Hallo zusammen,
als ich das hier schreibe ist Tag 365 in meinem neuen Leben. Ein ganzes Jahr schon. Und ich sag’s euch: Das hier ist wohl kein Probewohnen mehr.
Vor inzwischen mehr als einem Jahr wurde ich von zwei Menschen ins Auto gesetzt. Ich dachte erst, wir fahren irgendwohin spazieren. Vielleicht Eis essen. Dann zurück ins Tierheim. Nun ja – letzteres ist nie passiert. Stattdessen bin ich einfach geblieben. Die Menschen haben mir bis heute ihre richtigen Namen nicht verraten, also nenne ich sie Mama und Papa. Wie die zwei kleineren Menschen, die mit uns hier wohnen. Die scheinen auch dauerhaft hier festzustecken.
Am Anfang war ich mir nicht ganz sicher, was ich davon halten sollte. Also habe ich vorsichtshalber alles ausprobiert, was man so ausprobieren kann: viel bellen, viel ziehen, hektisch hin- und herlaufen und gelegentlich deutlich machen, dass meine Snacks meine Snacks sind. Man will ja wissen, wo man gelandet ist.
Dann stellte sich heraus: Gar nicht schlecht hier.
Nicht weit von meinem Zuhause gibt es einen Platz, auf dem ich frei laufen darf. Mit anderen Hunden. Mit einem Pool. Und mit einem Wald voller Gerüche, die mich jedes Mal völlig aus dem Konzept bringen. Und das Beste: Ich darf sogar ohne Maulkorb Gassi gehen. Freiheit!
Okay, manchmal nicht. Mama behauptet dann, ich sei etwas … sehr motiviert, allem mit Fell hinterherzugehen. Aber ganz ehrlich – Hasenduft ist auch wirklich unwiderstehlich.
Wir haben sogar eine Prüfung gemacht, bei der ich zeigen musste, wie gut ich Mama im Griff habe. Die Trainerin war sehr zufrieden. Ich auch. Kleiner Tipp von mir: Wenn man sich am Anfang der Gassirunde benimmt wie ein Wirbelsturm auf vier Beinen, wirken fünf Minuten gutes Benehmen später wie ein Wunder. Menschen belohnen danach wunderbar großzügig.
Natürlich müssen Mama und Papa noch dazulernen: Mein Futter könnte schneller serviert werden, vor allem ohne dieses ständige „Sitz“ machen vorher, Türen werden viel zu oft geschlossen und auf dem Sofa ist eindeutig zu wenig Platz für mich. Aber sie geben sich Mühe. Ich bin geduldig. Und stur.
Bevor ich hier endgültig eingezogen bin, gab es da übrigens noch meine Bezugsbetreuerin aus dem Tierheim. Die hat mich ab und zu mit zu sich nach Hause genommen. Quasi Probewohnen Deluxe. Dort habe ich gelernt, wie sich ein Sofa anfühlt, dass Menschen auch nachts schnarchen – und dass man durchaus in fremden Küchen sehr gut nach Essbarem suchen kann. Ich mochte sie sehr – und vermutlich hat sie Mama und Papa innerlich schon darauf vorbereitet, dass sie da einen echten Charakterhund adoptieren.
Anfangs wollten Mama und Papa mich ständig anfassen. Das fand ich erst mal ziemlich seltsam. Ich bin dann demonstrativ aufgesprungen und in mein Körbchen gegangen. Irgendwann bin ich liegen geblieben. Und habe gemerkt: Bauch kraulen ist fantastisch – und im Arm von Papa einschlafen auch. Seitdem dürfen sie das öfter tun. Zufällig gibt es seitdem auch mehr Leckerlis.
Außerdem bin ich nicht allein: Eine kleine Hunde-Schwester war schon da. Sie war anfangs nicht begeistert von mir. Mama sagt, das liegt an ihr – nicht daran, dass ich mich bewege wie ein wildgewordener Welpe. Inzwischen haben wir uns arrangiert.
Kurz nach mir kam noch ein größerer Hunde-Bruder dazu. Extrem schreckhaft, aber sehr nett. Ich habe ihm beigebracht, wie man mutig durch den Garten läuft. Er hat mir dafür beim Spielen geholfen. Teamwork.
Und dann ist da noch meine beste Freundin von nebenan. Mit der habe ich schon so einige Abenteuer erlebt. Früher haben wir ständig Ball gespielt, bis Mama mit einer Frau gesprochen hat, die meinte, ich sei „impulsiv“, „aufgedreht“ und ein „Ball-Junkie“. Keine Ahnung, was das heißen soll. Klingt aber wichtig.
Unterm Strich kann ich sagen: Ich bin angekommen. Ich habe mein Zuhause gefunden. Und nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, meine Familie zu behalten.
Liebe Grüße
Euer Chicco















