Nach einen Beißvorfall in Geesthacht, bei dem ein Hundehalter so schwer verletzt wurde, dass er verstarb, wird der Ruf nach erweiterten Rasselisten für Hunde laut. Das ist der falsche Ansatz, sagt unsere erste Vorsitzende Janet Bernhardt. Sie fordert, die Rasselisten abzuschaffen und stattdessen die Halter*innen in die Pflicht zu nehmen: „Die Diskriminierung einiger Hunderassen ist wissenschaftlich nicht belegt und moralisch nicht vertretbar. Rasselisten bieten nur eine Scheinsicherheit und gehören abgeschafft – stattdessen sollten Deutschlands Hundehalter*innen in die Pflicht genommen werden und ihre Sachkunde in Hundehaltung nachweisen müssen.“

In der Freien und Hansestadt Hamburg werden seit mehr als 20 Jahren Hunde aufgrund ihrer Rasse als unwiderlegbar gefährlich eingestuft und dürfen auch mit bestandenem Wesenstest de facto in Hamburg nicht dauerhaft leben. Indem das Hamburger Hundegesetz dabei vor allem die Rasse(n) als Grund für die Gefahren durch Hunde in den Fokus nimmt, berücksichtigt es nicht die tatsächlichen Ursachen, die dazu führen können, dass ein Hund gefährlich wird. Der Hund, der in Geesthacht zunächst seine Halterin schwer verletzte und zwei Wochen später seinen Halter, der an den Folgen starb, gehörte zur Rasse American Bully XL. Diese Rasse ist durch Kreuzungen von Terriern und Bulldoggen entstanden. Dass der American Bully XL nicht gelistet ist, beweist mal wieder, dass nicht Rassen, sondern Individuen betrachtet werden sollten. „Wir fordern daher ein neues, bundesweit einheitlich geltendes Hundegesetz, dass die Sicherheit im Zusammenleben von Mensch und Hund gewährleistet, eine artgemäße Hundehaltung ermöglicht – und Hunden aller Rassen ein Leben innerhalb Hamburgs ermöglicht“, so Janet Bernhardt. 

Hundeführerschein statt Rasseliste
Nicht nur Hamburg führt eine Rasseliste: Jedes Bundesland in Deutschland entscheidet selbst, ob und welche Hunde als "Listenhunde" eingestuft werden. So haben unsere Nachbarbundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein die Rasselisten abgeschafft. Statt Hunde zu diskriminieren, setzt beispielsweise Niedersachsen auf die Schulung der Halter*innen. „Auch für Hamburg wäre ein Sachkundenachweis sinnvoller als die Rasseliste. Ein solcher ‚Hundeführerschein‘ sollte deutschlandweit Pflicht werden – für alle Menschen, die schon einen Hund haben oder halten möchten“, fordert Janet Bernhardt.

In Hamburg gilt unter anderem Bullterrier-Hündin Mina (hier mit Frauchen Janet Bernhardt beim SokaRun in der Hamburger City) als unwiderlegbar gefährlich ...

Rasseliste absurd
Janet Bernhardts eigene Bullterrier-Hündin, zählt laut Hamburger Hundegesetz zur Kategorie 1: „Wir leben außerhalb von Hamburg, wo Mina ganz normal Hund sein darf – sobald wir aber Hamburger Boden betreten, gilt sie als unwiderlegbar gefährlich, muss an kurzer Leine geführt werden und Maulkorb“, berichtet Janet Bernhardt. Dass-Kategorie-Hunde in Hamburg nur mit einer Sondererlaubnis leben dürfen, die praktisch nicht erteilt wird, hat auch gravierende Folgen für unser Tierheim. Janet Bernhardt: „Kat-Hunde haben es viel schwerer ein neues Zuhause zu finden, darum bleiben sie oft länger bei uns – und wenn sie nicht ein anderes Bundesland vermittelt werden können, sogar für den Rest ihres Lebens.“

... in Schleswig-Holstein (keine Rasseliste!) hingegen darf Hündin Mina ohne Maulkorb bei einem Unterrichtsbesuch mit Schüler*innen kuscheln.

Vorläufiger Kompromiss
Wie halbherzig das Hamburger Hundegesetz letztendlich gehandhabt wird, zeigen die unzähligen Kat-1-Hunde, die illegal in Hamburg leben und auch ohne Maulkorb geführt werden. Die Stadt befolgt das Hundegesetz eigentlich erst, wenn die Tiere bei uns im Tierheim sind. „Das ist nicht nur inkonsequent, sondern macht sowohl die Hunde als auch uns zu Leidtragenden“, sagt Janet Bernhardt. Sie schlägt vor: „Bis sich etwas ändert und die Halter*innen in den Fokus genommen werden, sollten wenigstens alle Hunde mit einem Wesenstest beweisen können, dass sie nicht gefährlich sind.“ Außerdem sollten Kat-Hunde, die dann in Hamburg leben dürften, aus dem Tierschutz adoptiert worden sein, so unsere 1. Vorsitzende: „Diese Hunde wurden von Fachleuten begutachtet, damit sie das passende Zuhause bekommen können. Zudem spart die Stadt Geld, weil die Kat-Hunde nicht mehr so lange im Tierheim verweilen müssen.“   

Laut Hamburger Hundegesetz gelten bisher 

- American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier sowie Mischlinge mit diesen Rassen als unwiderlegbar gefährlich (Kategorie 1). 

- Hunde der Rassen Bullmastiff, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Kangal, Kaukasischer Owtscharka, Mastiff, Mastin Español, Mastino Napoletano, Rottweiler, Tosa Inu und entsprechende Mischlinge ebenfalls als gefährlich. Freistellungen sind jedoch möglich, wenn der Hund einen Wesenstest bestanden hat (Kategorie 3).

Foto oben: Unsere Lala sucht noch ein liebevolles Zuhause - hier erfahren Sie mehr.