Murphy
Hallo,
als Gassigeherin wollte ich im Tierheim ein- bis zweimal in der Woche Hunde auszuführen. Schnell wurden daraus fast tägliche Gassigänge. Irgendwann wurde mir Murphy vorgestellt – mit den Anweisungen „nicht angucken, nicht anfassen, keine Leckerlies“. Ich lernte den verängstigten, hypernervösen Hund mit Halskrause und Verband an den Ohren kennen. Die Ohren hatte sich Murphy aus Stress an den Zwingerwänden aufgeschlagen. Während der ersten Gassirunde beäugten wir uns verstohlen aus den Augenwinkeln ...
Irgendwann las ich Murphys Steckbrief und musste doch etwas schlucken: Mit diesem Wissen hätte ich mich nie an diesen Hund getraut. Aber jetzt war es zu spät - die Chemie zwischen uns stimmte und es war bereits eine zarte Bindung zwischen uns entstanden.
Über viele Monate waren wir nun fast täglich gemeinsam unterwegs.
Nachdem eine Vermittlung gescheitert war und es keine ernsthaften Anfragen mehr gab, fing ich an, mit Murphy Ausflüge mit dem Auto in die nähere Umgebung zu machen – natürlich mit Erlaubnis der Tierpfleger.
Es folgten Ausflüge zu mir nach Hause – zunächst stundenweise, dann auch mal über Nacht.
Und dann, nach fast drei Jahren Tierheimaufenthalt zog Murphy vor vier Jahren als Dauerpflegehund bei mir ein.
Mittlerweile ist Murphy 10 Jahre alt. Es war nicht immer leicht für uns beide. Wir haben vieles gemeinsam durchgemacht und sind als Team zusammengewachsen.
Waren Nachbarn und Familie anfänglich skeptisch als sie einen Hund mit Maulkorb sahen, lieben sie ihn mittlerweile alle. Und umgekehrt ebenso. Murphy hat sich über die Jahre zu einem fröhlichen, aufgeschlossenem Hund entwickelt. Er liebt gemeinsame Gassigänge im Rudel mit den Nachbarhunden. Nachbarn und Familie werden freudigst begrüßt.
Murphy ist gerne sportlich unterwegs, liebt es aber auch zu kuscheln. Regenwetter und Kälte sind nicht seins. Da versteckt er sich lieber unter Wolldecken.
Seine Ohren sind eine Dauerbaustelle und jetzt kam auch noch eine „bösartige“ Diagnose dazu. Aber auch das werden wir gemeinsam durchstehen. Ein Hund ist ein soziales Wesen und es gilt der Leitsatz „In guten wie in schlechten Zeiten“
Mein Appell: Schaut nicht nur nach Welpen, gebt auch den Alten, den Kranken und denen mit „Lebenserfahrung“ eine Chance. Schaut nicht nur nach Optik.
Es lohnt sich.
Manuela mit Murphy

















