Tommy

Liebe Katzenstation des Tierheim Süderstraße,
 
ich, der Tommy (acht Jahre jung), möchte mich hiermit ganz herzlich für die Vermittlung in meine neue Familie bedanken.

Tag 1: Natürlich war alles erst einmal sehr aufregend. Die neue Wohnung roch noch nach meinem Vorgänger und ich erwartete ständig, dass der gleich um die Ecke springt und Streit mit mir anfangen will. Die ständige Versicherung meines neuen Personals, dass er vor zwei Monaten verstorben war, kann man glauben - muss man aber nicht. Schon gar nicht am ersten Tag! Also drehte ich unverdrossen meine Runden auf der Suche nach ihm - und entdeckte dabei die Katzenklappe in den Keller. Große Aufregung!

Stundenlang saß ich danach unterm Holzstapel und mein neues Personal war todunglücklich, weil es vergessen hatte, eine von insgesamt drei Katzenklappen zuzumachen. Pech für die, Glück für mich. Der Holzstapel war neu, da roch nichts nach dem anderen Kater. Letztendlich trieb mich dann der Gang auf die Katzentoilette wieder in die Wohnung zurück. Großes Aufatmen beim Frauchen. Scheint sich Sorgen gemacht zu haben, die Gute.
 
Tag 2: Ich will überall dabei sein. Geschirrspülmaschine ausräumen? Ich helfe. Frauen mögen es, wenn man ihnen im Haushalt hilft. Und mein neues Personal ist weiblich. Also nichts wie ran und den Charmebolzen raushängen lassen. Ich eigne mich übrigens auch als Fußwärmer, Fesselkünstler und Luftabdrücker. Keine Ahnung, warum mein Personal sich so anstellt. Mit meinen zarten acht Kilogramm auf ihrem Busen zu liegen, finde ich toll, sie komischerweise eher nicht – die macht dann immer solche Schnappatmungsgeräusche. Ich glaube, die muss mal zum Arzt.
 
Tag 3: Warum ist die Wohnungstür immer zu? Ich will raus. Ich bin schließlich ein Terrassenkater. Mein neues Personal, ganz willig, hat mir ein Katzengeschirr mit langer Leine gekauft. Ich, ganz aufgeregt: Nun mach endlich die Tür auf! AAAAHHHH, das sieht aber nicht nach meiner gewohnten Terrasse aus! Wie gut, dass der Esszimmertisch nahe ist, unter den bin ich erst einmal sicherheitshalber wie ein geölter Blitz geflüchtet. Ich bin zehn Minuten am überlegen, mein Personal sagt, ich muss ja nicht raus. Aber diese Schmach ... Frauen stehen doch auf echte Kerle ... Also gehe ich doch noch raus. War eigentlich ganz spannend. Eine Stunde Gassi gehen, aber dann wollen wir wieder rein. Jetzt bin ich aber müde! Der schönste Platz ist auf der Lunge von Frauchen. Komisch, die hat schon wieder Schnappatmung. Ich muss wohl doch mal abnehmen.
 
Tag 4 und 5: Wir üben. Täglicher Gartenrundgang an der Leine, aber drinnen ist es auch ganz schön. Schließlich habe ich das Haus noch gar nicht so richtig kennengelernt. Keller und Erdgeschoss, alles kein Problem. Aber dass es noch einen ersten Stock gibt, das habe ich bisher noch nicht so verinnerlicht. Lieber erst mal den Garten kennenlernen.
 
Tag 6: Frauchen ist froh: Ich mache mein Geschäft jetzt im Stockrosenbeet. Bitte, wenn sie es so toll findet, sich nicht um meine Katzentoilette kümmern zu müssen – ich bin ja ein Gentleman. Dann renne ich halt schnell raus.
 
Tag 7: Wir entspannen uns. Langsam gewöhne ich mich ein. Ich habe ja den Rest meines Lebens Zeit, denn mein neues Personal versichert mir ständig, dass es mich liebt und nicht wieder hergibt.
 
So Ihr Lieben, nochmals vielen Dank für Eure Mühe, mir ein neues Zuhause zu suchen. Ich glaube, mit meinen neuen Dosenöffnern kann ich glücklich werden.
 
Herzlichst grüßt Euch
 
Tommy