Liebe Tierschützer*innen,

vor zwei Wochen habe ich Simba zu mir geholt. Er war der Kater, den ich ein paar Monate zuvor besuchen und adoptieren wollte. Leider - oder eben nicht - war er zu dem Zeitpunkt schon in Vermittlung und außer ihm gab es keinen Wohnungskater. Als er dann plötzlich wieder auf der Homepage eingetragen war, war die Verwirrung groß. Ein Webseitenfehler? Ein Versehen? Nein, Simba wurde euch wieder zurückgegeben.

Mir brach das Herz. Wut und Unverständnis für die Situation wichen schnell zu "dann ist es eben so" und "manchmal geht es einfach nicht". Anstatt einen Besuch zu machen, entschied ich mich, den Adoptionsantrag direkt auszufüllen. Den Warenkorb und die Einkaufslisten habe ich rausgesucht, mit dem Gedanken, es würde frühestens in drei Wochen akut werden. Wurde es nicht. Simba passte wie kein anderer Kater. Zwei Tage später und die Sendungsverfolgungen auf Daueraktualisierung war er dann hier.

Die Sorgen aus der Übergabe haben sich verflüchtigt: Seine kahlen Stellen durch übermäßiges Fell-Putzen am Bauch sind inzwischen zugewachsen. Es war keine Lebensmittelallergie. Seine kleinen Neurosen zeigen mir, dass er extrem unter Stress stand und sich deshalb selbst verletzen musste. Aber auch, dass er früher wahrscheinlich für sein Verhalten - oder aus Spaß - herumgejagt worden sein muss. Meine Teppiche und Möbel dürfte er kaputtkratzen, tut er aber nicht. Die Stille und Ruhe hier oben in der Wohnung hat er inzwischen akzeptieren können, auch wenn ihm leise Geräusche viel lauter vorkommen als sie objektiv sind. Das erste Gewitter hat er gerade mit mir zusammen hinter sich gebracht. Er ist ein sehr intelligentes, schlaues aber genauso liebes und verständnisvolles Wesen. Er ist genau der Kater, der an meine Seite gehört hat. Und ich an seine.

Meine Entscheidung, kein Jungtier, sondern einen erwachsenen Kater aufzunehmen, war genau richtig: Simba wusste sofort, was wie und wo funktioniert. Die drei Höhlen, die ich ihm vorbereitet hatte, hat er in den ersten drei Tagen in Beschlag genommen. Nach fünf Tagen schlief er neben meinem Kopfkissen und weckte mich schnurrend und stupsend pünktlich um 8 Uhr.

Damit der Stress niedrig bleibt, habe ich sprachlich eine kleine Konditionierung durchgeführt: „Achtung, Simba, laut. Achtung, laut.“ Mehr brauchte er nicht, um Staubsauger, Bohrmaschine, Waschmaschine und fließendes Wasser zu akzeptieren und einfach zu beobachten.

Er trägt einen großen Stolz im Gesicht, wenn er Sitz, Platz, Rollen, Pfote, Stehen, Bitte und Danke machen darf, ohne bestraft oder betüddelt zu werden. Ich verstehe seine Kommunikation und er meine.

Das Gewitter ist inzwischen vorbeigezogen. Simba sitzt an den großen Balkonfenstern und schaut über unser Hamburg und seine funkelnden, flackernden Lichter hinweg zum Horizont.

Grüße aus Mümmel,
Alexander mit Simba