürgerprotest. Denn bisher zählte die SPD in Altona zu den glühendsten Anhängern des Masterplans.

Trotzdem wird das Bürgerbegehren wie geplant gestartet. Denn der Rückzieher der SPD ist zwar begrüßenswert, aber was fehlt, ist ein Mehrheitsbeschluss gegen den Masterplan der Bezirksversammlung Altona.

„Der Rückzieher der SPD ist ein Etappensieg“, so HTV-Sprecher Frank Wieding. „Und wir warnen davor, nach dem Aus für den Masterplan mit einem Masterplan 2.0 neu zu planen. Der Hamburger Tierschutzverein fordert die Altonaer Politik auf, davon Abstand zu nehmen, weitere und neue Tiere in Rissen im Klövensteen einzusperren. Wir brauchen eine ganz neue Planung, die sich an den Bedürfnissen der jetzt dort lebenden Tiere orientiert. Die ist längst überfällig, denn die Haltung in den Käfiganlagen ist nicht akzeptabel.“

Das sagen die Initiatoren des Bürgerbegehrens

Thure Timmermann, Sprecher der Bürgerinitiative: „Wir setzen uns dafür ein, dass das Wildgehege erhalten bleibt und nachhaltig saniert wird. Die durch den „Masterplan Naturwildpark Klövensteen“ nun möglich gewordenen Planungen halten wir aber für völlig überdimensioniert, auch sonst lehnen wir den Masterplan aus vielerlei Gründen ab. Der Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern unseres Bezirks und der enorme Zuspruch bestärken uns darin, unser Anliegen weiter zu verfolgen. Leider müssen wir feststellen, dass man an entscheidender Stelle immer noch am Masterplan festhält. Deswegen sehen wir uns nun dazu gezwungen, dieses Bürgerbegehren zu starten.“

Barbara Meyer-Ohlendorf, Vertrauensfrau des Bürgerbegehrens: „Natur und Tiere müssen respektiert und der einmalige Charakter und Wert des Klövensteens und seiner Schutzgebiete dauerhaft erhalten werden. Der Klövensteen als Ort der Ruhe und Erholung ist so beliebt, weil hier authentische Naturerlebnisse zu jeder Jahreszeit möglich sind. Für Kinder ist es ohnehin viel eindrucksvoller und abenteuerlicher, mit Becherlupe und Fernglas direkt in die Natur zu gehen. Außerdem: Welche umweltpädagogischen Ziele will man durch die Beobachtung eingesperrter Wildtiere erreichen?“

Frank Wieding, Sprecher vom Hamburger Tierschutzverein: „Der Tierschutz wird durch den Masterplan mit Füßen getreten. Wir lehnen es ab, das im Wildgehege Klövensteen neue Gehege und Käfige gebaut und in ihnen Wildtiere ihrer Freiheit beraubt werden. Die vom Bezirksamt Altona vorgelegten Pläne schaden massiv dem Tier- und Naturschutz und vermitteln gerade Kindern, dass es legitim ist, Tiere in Käfigen einzusperren und zu begaffen. Der Hamburger Tierschutzverein lehnt das ab. Für uns bedeutet Wildtierschutz, dass man natürliche Lebensräume für Wildtiere schützt und einzelne Individuen, die versehrt oder hilflos sind, versorgt."

So geht es jetzt weiter

Ab dem kommenden Freitag werden im Bezirk Altona nun Unterschriften für das Bürgerbegehren und gegen den Masterplan gesammelt. Rund 6000 Wahlberechtigte aus dem Bezirk Altona müssen in sechs Monaten unterschreiben, dann war das Begehren erfolgreich. Ist ein Drittel der gültigen Unterschriften erreicht, tritt eine Sperrwirkung in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt darf der Bezirk keine Entscheidungen mehr treffen, die einem erfolgreichen Bürgerbegehren entgegeben stehen würden.

Wo Sie als Altonaer Bürgerin oder Bürger in den nächsten Tagen unterschreiben können, erfahren Sie in Kürze hier.