Bamba

Hallo liebes HTV-Team,

als ‚Paule‘ war ich in Eurer Obhut, nachdem mich ein fieser Welpenhändler verkaufen wollte. Zum Glück haben Fahnder die Verkaufsanzeige bei eBay Kleinanzeigen entdeckt und mich beim Verkaufsversuch in Hamburg „sichergestellt“, das heißt in Sicherheit gebracht. Ich war nämlich erst sechs Wochen jung, habe meine Mama furchtbar vermisst und hatte ganz schlimme Schmerzen. In einer Tierklinik habe ich um mein Leben gekämpft. Jetzt kann ich Euch sagen: Das Kämpfen hat sich gelohnt!

Nach dem Klinikaufenthalt kam ich auf die Isolierstation in Eurem Tierheim. Dort hat die liebe Katerina* sehr gut auf mich aufgepasst und mit mir gekuschelt, wenn sie vor lauter Stress Zeit dazu hatte. Außer mir sind da nämlich noch ganz viele andere viel zu junge Hundekinder, die auch aufgepäppelt werden müssen. Nach einiger Zeit kam ich auf die Welpenstation zu Tierpfleger Kevin*. Er hat immer sanft mit mir gesprochen, geschmust und mir superleckeres Essen gebracht! Und mein Bettchen und mein Gehege hat er saubergemacht, damit ich es gemütlich habe. Seine Kolleg*innen waren auch alle sehr lieb zu mir – so sehr, dass ich mich immer mehr nach eigenen Menschen gesehnt habe.

Eines Tages kam eine Mitarbeiterin vom Tierschutzverein auf die Welpenstation – sie wollte nach anderen Welpen schauen, die ein Fernsehteam filmen sollte. Sie hat langes blondes Fell und ich habe mir vorgestellt, dass ich damit schön kuscheln könnte. Also habe ich mich gaaaaanz groß an meiner Gittertür aufgerichtet, damit sie zu mir schaut. Und es hat geklappt! „Das ist ja mein Hund“, hat sie gestammelt, weil ich sie wohl sehr an ihren verstorbenen Hund erinnert habe. Kevin hat sofort meine Chance auf ein tolles Zuhause gewittert und sie zu mir ins Gehege geschubst. Ich habe mich so gefreut und bin an ihr hochgesprungen – na ja, ‚hoch‘ ist zu viel gesagt, denn mit gerade mal 12 Wochen war ich ja noch ganz klein. Die blonde Frau hat mich auf den Arm genommen und ganz lieb angeschaut – sie war mir gleich vertraut und ich ihr. Ich habe ein bisschen an ihrem Finger genuckelt, weil ich das bei meiner Mama ja nur für ganz kurze Zeit konnte. Da hat die Frau geweint und geflüstert: „Dich hat doch mein Paul geschickt - ich komme wieder, hab Geduld.“ Kevin hat währenddessen Fotos von uns gemacht. Die hat die blonde Frau ihrer Familie gezeigt – und ihre Tochter hat entschieden: „Der MUSS bei uns leben!“
Am nächsten Tag kam die Frau mich mit ihrem Mann besuchen. Den mochte ich sehr und habe ihm ganz lange und fest in die Augen geschaut, damit er sieht, dass ich sein Hund werden möchte. Ihr könnt Euch denken, wie froh ich bin, dass er mich ‚erkannt‘ hat. Schon am darauffolgenden Tag hat er mich mittags abgeholt! Mein neues Frauchen musste noch weiterarbeiten, aber sie hat mich zum Auto gebracht. Ich konnte spüren, wie ihr Herz hüpft – ich war auch sehr aufgeregt.

Herrchen hat mir erstmal mein neues Zuhause gezeigt. Ich dachte, im Zimmer meines „kleinen“ Frauchens sei ein Hund – jetzt weiß ich, das bin ich, der sich da spiegelt. Weil ich mich so gefreut habe, den vermeintlich anderen Hund zu sehen, ist Herrchen sofort mit mir spazieren gegangen, um Spielgefährten für mich zu finden. Und da war sie, die große, so spannende Welt! Wir haben uns einen tollen Nachmittag gemacht und das Viertel, in dem ich nun wohne, erkundet. Danach sind wir mit Frauchen runter an die Alster gegangen – dort habe ich meine ersten Hundefreunde kennengelernt. Ich mag alle Hunde und bin immer erstaunt, wenn mal einer solch junges Gemüse, wie ich es bin, total nervig findet. Inzwischen kann ich das aber gut akzeptieren und lasse die dann einfach in Ruhe – überhaupt habe ich von den anderen Hunden schon sooooo viel gelernt!

Bei uns im Hinterhof haben wir eine tolle Wiese – mitten in Hamburg! Jeden Tag treffe ich dort meine in Spanien und Tschechien geretteten Hundekumpels Klaus und Frieda aus den Nachbarhäusern. Ich habe auch eine „Verliebte“ aus Portugal, die um die Ecke wohnt – und sogar ihre Telefonnummer! Weil Wilma und ich mit unseren Pfoten nicht so gut tippen können, erledigen das die Menschen für uns: Wir verabreden uns telefonisch fast jeden Tag zum Toben auf einer ganz großen Wiese. Ich mag sie sehr – sie ist so blond wie mein großes und mein kleines Frauchen und fast genauso lieb. Hoffentlich fahren wir bald mal gemeinsam ans Meer – ich liebe Wellen und Wasser!

Mein anderer Lieblingsplatz ist bei Opa & Mimi auf dem Land: Sie haben einen riesigen Garten, es gibt Felder, Weiden und immer ganz viel zu entdecken – zum Beispiel auch die besten Stöcke zum Zerkauen. Manchmal nage ich auch einen Baum an, aber das darf ich eigentlich nicht. Leider sind dort die Hunde meistens nur in ihren Gärten und bellen mich über den Zaun an – dann tobe ich lieber mit Opa oder lasse mir von meiner „Hundecousine“ Luna die Welt zeigen, wenn sie zu Besuch kommt. Sie ist Pauls Schwester und schon älter – sie kann nicht mehr soooo viel toben, aber sie kümmert sich um mich und erklärt mir in Hundesprache alles ganz genau: zum Beispiel, welche Pflanzen ich besser nicht essen sollte. Pauls andere Schwester Leni ist auch sehr fürsorglich (wahrscheinlich denken die Mädels, ich sei ihr Baby). Sie hat mir den tollen Elbstrand gezeigt. Ihren winzigen Hundebruder Leo kann ich als Hund nicht ernst nehmen: Er ist wie ein lebendiges Kuscheltier, mit dem ich gerne um die Wette flitze.

Mit meinem „kleinen“ Frauchen Paula verbringe ich ganz viel Zeit. Sie macht bald Abitur und muss ständig für die Schule arbeiten. Ich bin ihr größtes Glück, flüstert sie mir immer ins Ohr. Und mit mir spazieren zu gehen, zu toben oder zu kuscheln, sei für sie der beste Ausgleich zum Lernen. Im Moment bin ich noch nicht gerne alleine – am liebsten schlafe ich nachts bei meinen Menschen. Aber ich muss tagsüber nicht mehr ständig mit ihnen im gleichen Zimmer sein – ich weiß ja, sie sind da oder kommen sofort wieder.

Wenn ich mit Frauchen zur Arbeit gehe, bin ich sozusagen wieder im Tierheim. Ich schlafe sehr gerne auf dem Schreibtisch – wenigstens so lange ich noch draufpasse. Sie hat ganz liebe Kolleginnen und Kollegen, die immer mit mir schmusen (bei Herrchens Arbeit sind auch alle sooo lieb zu mir!). Mein ehemaliger Tierpfleger Kevin hat mir in seiner Mittagspause sogar mal Essen gebracht – ins Büro! Dort höre ich draußen die Hunde, die noch auf ein Zuhause warten. Das macht mich traurig, obwohl ich weiß, wie lieb sich alle um sie kümmern. Aber seine eigene Familie zu haben, viele Hundekumpels und jeden Tag neue Eindrücke zu bekommen und Orte zu entdecken, ist das Allergrößte!

Tausend Mal DANKE an alle Leute im HTV, dass Ihr Welpen wie mich rettet, aufnehmt und aufpäppelt – und auch allen anderen Tieren in Not ein fürsorgliches Zuhause auf Zeit gebt. Ohne Euch wären wir verloren!!! Ich bin sehr dankbar, wie Ihr Euch um mich gekümmert habt – so liebevoll, dass ich den Menschen vertraue, obwohl mich Bösewichte viel zu früh von meiner Mama weggerissen haben. (Eventuell fehlt mir deshalb ein Stück meiner Rute, aber Frauchen sagt, auch das macht mich „einmalig“.)  

Danke Euch, dass meine Familie mich adoptieren durfte – ich bin das Beste an 2020, sagen sie! Meine Menschen weinen nicht mehr so viel um ihren Hund Paul, seit ich da bin. Ich konnte aber nicht weiter ‚Paule‘ heißen – das versteht Ihr sicher. Darum ist mein Name jetzt ‚Bamba‘ – nach einem Freund meiner Familie, dem ich wohl ähnlich sehe ... Ist ja auch egal, jetzt bin ich ein halbes Jahr alt und total glücklich – meine Menschen sagen, sie sind es mit mir auch!

Für das neue Jahr wünschen wir den Tieren und Euch Menschen im Tierheim und überall, dass auch Ihr glücklich sein könnt – und vor allem gesund bleibt! 

Viele liebe Grüße von
Bamba & Co.

* Katerina Landsmannova und Kevin Straube gehören zum Team der Hundehäuser.